Oktoberfest-Halbzeit: 3,8 Millionen Besucher trotz zwei UnglĂŒcken
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 16:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSZur Halbzeit des Oktoberfests haben nach SchĂ€tzung der Festleitung rund 3,8 Millionen Menschen die Wiesn besucht â etwa 300.000 mehr als im Vorjahr.
Mehr GÀste, entspannte AtmosphÀre
Bei sonnigem Wetter und Temperaturen um 20 Grad oder darĂŒber verlief die erste Woche nach Angaben von Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) friedlich und entspannt. MĂŒnchens dritte BĂŒrgermeisterin Verena Dietl (SPD) sprach von einer harmonischen AtmosphĂ€re.
Polizei und Wiesn-SanitÀtsstation verzeichneten zwar mehr EinsÀtze, zogen aber ebenfalls eine positive Zwischenbilanz. GefÀhrliche Auslastungsspitzen wie im Vorjahr habe es nicht gegeben. Unter der Woche kamen nach Angaben der Festleitung 18,5 Prozent mehr Besucher, wÀhrend die Wochenenden leicht unter dem Vorjahresniveau lagen.
Zwei UnglĂŒcke ĂŒberschatten das Fest
Ăberschattet wurde die Wiesn von zwei UnglĂŒcksfĂ€llen. Bei Buchloe im OstallgĂ€u kippte ein Reisebus auf der Autobahn 96 um. Zwei Menschen starben, zahlreiche weitere wurden teilweise schwer verletzt. Die Reisegruppe aus Italien wollte auf dem Oktoberfest feiern.
Am dritten Wiesntag starb zudem ein 52 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter eines FahrgeschÀfts, nachdem ihn eine Gondel getroffen hatte. Warum er sich in dem abgesperrten Bereich aufhielt, ist Gegenstand der Ermittlungen. Bei einem traditionellen Gottesdienst gedachte die Wiesn-Gemeinde des Mannes.
Technik soll Menschenströme lenken
Das optimierte Sicherheitskonzept setzt auf KI-gestĂŒtzte Videokameras und einen Crowdspotter, der die Lage beobachtet und bei Bedarf per Durchsage eingreift. Am Samstag wurden wegen starken Andrangs zeitweise EingĂ€nge geschlossen. Laut Scharpf entstanden dabei jedoch keine Menschentrauben wie im vergangenen Jahr.
Radler, Souvenirs und Fundsachen
Beim GetrĂ€nkekonsum war saures Radler ein auffĂ€lliger Trend. Der Festbierkonsum ging leicht zurĂŒck, WeiĂbier war dagegen beliebter. Zu den meistbestellten Speisen gehörten KĂ€sespĂ€tzle, BratwĂŒrste, halbe Hendl und Ochsen.
Lebkuchenherzen und Pins blieben beliebte Souvenirs, wĂ€hrend der Hendlhut weniger gefragt war. Die Fundsachen gingen um 40 Prozent zurĂŒck; abgegeben wurden unter anderem ein Bildband ĂŒber Tibet und ein Rollator.
Polizei zĂ€hlt rund 470 VerstöĂe
Rund 600 Polizisten und eine vierstellige Zahl von Ordnern sind im Einsatz. Auf dem GelĂ€nde ĂŒberwachen 56 Polizeikameras das Geschehen. Die Polizei registrierte bislang rund 470 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, darunter Körperverletzungen, sexuelle BelĂ€stigung und Upskirting. Drogendelikte nahmen nach den Angaben um fast 50 Prozent zu, hĂ€ufigste Droge war Kokain.
Dutzende Drohnen wurden gesichtet und teilweise vom Himmel geholt. WĂ€hrend des Oktoberfests gelten strenge FlugbeschrĂ€nkungen. Ein 52-JĂ€hriger wurde auĂerdem festgenommen, nachdem er einem 90-jĂ€hrigen Besucher den Rollator gestohlen hatte.
4.242 Patienten in der SanitÀtsstation
Die Wiesn-SanitĂ€tsstation behandelte bislang 4.242 Patienten. 35 Prozent litten unter alkoholbedingten Problemen, 66 Menschen ĂŒbernachteten zur Entlastung der MĂŒnchner Kliniken im sogenannten Hotel Aicher.
