UNTERFRANKEN, Zum 15. Juni

Zehn Jahre nach BrĂŒckeneinsturz immer noch Verfahren

14.06.2026 - 04:00:05 | dpa.de

Nahezu tĂ€glich wird an Deutschlands Autobahnen gearbeitet. Bei Schweinfurt betonieren Arbeiter im Juni 2016 eine BrĂŒcke, als das TraggerĂŒst plötzlich nachgibt. Etliche MĂ€nner stĂŒrzen in die Tiefe.

  • Noch immer beschĂ€ftigen sich Gerichte mit dem UnglĂŒck. (Archivbild) - Bild: Hajo Dietz/dpa
    Noch immer beschĂ€ftigen sich Gerichte mit dem UnglĂŒck. (Archivbild) - Bild: Hajo Dietz/dpa
  • Mittlerweile ist die BrĂŒcke erneuert. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Mittlerweile ist die BrĂŒcke erneuert. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Drei Urteile von Strafprozessen sind bereits rechtskrĂ€ftig. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
    Drei Urteile von Strafprozessen sind bereits rechtskrÀftig. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa
Noch immer beschĂ€ftigen sich Gerichte mit dem UnglĂŒck. (Archivbild) - Bild: Hajo Dietz/dpa Mittlerweile ist die BrĂŒcke erneuert. (Archivbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa Drei Urteile von Strafprozessen sind bereits rechtskrĂ€ftig. (Archivbild) - Bild: picture alliance / dpa

Zehn Jahre nach dem Einsturz einer AutobahnbrĂŒcke bei Schweinfurt mit einem Toten ist die juristische Aufarbeitung des UnglĂŒcks bislang nicht abgeschlossen. Allein beim Landgericht Schweinfurt seien noch ein Strafverfahren und drei Zivilverfahren anhĂ€ngig, in denen es etwa um Schadenersatz und Schmerzensgeld fĂŒr die Opfer gehe, teilte eine Gerichtssprecherin mit. 

Insgesamt waren am Landgericht vier MĂ€nner unter anderem wegen fahrlĂ€ssiger Tötung angeklagt - drei PrĂŒfingenieure und ein Statiker. 

Am 15. Juni 2016 war das TraggerĂŒst fĂŒr die neue Schraudenbach-TalbrĂŒcke auf der Autobahn 7 nahe Werneck im Norden Bayerns eingestĂŒrzt, als gerade 1.500 Tonnen Beton eingefĂŒllt waren. Etliche MĂ€nner fielen mehr als 20 Meter in die Tiefe. Ein Bauarbeiter starb, 14 wurden verletzt. Die meisten GeschĂ€digten kommen nach Gerichtsangaben aus Kroatien. 

Zweimal Haftstrafe

Die Strafprozesse gegen drei Angeklagte sind mittlerweile rechtskrÀftig abgeschlossen. Das Landgericht Schweinfurt hatte im Mai 2023 einen heute 62 Jahre alten Ingenieur wegen fahrlÀssiger Tötung sowie fahrlÀssiger Körperverletzung in 14 FÀllen zu einer Haftstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, ausgesetzt zur BewÀhrung. Seine Revision gegen diese Entscheidung hatte keinen Erfolg. 

Die Vorsitzende Richterin sprach im Urteil von einer lĂŒckenhaften statischen Berechnung, die zu dem UnglĂŒck gefĂŒhrt habe. Das aufgebaute TraggerĂŒst der neuen BrĂŒcke hĂ€tte die Last im betroffenen Abschnitt nie tragen können.

In dem Verfahren wurde zudem ein heute 52-JĂ€hriger zu neun Monaten Haft, ausgesetzt zur BewĂ€hrung, verurteilt. Wegen eines Formfehlers hob der Bundesgerichtshof die Entscheidung allerdings auf und wies den Fall an eine andere Kammer des Landgerichts zurĂŒck. Ein Termin fĂŒr einen neuerlichen Prozess gegen den PrĂŒfingenieur gibt es bisher nicht. 

Freispruch und Einstellung

Ein dritter PrĂŒfingenieur, mittlerweile 68 Jahre alt, wurde freigesprochen. Der Prozess gegen den vierten Angeklagten, einen Statiker, war 2023 von den anderen Verfahren abgetrennt worden, weil seine Verteidigerin aus gesundheitlichen GrĂŒnden verhindert war. Im Mai 2025 stellte das Landgericht das Verfahren gegen den heute 54-JĂ€hrigen dann ein, weil die Kammer die Schuld des Angeklagten als geringfĂŒgig ansah. Der Mann wurde aber zu einer Geldauflage in Höhe von 5.000 Euro verpflichtet, zu zahlen an das Bayerische Rote Kreuz in Schweinfurt. 

Mehrere Zivilverfahren anhÀngig

Die zivilrechtlichen AnsprĂŒche sind von den Entscheidungen in den Strafprozessen unberĂŒhrt. Die Verteidigerin des einstmals angeklagten Statikers hatte in dem Prozess von sieben zivilrechtlichen Verfahren allein gegen den 54-JĂ€hrigen gesprochen. «Da geht’s um mehrere Millionen», sagte die AnwĂ€ltin, erwĂ€hnte allerdings die zustĂ€ndigen Gerichte nicht.

Die 1965 gebaute BrĂŒcke musste unter anderem wegen ihres schlechten Zustandes erneuert werden. Die jahrzehntelange Dauerbelastung mit tonnenschweren Sattelschleppern hat auf der vielbefahrenen Autobahn 7 Spuren hinterlassen. Der Ende 2019 fertiggestellte Neubau ist 236 Meter lang, bis zu 22 Meter hoch und kostete nach Angaben der Autobahndirektion Nordbayern etwa 18 Millionen Euro.

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