Urteil: Jens Lehmann soll 420.000 Euro zahlen
22.12.2023 - 15:19:26Der ehemalige FuĂball-Nationaltorwart Jens Lehmann ist zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Starnberg verhĂ€ngte 210 TagessĂ€tze zu je 2000 Euro wegen SachbeschĂ€digung, Beleidigung und versuchten Betrugs - insgesamt 420.000 Euro.
Lehmann habe sich «durchgĂ€ngig als Opfer der Justiz» inszeniert, sagte Richterin Tanja Walter. Er sei «jedoch nicht Opfer, er ist TĂ€ter» und habe vor Gericht «hanebĂŒchene Geschichten» zu seiner Verteidigung vorgebracht.
Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Prozess, in dessen Mittelpunkt ein skurriler Nachbarschaftsstreit und ein Vorfall mit einer KettensÀge standen, eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf BewÀhrung gefordert - und eine Geldauflage von 216.000 Euro. «Mit der KettensÀge in den HÀnden werden Helden zu Legenden», sagte Staatsanwalt Stefan Kreutzer - oder sie landeten vor Gericht.
Anklage wegen SachbeschÀdigung, Beleidigung, versuchten Betrugs
Lehmann war angeklagt wegen SachbeschĂ€digung, Beleidigung und versuchten Betrugs. Die Staatsanwaltschaft warf dem 54-JĂ€hrigen vor, mit einer KettensĂ€ge in die neu gebaute Garage seines Nachbarn eingedrungen zu sein und dort einen Dachbalken angesĂ€gt zu haben. Der ursprĂŒnglich auch noch angeklagte Vorwurf des Hausfriedensbruchs war fallengelassen worden, nachdem der Nachbar einen entsprechenden Strafantrag zurĂŒckgenommen hatte.
Es gebe «keinen Zweifel» daran, dass die VorwĂŒrfe gegen den WM-Helden von 2006 zutreffen, betonte Staatsanwalt Kreutzer. Lehmann habe seinem Nachbarn «schlicht und ergreifend eins auswischen» wollen. Er sah bei Lehmann eine hohe kriminelle Energie und warf im «Selbstjustiz» vor.
Kreutzer hatte auch keinen Zweifel daran, dass Lehmann die ParkgebĂŒhren in einem Parkhaus am Flughafen nicht zahlen wollte und darum vorgab, im Parkhaus noch etwas zu tun zu haben - und dann StoĂstange an StoĂstange hinter einem anderen Auto unter der Schranke hindurchfuhr. «Das ist ja hochgradig verhaltensauffĂ€llig», sagte Kreutzer. «Und das fĂŒr ein paar Hundert Euro - bei Ihren finanziellen VerhĂ€ltnissen.»
ErinnerungslĂŒcken
Lehmann hatte am ersten Prozesstag eingerĂ€umt, die Garage mit der KettensĂ€ge in der Hand betreten zu haben, sich ansonsten aber auf ErinnerungslĂŒcken berufen und von falschen VerdĂ€chtigungen und Rufmord gesprochen. «Der Einzige, der sich rufschĂ€digend seiner eigenen Person gegenĂŒber verhalten hat, ist der Angeklagte selbst», sagte Richterin Walter.
Lehmanns Anwalt Christoph RĂŒcker sagte in seinem PlĂ€doyer: «Die Staatsanwaltschaft schieĂt mit Kanonen auf Spatzen.» Er warf dem Staatsanwalt Rache vor und ein unzulĂ€ssiges «Moralisieren». Lehmann leide unter einem Promi-Malus, die Anklagepunkte seien «Peanuts». «Dieser Gerichtssaal ist keine moralische Instanz, die einen frĂŒheren Nationalspieler zu erziehen hat.» Er forderte Freispruch vom Vorwurf der SachbeschĂ€digung und des versuchten Betrugs und fĂŒr die Beleidigung von Polizisten eine Geldstrafe von 50 TagessĂ€tzen zu je unter 500 Euro.


