Rad fahren: Von bösen SÀtteln und guten Helmen
02.06.2023 - 08:02:57Aufs Rad geschwungen und los geht's. Zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Party. Mehr als 80 Prozent der Menschen in Deutschland nutzen das Fahrrad als Verkehrsmittel - mal mehr, mal weniger. Zum Weltfahrradtag (3. Juni) ist es an der Zeit, die GĂŒltigkeit einiger Aussagen rund ums Radeln zu ĂŒberprĂŒfen.
Behauptung:Â Radfahren macht impotent.
Fakten: Nicht allgemein haltbar. Ein falsch gewĂ€hlter oder eingestellter Sattel und eine ungĂŒnstige Sitzposition können allerdings bei MĂ€nnern zu (vorĂŒbergehenden) Erektionsproblemen fĂŒhren. Idealerweise verteilt sich das Körpergewicht beim Sitzen auf den beiden Sitzbeinhöckern. Beim Radfahren kommt es jedoch vor, dass der Sitz konstant Druck auf den Damm (Perineum) ausĂŒbt, also auf den Bereich zwischen Hodensack und Anus. Das kann Nerven schĂ€digen und den Blutfluss vorĂŒbergehend verlangsamen - und das kann wiederum zu einer erektilen Dysfunktion fĂŒhren.
Man solle einen Sattel wĂ€hlen, der breit genug dafĂŒr ist, den Druck auf die Bereiche um die beiden Sitzbeinhöcker zu verteilen, rĂ€t der Urologe Stefan Staudte in der «SportĂ€rztezeitung». AuĂerdem sei ein Höhenunterschied zwischen hinterer SitzflĂ€che und Sattelnase wichtig.
Behauptung:Â In Deutschland werden immer mehr RĂ€der geklaut.
Fakten: Die Statistik sagt etwas anderes. 2022 wurden rund 266.000 FahrrĂ€der gestohlen, so die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Zwar waren das knapp 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch wenn man die Zahlen langfristig betrachtet, stellt man fest: Noch vor 20 Jahren wurden deutlich mehr Drahtesel-DiebstĂ€hle angezeigt - nĂ€mlich rund 417.000. Und Mitte der 1990er waren es sogar fast doppelt so viele wie heute (1994: rund 530.000). Das Dunkelfeld ist allerdings groĂ. Betroffene zeigen den Diebstahl ihres Rads etwa nicht an, weil sie davon ausgehen, dass die AufklĂ€rungs-Chance gering ist.
Was recht kontinuierlich steigt, ist die Summe der Versicherungsleistungen fĂŒr geklaute RĂ€der. Laut Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Versicherer 2022 so viel wie nie zuvor fĂŒr gestohlene FahrrĂ€der an die Versicherten ausgezahlt; rund 140 Millionen Euro waren es. Durchschnittlich je 970 Euro Schaden - ebenfalls ein Höchststand. Diebe hĂ€tten es auf hochwertige RennrĂ€der, E-Bikes oder Mountainbikes abgesehen, um sie weiterzuverkaufen, erklĂ€rt der GDV.
Behauptung:Â Gibt es einen Radweg, muss man diesen benutzen.
Fakten: Falsch. Radfahrerinnen und Radfahrer mĂŒssen grundsĂ€tzlich am rechten Rand der Fahrbahn fahren. Eine Pflicht fĂŒr die Nutzung eines (von der Fahrbahn abgesetzten) Radwegs gilt nur dann, wenn dieser mit einem der drei blauen Radweg-Schilder gekennzeichnet ist, sagt die StraĂenverkehrsordnung (StVO). Ist dieser allerdings nicht angemessen beschaffen, kann man auf die Fahrbahn ausweichen. Bei einem Radweg ohne Schild haben Radlerinnen und Radler immer die Wahl.
Behauptung: Fahrradhelme erhöhen das Unfallrisiko.
Fakten: Nicht haltbar. Die Annahme hinter der Behauptung: Wer einen Helm trĂ€gt, fĂ€hrt riskanter und baut eher einen Unfall. Einzelne Studien unterstĂŒtzen diese These zwar. Doch haben diese hĂ€ufig methodische SchwĂ€chen - etwa bei Versuchsaufbau oder Vergleichsgruppen. Eine Untersuchung aus Frankreich etwa kam zu dem Ergebnis, dass MĂ€nner mit Helm etwas schneller fahren als ohne. Hier trugen aber nur sehr wenige Fahrer ĂŒberhaupt einen Helm. Zudem war die Durchschnittsgeschwindigkeit der Fahrer ohne Helm unrealistisch niedrig. Andere Forschende legten in einem Artikel dar, warum die französische Studie die erhobenen Daten unangemessen interpretiere.
Dass gut sitzende Fahrradhelme effektiv vor Verletzungen des Kopfes schĂŒtzen, ist hingegen wissenschaftlich unstrittig. Eine groĂe Ăberblicks-Studie im Auftrag der Verkehrsministerien von Baden-WĂŒrttemberg und ThĂŒringen (2017) zeigte unter anderem, dass Helme 20 Prozent aller leichten und 80 Prozent aller schweren Kopfverletzungen verhindern können.


