Deutschland, Notfall

Wenn Autos Waffen werden: folgenschwere Taten in Deutschland

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 12:51 Uhr | dpa.de

Nicht jede Fahrt in eine Menschenmenge ist ein Terroranschlag. Die Motive der TĂ€ter reichen von politischem Extremismus bis zu schweren psychischen Erkrankungen.

Gedenken an die Opfer  - Bild: Maurizio Gambarini/dpa
Gedenken an die Opfer - Bild: Maurizio Gambarini/dpa

Autos werden in Deutschland seit Jahren immer wieder als Waffe gegen unbeteiligte Menschen eingesetzt. Die TĂ€ter kennen ihre Opfer dabei in der Regel nicht. Es handelt sich nicht nur um TerroranschlĂ€ge, die Motive sind sehr unterschiedlich. Mehr als 30 Menschen kamen seit 2018 vor dem aktuellen Angriff auf dem Berliner CSD dabei ums Leben. Eine Übersicht: 

Berlin. Weihnachtsmarkt an der GedÀchtniskirche - 19. Dezember 2016: Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland sterben zwölf Menschen, Dutzende werden zum Teil schwer verletzt. Der tunesische AttentÀter Anis Amri lenkt am Abend einen gestohlenen Lastwagen auf den gut besuchten Weihnachtsmarkt. Den polnischen Fahrer, den 13. Toten, hatte er zuvor erschossen. Amri, 24 Jahre alt und AnhÀnger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), entkommt zunÀchst. Einige Tage spÀter wird er auf seiner Flucht von italienischen Polizisten erschossen. 

Magdeburg. Weihnachtsmarkt - 20. Dezember 2024: Taleb Al-Abdulmohsen aus Saudi-Arabien rast mit einem PS-starken Mietwagen durch eine LĂŒcke zwischen Betonabsperrungen auf den belebten Weihnachtsmarkt. FĂŒnf Frauen und ein neunjĂ€hriger Junge sterben, Hunderte Menschen werden verletzt. Im Juni 2026 wird der 51-JĂ€hrige, der seit 2006 in Deutschland lebt und als Arzt im Maßregelvollzug fĂŒr psychisch kranke StraftĂ€ter arbeitete, zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts handelte der TĂ€ter aus einem komplexen MotivbĂŒndel, zu dem unter anderem Rachefantasien gegenĂŒber Deutschland und deutschen Behörden gehörten. Ein psychiatrischer SachverstĂ€ndiger bescheinigte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. 

Trier. FußgĂ€ngerzone - 1. Dezember 2020: Ein 51-jĂ€hriger Deutscher fĂ€hrt mit seinem GelĂ€ndewagen zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte FußgĂ€ngerzone in der Innenstadt. Dabei steuerte er seinen Pkw in der Absicht, möglichst viele Menschen zu töten, gezielt auf verschiedene Menschen und Gruppen zu. Sechs Menschen sterben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Mehr als 20 Menschen werden teils schwer verletzt. Laut Gerichtsurteil litt der Mann aufgrund einer paranoiden Schizophrenie an Wahnvorstellungen. Er verbĂŒĂŸt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem psychiatrischen Krankenhaus. 

Leipzig. Zentrum - 4. Mai 2026: Ein 33-jĂ€hriger Deutscher fĂ€hrt in der Leipziger Innenstadt mit einem weißen Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, weitere werden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der TĂ€ter wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Mannheim. Rosenmontagszug - 3. MÀrz 2025: Ein 40-jÀhriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz fÀhrt in der Mannheimer Innenstadt mit seinem Auto in den Rosenmontagszug. Zwei Menschen kommen ums Leben, mehrere werden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wird ausgeschlossen. 

MĂŒnchen. Zentrum - 13. Februar 2025: Der 24-jĂ€hrige Afghane Farhad N. steuert seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern. Eine Mutter und ihre zwei Jahre alte Tochter sterben, mehr als 40 weitere Menschen werden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 lĂ€uft der Prozess am Oberlandesgericht MĂŒnchen. 

Berlin, Zentrum - Juni 2022: Ein 29-jĂ€hriger Deutsch-Armenier fĂ€hrt am KurfĂŒrstendamm mit dem Auto seiner Ă€lteren Schwester in eine SchĂŒlergruppe aus Bad Arolsen (Hessen). Eine Lehrerin wird dabei getötet, mehrere Menschen werden zum Teil schwer verletzt. FĂŒr die Staatsanwaltschaft gibt es keinen Anhaltspunkt fĂŒr einen terroristischen Hintergrund, sie geht von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus. 

Witzenhausen - Oktober 2021: In der nordhessischen Kleinstadt fÀhrt ein 31-jÀhriger Mann vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjÀhriges MÀdchen stirbt im Krankenhaus. Das Gericht stellt fest, dass der TÀter an einer paranoiden Schizophrenie litt und unter Verfolgungswahn stand. Er kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus. 

Volkmarsen - Februar 2020: Am Rosenmontag steuert ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto bei einem Karnevalsumzug absichtlich in die Menge. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, werden teils schwer verletzt. Der Fahrer wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bottrop und Essen - Januar 2019: Kurz nach dem Jahreswechsel steuert ein Rechtsradikaler sein Auto an beiden Orten in Feiernde, die er fĂŒr AuslĂ€nder hĂ€lt. Es gibt 14 Verletzte. Der Deutsche kommt in die geschlossene Psychiatrie.

MĂŒnster, Zentrum - April 2018: Ein 48-jĂ€hriger Deutscher fĂ€hrt mit seinem Campingbus in eine Gruppe von Menschen vor einer GaststĂ€tte und erschießt sich nach der Tat. Zwei Menschen sterben, 20 werden zum Teil schwer verletzt. Laut Polizei war der TĂ€ter psychisch labil und suizidgefĂ€hrdet.

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