Deutschland, Iran

Evakuierte Passagiere berichten: «Habe eine Rakete gesehen»

05.03.2026 - 10:52:43 | dpa.de

Raketen am Himmel, eine Nacht in der Tiefgarage, gesperrte Flugräume: Der erste Nahost-Evakuierungsflug der Regierung ist in Frankfurt gelandet. Diese Erlebnisse haben Passagiere im Gepäck.

  • «Natürlich ist es beunruhigend, wenn man Raketen über die Köpfe fliegen sieht», sagt Carl Wagener. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • «Man wollte trotzdem einfach nur nach Hause», sagt Francesca Mati?. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Erleichterung und Umarmungen am Flughafen Frankfurt. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Die Maschine ist für maximal 279 Passagiere ausgelegt. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Wieder zu Hause: Der erste Evakuierungsflieger auf dem Frankfurter Airport. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
  • Die Maschine aus Maskat trifft in den frühen Morgenstunden in Frankfurt ein. - Foto: Hannes P. Albert/dpa
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Erst Warten und Hoffen - dann die Erleichterung: Francesca Mati? liegt ihren Eltern wieder in den Armen. Gemeinsam mit über 250 anderen Passagieren landet sie in Frankfurt mit dem Evakuierungsflug der Bundesregierung aus der Krisenregion Naher Osten.

Die 28-Jährige aus Bad Kreuznach war im Urlaub in Sri Lanka. Auf der Rückreise sollte sie in Doha (Katar) umsteigen. Doch: Der Flieger drehte ab und landete im Oman. 

Sie habe sich beim Auswärtigen Amt angemeldet und kurzfristig am Mittwoch die Nachricht erhalten, dass sie mitfliegen dürfe, sagt Francesca. «Da sie Migräne hat und es ihr nicht ganz so gut geht, auch physisch, haben wir gesagt, versuch es. Und es hat geklappt», erklärt Mutter Bettina.

«Man wollte trotzdem einfach nur nach Hause.»

Trotz der ungeplanten Änderungen habe sie sich nicht allzu viele Sorgen gemacht, erzählt Francesca Mati?. Dadurch, dass sie im Oman gelandet sei, sei sie außerhalb des Kriegsgebiets gewesen. Aber: «Man wollte trotzdem einfach nur nach Hause.»

In Frankfurt spielen sich emotionale Szenen ab, als die Lufthansa-Maschine aus Maskat schließlich mit fast zwei Stunden Verspätung gelandet ist. Mit an Bord: Menschen, die von der Bundesregierung ausgewählt worden sind. Sie waren wie zehntausende andere infolge des US-Angriffs auf den Iran in der Golf-Region gestrandet. 

Nacht in der Tiefgarage in Dubai

Nach rund 30-stündiger Reisezeit kommen auch Carl Wagener (24) und Lea Möller (22) in Frankfurt an. Die beiden hatten Urlaub in Dubai gemacht, als der Krieg ausbrach. «Wir haben eigentlich alles mitbekommen», sagt der Siegener zur dortigen Sicherheitslage. Unsicher hätten sie sich aber zu keiner Zeit gefühlt: «Natürlich ist es beunruhigend, wenn man Raketen über die Köpfe fliegen sieht, aber es ist jetzt nicht so, dass da irgendwie Panik ausgebrochen ist.» Eine Nacht hätten beide sogar in der Tiefgarage verbringen müssen, nachdem eine Nachricht aufs Handy gekommen sei.

Schließlich reisten sie eigenständig in den Oman, wo sie glücklicherweise noch auf den Evakuierungsflieger gekommen seien, berichtet Wagener. Das Flugzeug sei nicht ganz voll gewesen. 500 Euro hätten sie pro Person gezahlt für das Ticket zurück in die friedliche Heimat.

Vorrang für Schwangere, Kranke und Kinder 

Nach den Worten von Bundesaußenminister Johann Wadephul sollten vorrangig Angehörige besonders verwundbarer Gruppen ausgewählt werden, wie Schwangere, Kranke oder Kinder. Der Evakuierungsflieger war aber nicht die erste Maschine, die seit Kriegsbeginn Deutschland erreichte: Bereits seit Dienstag hatten insbesondere Fluggesellschaften aus den Vereinigten Arabischen Emiraten einzelne Flüge angeboten. 

Auch Benjamin, der seinen Nachnamen nicht nennen will, ist froh, mit seiner Frau und zwei Kindern wieder in Deutschland zu sein. Die Familie lebt in Dubai, doch nach dem Start des Iran-Kriegs habe sie beschlossen, vorerst auf unbestimmte Zeit zu Verwandten nach Hamburg zu reisen. «Für die Kinder war's dann doch ein bisschen verstörend, deswegen haben wir uns auf den Weg gemacht.» Und die 14-jährige Tochter sagt: «Ich habe sogar 'ne Rakete gesehen.»

«Der Krimi ist vorbei»

Mitten in der Nacht aufgestanden ist das Ehepaar Schmitt aus Nürnberg, um am Donnerstagmorgen rechtzeitig in Frankfurt zu sein. Beide haben Tränen in den Augen, als sie im Ankunftsbereich auf Tochter, Schwiegersohn und die fünfjährige Enkelin warten. Die junge Familie war im Urlaub in Thailand. Auf dem Rückflug am Samstag war ein Zwischenstopp in den Emiraten geplant, wie die Großeltern berichten. Doch unterwegs sei der Flugraum gesperrt worden. Stattdessen: Landung im Oman. Und von dort mit fünf Tagen Verzögerung nach Deutschland. Tourist Jürgen Schmitt: «Der Krimi ist vorbei!»

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