Sprengstoff-Fund, Berlin

Sprengstoff-Fund in Berlin - VerdÀchtiger vermutlich tot

06.12.2024 - 13:05:29

Polizisten fÀllt in Berlin-Neukölln ein Mann auf. Ihm gelingt die Flucht - doch erlÀsst Sprengstoff. Es beginnt die Fahndung nach ihm. Doch der Mann lebt wohl nicht mehr.

  • Die Kontrolle war am Berliner S-Bahnhof Neukölln. (Archivfoto) - Foto: Paul Zinken/dpa

    Paul Zinken/dpa

  • Im Park Thomashöhe haben Experten Sprengstoff gesprengt. - Foto: Christoph Soeder/dpa

    Christoph Soeder/dpa

Die Kontrolle war am Berliner S-Bahnhof Neukölln. (Archivfoto) - Foto: Paul Zinken/dpaIm Park Thomashöhe haben Experten Sprengstoff gesprengt. - Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Mann, der Ende Oktober mit hochexplosivem Sprengstoff in Berlin-Neukölln unterwegs war, ist vermutlich tot. Davon gehen Polizei und Staatsanwaltschaft in Berlin aus. Der 34-JÀhrige sei nach ersten Anhaltspunkten bei einem Unfall mit Sprengstoff am 24. November in Niedersachsen gestorben, teilte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft mit. Dies hÀtten unter anderem DNA-Untersuchungen ergeben. 

Nach dpa-Informationen kennt die Polizei den Mann aus Polen und einen möglichen Begleiter im Kontext mit der Sprengung von Geldautomaten. Der in Neukölln gefundene Sprengstoff wird auch fĂŒr solche Taten verwendet. 

DNA-Ergebnis steht noch aus

«Es liegen Anhaltspunkte dafĂŒr vor, dass es sich bei dem Verstorbenen um den 34-JĂ€hrigen handelt», erklĂ€rte die Staatsanwaltschaft am Freitag. Das Ergebnis der zur eindeutigen Identifizierung nötigen DNA-Begutachtung liege noch nicht vor. Nach einem zweiten Mann aus Moldau wird noch gefahndet. 

In der Nacht vom 23. auf den 24. November sei es gegen 2.15 Uhr in einem Mietshaus in der Stadt Lohne zwischen Bremen und Bielefeld zu einer Explosion und einem Brand gekommen, so die Staatsanwaltschaft. In der Wohnung wurde ein «bis zur Unkenntlichkeit verbrannter Leichnam aufgefunden». Die Ermittlungen zu der Brand- und Explosionsursache fĂŒhrt die Staatsanwaltschaft Oldenburg.

Beutel mit Sprengstoff zurĂŒckgelassen 

Am 30. Oktober hatten Bundespolizisten am Berliner S-Bahnhof Neukölln einen Mann kontrolliert. Dieser riss sich los und ließ eine Tasche mit Sprengstoff zurĂŒck. In dem Beutel habe sich unter anderem «ein mit Klebeband umwickeltes PĂ€ckchen» befunden, hieß es. Dies sei als Sprengstoff identifiziert worden. Der Sprengsatz wurde nach Polizeiangaben spĂ€ter in einem nahegelegenen Park vom EntschĂ€rfungsdienst der Bundespolizei gesprengt. 

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei der Substanz um Triacetontriperoxid (TATP), das unter anderem bei TerroranschlĂ€gen in Paris und BrĂŒssel verwendet wurde, aber seit einiger Zeit auch fĂŒr die Zerstörung der Geldautomaten eingesetzt wird. Hinweise auf einen geplanten Terroranschlag gibt es laut Ermittlungsbehörden im Neuköllner Fall nicht. 

Bundesweit 461 Sprengungen von Geldautomaten 

In ganz Deutschland gibt es rund 50.000 Geldautomaten, wie der Gesamtverband der Versicherer kĂŒrzlich mitteilte. 2023 registrierte die Polizei 461 FĂ€lle von erfolgreichen und versuchten Sprengungen. Knapp 30 Millionen Euro wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) dabei erbeutet. Die durchschnittliche Beutesumme pro Fall betrug rund 103.000 Euro. Der Schaden durch Zerstörungen an GebĂ€uden war meist zwei- oder dreimal so hoch.

Besonders hÀufig kommt es in Nordrhein-Westfalen zu Sprengungen (2023: 153; 2022: 182). Laut Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ist jedoch eine Verlagerung von West- nach Ostdeutschland zu beobachten. «Auch in Berlin ist die Zahl der Sprengungen deutlich angestiegen: Gab es 2020 vier Sprengungen, waren es 2023 schon 24 - und in diesem Jahr bisher 39, davon 14 mit Erfolg.» 

Innensenatorin fordert bessern Schutz von Banken

Durch die zunehmende GefĂ€hrlichkeit von Sprengstoffen werde die Sicherheit der BĂŒrger massiv gefĂ€hrdet, so die Senatorin. «Es ist nicht hinnehmbar, dass Kriminelle wiederholt mit brachialer Gewalt vorgehen und dabei teils immense Gefahren fĂŒr Anwohnerinnen und Anwohner schaffen.»

Spranger forderte die Banken zu besserem Schutz auf. «Die Banken tragen eine besondere Verantwortung, ihre Infrastruktur so zu sichern, dass diese Taten erschwert oder verhindert werden können.» Möglich seien verstÀrkte GehÀuse, Farbpatronen, die Geldscheine unbrauchbar machen, oder die gezielte Verlagerung von Automaten an weniger gefÀhrdete Standorte.

@ dpa.de