Tödlicher Unfall nahe Ku'damm: Fahrer fÀhrt viel zu schnell
29.05.2024 - 10:23:56Die Fahrzeugfront ist zerstört, das Wrack ausgebrannt: Ein Auto rast in eine flache Betonwand in der NĂ€he des Berliner KurfĂŒrstendamms und geht in Flammen auf - eine Insassin stirbt, drei weitere Insassen werden schwer verletzt. Die Polizei spricht von einem «Alleinrennen», das Auto soll zu schnell unterwegs gewesen sein. Nach Feuerwehrangaben waren 60 KrĂ€fte im Einsatz. Die Berliner Linke forderte nach dem tödlichen Unfall in der Nacht zu Mittwoch Konsequenzen und Tempolimits.
Angaben der Polizei zufolge ist entgegen erster Annahmen bisher noch unklar, wer am Steuer saĂ. ZunĂ€chst hatte sie bei X von einem mĂ€nnlichen Fahrer gesprochen. Die IdentitĂ€t der verstorbenen Frau ist noch ungeklĂ€rt. Sie sei noch am Unfallort gestorben. Die drei anderen schwer verletzten Insassen, darunter eine 20 Jahre alte Frau und zwei MĂ€nner im Alter von 25 und 27 Jahren, kamen in ein Krankenhaus.
Ersten Erkenntnissen der Polizei von Mittwochnachmittag zufolge war das Auto gegen 1.45 Uhr auf der TauentzienstraĂe nahe des Ku'damms unterwegs. Der Unfallort liegt an zentraler Stelle in der westlichen Berliner City nahe dem Luxuskaufhaus Kadewe und der GedĂ€chtniskirche. Raser sind dort und in Berlin generell als Problem bekannt. Der Wagen sei ins Schlingern geraten, kam nach links von der Spur ab und prallte gegen eine flache Betonwand auf dem Mittelstreifen. Er habe sich um 180 Grad gedreht und geriet in Brand. Zeugen hĂ€tten angefangen, das Feuer zu löschen.
Feuerwehr: Insasse konnte sich aus brennendem Auto retten
Zwei EinsatzkrĂ€fte erlitten laut Polizei Rauchgasvergiftungen und wurden ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Feuerwehr auf der Plattform X hatte sich ein Insasse schwer verletzt aus dem brennenden Auto retten können. Zwei Menschen waren im Unfallfahrzeug eingeklemmt und wurden befreit. Auch fĂŒnf Ersthelfer wurden leicht verletzt und vor Ort versorgt.
Nach dem Strafgesetzbuch ist ein sogenanntes Alleinrennen strafbar, wenn sich der Fahrer «mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rĂŒcksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen».
Verkehrsverwaltung: Raser lassen sich durch Tempo 30 nicht ausbremsen
Die Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte, den KurfĂŒrstendamm fĂŒr den Verkehr ruhiger zu machen und fĂŒr den Schutz von Menschenleben zu sorgen. «Darunter verstehen wir: Erlass und Kontrolle von Tempo 30, Einrichtung eines geschĂŒtzten Radwegs und langfristig weitere verkehrsberuhigende MaĂnahmen wie Fahrbahnverengungen und begrĂŒnte Mittelinseln», erklĂ€rte Kristian Ronneburg, verkehrspolitischer Sprecher. Die Verkehrsverwaltung teilte auf Anfrage mit: «Wenn die Geschwindigkeitsbegrenzungen massiv und demnach vorsĂ€tzlich missachtet werden, ist es im Kern gleich, ob Tempo 30 oder 50 vorgeschrieben ist. Sogenannte Raser werden sich auch durch Tempo 30 leider nicht ausbremsen lassen.»
«Ku'damm-Raser» 2016 nach tödlichem Unfall wegen Mordes verurteilt
Die Hauptstadt gilt bundesweit als ein Hotspot bei dem Thema Raserei. Ein besonders dramatischer Fall hatte im Februar 2016 fĂŒr Schlagzeilen gesorgt. Damals war ein unbeteiligter Fahrer infolge eines illegalen Autorennens am KurfĂŒrstendamm ums Leben gekommen. Der 69-JĂ€hrige starb noch in seinem Auto. Mit der strafrechtlichen Bewertung der sogenannten Ku'damm-Raser hatte Berlin juristisches Neuland betreten. Einer der beiden wurde wegen Mordes verurteilt, der Zweite wegen versuchten Mordes.
Seit Oktober 2017 sind verbotene Kraftfahrzeugrennen eine Straftat, zuvor wurden sie als Ordnungswidrigkeit geahndet. Seitdem kann schon die Teilnahme an solchen Rennen mit Haftstrafen geahndet werden. Vorher gab es nur GeldbuĂen. Zudem entschied der Bundesgerichtshof 2021, dass auch eine Fluchtfahrt vor der Polizei als verbotenes Kraftfahrzeugrennen gelten kann.


