Insekt, Hunger

Kleines Insekt, großer Hunger: Miniermotte schadet Kastanien

26.08.2024 - 04:00:40 | dpa.de

Noch ist der Herbst fern - und doch werfen viele Kastanien schon braune BlÀtter ab. Schuld ist eine kleine Larve.

Noch ist der Herbst fern - und doch werfen viele Kastanien schon braune BlÀtter ab. Schuld ist eine kleine Larve. - Foto: Christoph Soeder/dpa
Noch ist der Herbst fern - und doch werfen viele Kastanien schon braune BlÀtter ab. Schuld ist eine kleine Larve. - Foto: Christoph Soeder/dpa

Unter vielen Kastanien liegen bereits die ersten Laubberge. Das liegt nicht etwa an trocken-heißen Tagen, sondern an einem Insekt, das den BĂ€umen seit Jahren zu schaffen macht. In diesem Jahr sei der Befall mit Miniermotten extrem auffĂ€llig, ist Olaf Zimmermann, Insektenkundler am Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe, ĂŒberzeugt.Bundesweit haben weißblĂŒtige Rosskastanien in Alleen, Parks und GĂ€rten bereits im Sommer kaum noch BlĂ€tter, die verbliebenen sind ausgetrocknet und welk. Typisch sei eine VerfĂ€rbung und das Abfallen erster BlĂ€tter in der zweiten AugusthĂ€lfte, sagt Roland MĂŒhlethaler vom Naturschutzbund (Nabu). Generell verschiebe sich das Naturgeschehen im Zuge der KlimaerwĂ€rmung nach vorn, starte also immer frĂŒher im Jahr.

Trockenheit verstÀrkt die Probleme

Der Rosskastanie setzt MĂŒhlethaler zufolge neben der Kastanien-Miniermotte besonders Trockenheit zu. «Durch Trockenheit gestresste BĂ€ume sind generell anfĂ€lliger fĂŒr SchĂ€dlinge», erklĂ€rt der Nabu-Experte. Im Nordosten Deutschlands sei das nach mehreren aufeinanderfolgenden Jahren mit großer Trockenheit besonders ausgeprĂ€gt. «Die BĂ€ume erholen sich nur langsam davon, viele sind auch abgestorben.»

Obwohl die Rosskastanie ursprĂŒnglich ein mediterraner Baum sei, brauche sie genĂŒgend Feuchtigkeit. «Zu trockene Jahre in Verbindung mit starkem SchĂ€dlingsbefall können lĂ€ngerfristig zum Absterben fĂŒhren», sagt MĂŒhlethaler.

Keine heimische Art

FĂŒr die heimische Natur sei das Verschwinden einer solchen gebietsfremden Art kein großer Verlust. Nicht nur wegen der Miniermotte, sondern generell sei das Anpflanzen einheimischer BĂ€ume vorzuziehen.

Rosskastanien-Miniermotten (Cameraria ohridella) sind rund fĂŒnf Millimeter lange, orange-weiß-gestreifte Kleinschmetterlinge, die ihre Eier auf Blattoberseiten des Kastanienbaums ablegen. Nach etwa drei Wochen schlĂŒpfen Larven, die sich in den Wochen darauf durch das Blattinnere fressen, wie es beim Nabu heißt. Dadurch welken die BlĂ€tter des Baumes sehr schnell.

Durch das Absterben der BlĂ€tter werden die BĂ€ume an der energieliefernden Photosynthese gehindert. Auf Dauer schwĂ€cht sie das und macht sie anfĂ€lliger fĂŒr andere Belastungen. In milden Wintern ĂŒberleben besonders viele Larven der Motte.

Hilfe leicht möglich

Helfen lĂ€sst sich der Kastanie vorm Haus mit einem einfachen Mittel: dem sorgfĂ€ltigen Wegsammeln und Entsorgen der BlĂ€tter. Damit werden die Larven in den BlĂ€ttern entfernt, aus denen sonst neue Motten schlĂŒpfen wĂŒrden.

Nur weißblĂŒhende Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) werden befallen, rotblĂŒhende der Art Aesculus carnea sind nicht betroffen.

Bereits seit dem 17. Jahrhundert wurde die Rosskastanie aufgrund ihrer attraktiven Belaubung und BlĂŒten in Parkanlagen, GĂ€rten und Straßen in ganz Europa kultiviert, wie es beim Nabu heißt. Seit 1989 eroberte demnach die Miniermotte invasionsartig fast ganz Europa, ausgehend wahrscheinlich von einst unzugĂ€nglichen Schluchten auf dem Balkan.

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