Bandenkrieg, Ecuador

Bandenkrieg in Ecuador: MilitĂ€r meldet ĂŒber 300 Festnahmen

11.01.2024 - 04:04:03

Nach einer Machtdemonstration der Gangs vor laufenden Kameras zeigt der Staat seine Muskeln. Der PrÀsident wirft Soldaten in den Kampf gegen die Banden. Doch die Wurzel des Problems sitzt tiefer.

  • Nach einer beispiellosen Machtdemonstration der kriminellen Banden im Live-Fernsehen hat die ecuadorianische Regierung den kriminellen Gangs in dem sĂŒdamerikanischen Land den Krieg erklĂ€rt. - Foto: Cesar Munoz/AP

    Cesar Munoz/AP

  • Angesichts der eskalierenden Bandengewalt in Ecuador hat PrĂ€sident Noboa die Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Gangs und SicherheitskrĂ€ften als internen bewaffneten Konflikt deklariert. Die StreitkrĂ€fte wĂŒrden angewiesen, EinsĂ€tze gegen rund 20 kriminelle Organisationen durchzufĂŒhren. - Foto: Juan Diego Montenegro/dpa

    Juan Diego Montenegro/dpa

  • Im Kampf gegen kriminelle Banden haben die ecuadorianischen SicherheitskrĂ€fte 329 VerdĂ€chtige festgenommen. - Foto: Cesar Munoz/AP/dpa

    Cesar Munoz/AP/dpa

  • Nach einer beispiellosen Machtdemonstration der kriminellen Banden im Live-Fernsehen hat die ecuadorianische Regierung um PrĂ€sident Daniel Noboa (M) den kriminellen Gangs in dem sĂŒdamerikanischen Land den Krieg erklĂ€rt. - Foto: Eduardo Santillan/Presidencia Ecuador/dpa

    Eduardo Santillan/Presidencia Ecuador/dpa

  • In Ecuador sind Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Übertragung in die RĂ€umlichkeiten eines Fernsehsenders eingedrungen. Mehrere Journalisten und Mitarbeiter wurden von einer Gruppe von Kriminellen mit Maschinengewehren und Sprengstoff bedroht und als Geiseln genommen. - Foto: Uncredited/TC Television network/AP/dpa

    Uncredited/TC Television network/AP/dpa

  • Die Polizei fĂŒhrt eine kontrollierte Explosion eines verdĂ€chtigen Fahrzeugs durch, das einen HĂ€userblock vom GefĂ€ngnis El Inca entfernt geparkt ist. - Foto: Carlos Noriega/AP

    Carlos Noriega/AP

Nach einer beispiellosen Machtdemonstration der kriminellen Banden im Live-Fernsehen hat die ecuadorianische Regierung den kriminellen Gangs in dem sĂŒdamerikanischen Land den Krieg erklĂ€rt. - Foto: Cesar Munoz/APAngesichts der eskalierenden Bandengewalt in Ecuador hat PrĂ€sident Noboa die Auseinandersetzungen zwischen kriminellen Gangs und SicherheitskrĂ€ften als internen bewaffneten Konflikt deklariert. Die StreitkrĂ€fte wĂŒrden angewiesen, EinsĂ€tze gegen rund 20 kriminelle Organisationen durchzufĂŒhren. - Foto: Juan Diego Montenegro/dpaIm Kampf gegen kriminelle Banden haben die ecuadorianischen SicherheitskrĂ€fte 329 VerdĂ€chtige festgenommen. - Foto: Cesar Munoz/AP/dpaNach einer beispiellosen Machtdemonstration der kriminellen Banden im Live-Fernsehen hat die ecuadorianische Regierung um PrĂ€sident Daniel Noboa (M) den kriminellen Gangs in dem sĂŒdamerikanischen Land den Krieg erklĂ€rt. - Foto: Eduardo Santillan/Presidencia Ecuador/dpaIn Ecuador sind Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Übertragung in die RĂ€umlichkeiten eines Fernsehsenders eingedrungen. Mehrere Journalisten und Mitarbeiter wurden von einer Gruppe von Kriminellen mit Maschinengewehren und Sprengstoff bedroht und als Geiseln genommen. - Foto: Uncredited/TC Television network/AP/dpaDie Polizei fĂŒhrt eine kontrollierte Explosion eines verdĂ€chtigen Fahrzeugs durch, das einen HĂ€userblock vom GefĂ€ngnis El Inca entfernt geparkt ist. - Foto: Carlos Noriega/AP

