KinderÀrzte: Eltern versagen beim Schutz vor Social Media
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 01:10 Uhr | dpa.de
Kinder- und JugendĂ€rzte verlangen einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sozialen Medien und beklagen dabei ein Versagen der Eltern. «Ich merke fast jeden Tag in meiner Praxis, dass sich die Probleme immer weiter verschĂ€rfen», sagte der Bundessprecher des PĂ€diater-Berufsverbandes BVKJ, Jakob Maske, der «Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung» (Samstag). «Kinder können sich der krassen Beeinflussung auf den Plattformen kaum noch entziehen, und Jugendlichen ist es fast nicht mehr möglich, sich eine freie Meinung zu bilden.» Es sei lĂ€ngst erwiesen, dass Social Media vor allem junge Menschen krank und dumm mache.
Was Eltern aus Ărztesicht leisten sollten
«Es gibt leider ein gravierendes Elternversagen, was Social Media und Bildschirmnutzung angeht», sagte Maske weiter. Sie mĂŒssten Grenzen setzen und selbst Vorbild sein. «Das passiert leider viel zu selten, sie machen es nicht, oder sie scheitern beim Versuch, Regeln durchzusetzen», sagte der Mediziner. «Wenn ich ins Wartezimmer schaue, kleben dort Eltern und Kinder an ihren Smartphones. Schon Kleinkinder haben Kopfhörer auf und ein Tablet vor der Nase.» Es gebe den Trend, noch kleinere Kinder mit den GerĂ€ten abzulenken.
Zuletzt hatte Frankreich als erstes EU-Land ein Social-Media-Verbot fĂŒr Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren beschlossen. Mehrere MitgliedslĂ€nder, darunter Spanien, Griechenland und Ăsterreich, wollen ein Social-Media-Verbot fĂŒr MinderjĂ€hrige bis zu einem bestimmten Alter gesetzlich festlegen. Auch Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) kĂŒndigte an, ein solches Verbot in Deutschland einfĂŒhren zu wollen.
Was die Ărzte von der Politik fordern
Der Berufsverband der Kinder- und JugendĂ€rzte und -Ă€rztinnen (BVKJ) als Interessenvertretung dieser Berufsgruppe sei inzwischen offen fĂŒr ein Verbot von Social Media, «etwa bis 14 Jahren», sagte Maske. Die Bundesregierung und der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) mĂŒssten endlich handeln. «Es gibt lĂ€ngst die Möglichkeit, national Bedingungen fĂŒr Plattformen zu setzen.» Die EnglĂ€nder machten es vor. «Es geht um die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft.»
