Mehr als 1.400 Tote in Venezuela â Helfer retten Ăberlebende
28.06.2026 - 03:24:01 | dpa.deDrei Tage nach den Erdbeben in Venezuela haben Rettungsteams unter erheblichem Zeitdruck mehrere Menschen lebend aus den TrĂŒmmern geborgen. Trotz der intensiven Rettungsarbeiten steigt die Zahl der Todesopfer jedoch weiter. Nach Angaben des PrĂ€sidenten der Nationalversammlung, Jorge RodrĂguez, wurden bislang 1.430 Tote gezĂ€hlt. Mehr als 3.200 Menschen wurden verletzt.
Eindrucksvolle Videos zeigen, wie sich Helfer durch schmale Spalten zwischen den TrĂŒmmern zwĂ€ngen und nach schwierigen Arbeiten Babys, Kinder und Erwachsene retten. Einem kolumbianischen Team gelang es nach einem sechsstĂŒndigen Einsatz, einen elfjĂ€hrigen Jungen im Bundesstaat La Guaira lebend zu bergen, wie ein Video der kolumbianischen Katastrophenbehörde UNGRD zeigt. Auch Teams aus LĂ€ndern wie El Salvador, Ecuador und Spanien meldeten erfolgreiche RettungseinsĂ€tze.
Nach den Angaben von Jorge RodrĂguez, dem Bruder der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez, sind 30.000 venezolanische EinsatzkrĂ€fte, darunter auch Mediziner und Psychologen, im Katastrophengebiet im Einsatz. Zudem beteiligen sich mehr als 2.200 Rettungsexperten aus 21 LĂ€ndern an der Suche nach VerschĂŒtteten.Â
Auch ein 48-köpfiges Team des Technischen Hilfswerks (THW) ist in dem sĂŒdamerikanischen Land im Einsatz. Noch immer werden Tausende Menschen unter den TrĂŒmmern vermutet. Von Stunde zu Stunde schwinden die Hoffnungen, noch Ăberlebende zu finden.Â
Nach den Erdbeben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 am Mittwoch habe es 430 Nachbeben gegeben, sagte Jorge RodrĂguez. Mehr als 70.000 Familien seien nach der Katastrophe von den Behörden unterstĂŒtzt worden.Â
Besonders im Bundesstaat La Guaira, aber auch in der Hauptstadt Caracas, haben die Beben erhebliche Zerstörungen verursacht. Teils sind ganze StraĂenzĂŒge mit HochhĂ€usern dem Erdboden gleichgemacht worden. Verkehrsministerin Jacqueline FarĂa kĂŒndigte die teilweise Wiederaufnahme des Bahn- und U-Bahn-Betriebs ab Sonntag an, darunter von der Metro in Caracas.
Der Verbleib von Zehntausenden Menschen ist weiterhin unklarÂ
Mehr als 380 WohnhĂ€user sowie 13 KrankenhĂ€user wurden nach Angaben der PrĂ€sidentin zerstört oder schwer beschĂ€digt. Auch Einkaufszentren und andere öffentliche GebĂ€ude seien eingestĂŒrzt. Der Verbleib von Zehntausenden Menschen ist völlig unklar, Angehörige können sich oft nicht erreichen â noch immer sind Strom und Mobilfunknetz nicht flĂ€chendeckend wiederhergestellt.
Auf einem eigens fĂŒr die Suche nach Vermissten eingerichteten Internetportal gelten nach Angaben der Betreiber derzeit mehr als 55.000 Menschen als vermisst. Die Angaben lassen sich allerdings nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Derweil schlieĂt sich allmĂ€hlich das kritische Zeitfenster, um noch Ăberlebende zu finden. Experten gehen davon aus, dass die Chancen der Vermissten und VerschĂŒtteten nach 72 Stunden stark sinken.
Viele Anwohner in den betroffenen Regionen haben kein festes Dach ĂŒber dem Kopf. Man begleite die Familien, die wegen bestehender Risiken und SchĂ€den nicht in ihr Zuhause zurĂŒckkehren könnten, erklĂ€rte Delcy RodrĂguez auf der Plattform X. «Wir haben provisorische UnterkĂŒnfte und die notwendige umfassende Betreuung bereitgestellt, um jede Familie zu schĂŒtzen.»