Nach einer Provokation der kriminellen Banden im Live-TV greift die ecuadorianische Regierung hart gegen die Gangs durch. Bei EinsĂ€tzen im ganzen Land wurden 329 VerdĂ€chtige festgenommen. Zudem seien Schusswaffen, Munition, Sprengstoff, BrandsĂ€tze, Boote und Fahrzeuge sichergestellt worden, sagte Generalstabschef Jaime Vela. Demnach befreiten Soldaten und Polizisten zudem 41 Geiseln aus der Gewalt der Gangs. FĂŒnf mutmaßliche Bandenmitglieder seien von SicherheitskrĂ€ften getötet worden.

In einer beispiellosen Machtdemonstration waren Bewaffnete wĂ€hrend einer Live-Übertragung in die RĂ€umlichkeiten des staatlichen Fernsehsenders TC TelevisiĂłn in der Hafenstadt Guayaquil eingedrungen und hatten mehrere Journalisten und Mitarbeiter als Geiseln genommen. In den Aufnahmen waren SchĂŒsse und Schreie von Menschen zu hören.

«Alle diese Gruppen sind jetzt militÀrische Ziele»

PrĂ€sident Daniel Noboa hatte 22 kriminelle Gruppen per Dekret als terroristische Organisationen und nicht-staatliche Kriegsparteien deklariert, die auszuschalten seien. «Alle diese Gruppen sind jetzt militĂ€rische Ziele», sagte MilitĂ€rchef Vela. Ecuador befinde sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in einem internen bewaffneten Konflikt, hieß es in dem Dekret weiter.

Der Staatschef warnte Beamte davor, mit den Verbrechersyndikaten zu kollaborieren. «Wir befinden uns im Kriegszustand und dĂŒrfen uns den terroristischen Gruppen nicht ergeben», sagte Noboa in einem Radiointerview. Richter, Polizisten und Soldaten, die mit den Gangs zusammenarbeiten, werde der Prozess wegen Terrorismus gemacht.

Auch Richter und Polizisten involviert

Nach EinschĂ€tzung von Sicherheitsexperten haben die Gangs weite Teile des Staates und der Gesellschaft bereits infiltriert. Ende vergangenen Jahres waren bei landesweiten Razzien gegen das organisierte Verbrechen ĂŒber zwei Dutzend VerdĂ€chtige festgenommen worden, darunter Richter, StaatsanwĂ€lte, Polizisten und Beamte des Strafvollzugs. «Die Ermittlungen zeigen, wie der Drogenhandel in die staatlichen Institutionen vorgedrungen ist», sagte GeneralstaatsanwĂ€ltin Diana Salazar damals.

Zuletzt war die Gewalt in Ecuador immer weiter eskaliert. Im ganzen Land verĂŒbten Mitglieder krimineller Banden SprengstoffanschlĂ€ge, setzten Fahrzeuge in Brand und griffen SicherheitskrĂ€fte an. In Guayaquil kamen nach Polizeiangaben bei KĂ€mpfen mindestens acht Menschen ums Leben. Aus Angst vor PlĂŒnderungen verbarrikadierten viele GeschĂ€ftsleute ihre LĂ€den. Bis Ende der Woche sollen alle Schulen des Landes geschlossen bleiben, wie das Bildungsministerium mitteilte.

Höchste Mordrate in der Geschichte Ecuadors

Die Sicherheitslage in Ecuador hatte sich zuletzt dramatisch verschlechtert. Die Mordrate von rund 46,5 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr war die bislang höchste in der Geschichte des einst friedlichen Andenstaates und eine der höchsten Lateinamerikas. Mehrere Banden mit Verbindungen zu mĂ€chtigen mexikanischen Kartellen kĂ€mpfen um die Kontrolle ĂŒber die Routen des Drogenhandels. Ecuador ist ein wichtiges Transitland fĂŒr Kokain aus SĂŒdamerika, das in die USA und nach Europa geschmuggelt wird.

@ dpa.de