Polizist Maximilian Stoppa getötet: Neun mutmaßliche Drahtzieher in Polen gefasst
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 13:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehr als 20 Monate nach dem Tod des Dresdner Polizisten Maximilian Stoppa hat die Polizei in Polen neun mutmaßliche Drahtzieher einer Autodiebstahl-Bande festgenommen.
Festnahmen in mehreren Städten
Fahnder des Landeskriminalamtes Sachsen verhafteten die Männer im Alter zwischen 19 und 54 Jahren in der Vorwoche gemeinsam mit polnischen Spezialeinheiten. Die Beschuldigten sitzen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Dresden in Auslieferungshaft.
Sie sollen zu einer Bande gehört haben, die zwischen 2017 und Ende 2025 hochwertige Autos in Deutschland gestohlen und in Polen gewinnbringend verwertet haben soll. Zugeschlagen habe die Gruppe unter anderem in Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Baden-Württemberg. Der ermittelte Schaden beläuft sich den Angaben zufolge auf mehr als drei Millionen Euro.
Polizist bei Kontrolle getötet
Der 32 Jahre alte Polizist Maximilian Stoppa aus Dresden war im Januar 2025 bei einem Einsatz gegen mutmaßliche Autodiebe in Lauchhammer im Landkreis Oberspreewald-Lausitz von einem Tatverdächtigen angefahren worden und gestorben.
Sachsens LKA-Präsident Dirk Lichtenberg sagte, die Drahtzieher seien gefasst. Der Tod seines Kollegen sei ihm sehr nahegegangen; die Festnahmen könnten auch die Gefahren für andere Polizisten auf der Straße verringern.
Bundesgerichtshof prüft Urteil
Ein 27 Jahre alter Pole wurde vom Landgericht Cottbus wegen eines illegalen Autorennens mit Todesfolge zu zehn Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft legten Revision ein.
Der Bundesgerichtshof überprüft deshalb das Urteil. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Mordes und eine lebenslange Haftstrafe gefordert, während die Verteidigung eine geringere Haftzeit verlangte.
Grenzüberschreitende Ermittlungen
Der Fall zeigt, wie stark organisierter Autodiebstahl über Landesgrenzen hinweg funktioniert. Die mutmaßliche Bande soll Fahrzeuge in mehreren deutschen Bundesländern gestohlen und sie anschließend in Polen verwertet haben. Für die Ermittler bedeutet das, dass Tatorte, Fluchtwege, Finanzströme und Absatzmärkte in verschiedenen Staaten zusammengeführt werden müssen.
Die neun Festnahmen erfolgten nach Angaben des LKA Sachsen in Zusammenarbeit mit polnischen Spezialeinheiten. Dass die Beschuldigten in Auslieferungshaft sitzen, markiert den nächsten verfahrensrechtlichen Schritt: Über ihre Überstellung nach Deutschland entscheiden die zuständigen polnischen Behörden und Gerichte. Erst danach können die deutschen Ermittlungs- und Strafverfahren gegen die einzelnen Verdächtigen weiter konkretisiert werden.
Offene Verfahren und Folgen
Parallel bleibt die juristische Aufarbeitung des Todes von Maximilian Stoppa offen. Der Bundesgerichtshof prüft das Urteil gegen den mutmaßlichen Todesfahrer, nachdem sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Revision eingelegt haben. Damit ist noch nicht abschließend geklärt, ob die bisherige rechtliche Bewertung Bestand hat.
Für die Region und die Polizei haben die Festnahmen eine doppelte Bedeutung: Sie könnten Aufschluss über die Organisation einer Bande mit einem ermittelten Schaden von mehr als drei Millionen Euro geben und zugleich die Verantwortungsstrukturen hinter dem tödlichen Einsatz klären. Die Beschuldigten gelten bis zu rechtskräftigen Entscheidungen als unschuldig.