Weitere FĂ€lle betrafen Verletzungen, KreislaufzusammenbrĂŒche und internistische Beschwerden. Ein Berliner brach sich beim ArmdrĂŒcken den Arm. Erstmals konnten sich Besucher auf der Wiesn gegen Influenza oder Covid-19 impfen lassen.
Fest bis 4. Oktober
Ein eindeutiger Wiesnhit zeichnete sich zur Halbzeit noch nicht ab. HĂ€ufig gespielt wurde âGute Launeâ vom Duo GroĂstadtEngel. Das Oktoberfest dauert bis zum 4. Oktober.
Besucherandrang bleibt zentrale Sicherheitsfrage
Die Halbzeitbilanz zeigt ein Spannungsfeld: Mit rund 3,8 Millionen GĂ€sten liegt das Oktoberfest ĂŒber dem Vorjahreswert, zugleich soll sich der Andrang besser verteilt haben. Besonders die stĂ€rkeren Besucherzahlen unter der Woche sprechen dafĂŒr, dass die Kampagne der Festleitung zur Entzerrung der Besuchsströme Wirkung entfalten kann.
Das zweite Wiesn-Wochenende bleibt dennoch ein Belastungstest. Das sogenannte Italiener-Wochenende zieht traditionell besonders viele internationale GĂ€ste an; kurze Anreisewege aus Norditalien und die hohe Bekanntheit des Festes verstĂ€rken den Zustrom. Die zeitweise SchlieĂung der HaupteingĂ€nge am Samstag macht deutlich, dass auch ein verbessertes Konzept bei gĂŒnstiger Witterung und hoher Nachfrage kurzfristig an Grenzen geraten kann.
Technik ergÀnzt Personal und Regeln
KI-gestĂŒtzte Kameras, Crowdspotter, Lautsprecherdurchsagen und ein groĂes Aufgebot an Polizei und Ordnern sollen kritische Verdichtungen frĂŒher erkennen und Besucher lenken. Entscheidend bleibt, ob Warnungen rechtzeitig in konkrete MaĂnahmen ĂŒbersetzt werden und ob GĂ€ste gesperrte oder volle Bereiche tatsĂ€chlich meiden.
FĂŒr Besucher bedeutet die Bilanz: Das FestgelĂ€nde kann trotz hoher Gesamtzahlen zeitweise sehr dicht werden. Wer Wartezeiten und Einlassstopps vermeiden will, findet unter der Woche voraussichtlich bessere Bedingungen als an den traditionellen Spitzenwochenenden. Die tödlichen UnglĂŒcke erinnern zugleich daran, dass neben der Besuchersteuerung auch der Schutz von BeschĂ€ftigten und die Sicherheit einzelner FahrgeschĂ€fte zentrale Aufgaben bleiben.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: âGroĂer Wiesn-Andrang â HaupteingĂ€nge kurzzeitig geschlossenâ (26.09.2026)
Der Bericht bestĂ€tige den zeitweisen Einlassstopp an den beiden HaupteingĂ€ngen und beschreibe die hohe Verdichtung beim Reservierungswechsel. Anders als die Halbzeitbilanz stelle er die konkrete Samstagssituation und die mehrsprachigen Durchsagen in den Mittelpunkt; zugleich hebe er hervor, dass Kameras, KI-Auswertung und Crowdspotter kritische Staus frĂŒher erkennen sollten.
Euronews: âHalbzeit beim Oktoberfest - Wiesn Sperrung wieder akut?â (26.09.2026)
Der Artikel ordne das Halbzeitwochenende als traditionell besonders besucherstarke Phase ein und verweise auf die Erfahrungen mit ĂberfĂŒllung im Vorjahr. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die internationale Dimension, die UnterstĂŒtzung durch italienische EinsatzkrĂ€fte und die technische Ăberwachung; offen bleibe, wie sich die Besucherströme an den verbleibenden Festtagen entwickeln wĂŒrden.
Beide Berichte bestĂ€tigten den hohen Andrang und die Bedeutung des ĂŒberarbeiteten Sicherheitskonzepts. WĂ€hrend BR24 die konkrete Zugangssperre am Samstag hervorhebe, konzentriere sich Euronews stĂ€rker auf Vorgeschichte und internationale Besucherströme.
