Bandenkrieg in Ecuador: MilitĂ€r meldet ĂŒber 300 Festnahmen
11.01.2024 - 04:04:03Nach einer Provokation der kriminellen Banden im Live-TV greift die ecuadorianische Regierung hart gegen die Gangs durch. Bei EinsĂ€tzen im ganzen Land wurden 329 VerdĂ€chtige festgenommen. Zudem seien Schusswaffen, Munition, Sprengstoff, BrandsĂ€tze, Boote und Fahrzeuge sichergestellt worden, sagte Generalstabschef Jaime Vela. Demnach befreiten Soldaten und Polizisten zudem 41 Geiseln aus der Gewalt der Gangs. FĂŒnf mutmaĂliche Bandenmitglieder seien von SicherheitskrĂ€ften getötet worden.
In einer beispiellosen Machtdemonstration waren Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Ăbertragung in die RĂ€umlichkeiten des staatlichen Fernsehsenders TC TelevisiĂłn in der Hafenstadt Guayaquil eingedrungen und hatten mehrere Journalisten und Mitarbeiter als Geiseln genommen. In den Aufnahmen waren SchĂŒsse und Schreie von Menschen zu hören.
«Alle diese Gruppen sind jetzt militÀrische Ziele»
PrÀsident Daniel Noboa hatte 22 kriminelle Gruppen per Dekret als terroristische Organisationen und nicht-staatliche Kriegsparteien deklariert, die auszuschalten seien. «Alle diese Gruppen sind jetzt militÀrische Ziele», sagte MilitÀrchef Vela. Ecuador befinde sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in einem internen bewaffneten Konflikt, hieà es in dem Dekret weiter.
Der Staatschef warnte Beamte davor, mit den Verbrechersyndikaten zu kollaborieren. «Wir befinden uns im Kriegszustand und dĂŒrfen uns den terroristischen Gruppen nicht ergeben», sagte Noboa in einem Radiointerview. Richter, Polizisten und Soldaten, die mit den Gangs zusammenarbeiten, werde der Prozess wegen Terrorismus gemacht.
Auch Richter und Polizisten involviert
Nach EinschĂ€tzung von Sicherheitsexperten haben die Gangs weite Teile des Staates und der Gesellschaft bereits infiltriert. Ende vergangenen Jahres waren bei landesweiten Razzien gegen das organisierte Verbrechen ĂŒber zwei Dutzend VerdĂ€chtige festgenommen worden, darunter Richter, StaatsanwĂ€lte, Polizisten und Beamte des Strafvollzugs. «Die Ermittlungen zeigen, wie der Drogenhandel in die staatlichen Institutionen vorgedrungen ist», sagte GeneralstaatsanwĂ€ltin Diana Salazar damals.
Zuletzt war die Gewalt in Ecuador immer weiter eskaliert. Im ganzen Land verĂŒbten Mitglieder krimineller Banden SprengstoffanschlĂ€ge, setzten Fahrzeuge in Brand und griffen SicherheitskrĂ€fte an. In Guayaquil kamen nach Polizeiangaben bei KĂ€mpfen mindestens acht Menschen ums Leben. Aus Angst vor PlĂŒnderungen verbarrikadierten viele GeschĂ€ftsleute ihre LĂ€den. Bis Ende der Woche sollen alle Schulen des Landes geschlossen bleiben, wie das Bildungsministerium mitteilte.
Höchste Mordrate in der Geschichte Ecuadors
Die Sicherheitslage in Ecuador hatte sich zuletzt dramatisch verschlechtert. Die Mordrate von rund 46,5 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr war die bislang höchste in der Geschichte des einst friedlichen Andenstaates und eine der höchsten Lateinamerikas. Mehrere Banden mit Verbindungen zu mĂ€chtigen mexikanischen Kartellen kĂ€mpfen um die Kontrolle ĂŒber die Routen des Drogenhandels. Ecuador ist ein wichtiges Transitland fĂŒr Kokain aus SĂŒdamerika, das in die USA und nach Europa geschmuggelt wird.













