Staatsanwaltschaft, Tate-BrĂŒder

Staatsanwaltschaft: Tate-BrĂŒder dĂŒrfen RumĂ€nien verlassen

27.02.2025 - 13:56:49

RumĂ€niens Justiz ermittelt weiter wegen sexueller Ausbeutung gegen die fĂŒr ihre Macho-SprĂŒche berĂŒchtigten BrĂŒder Tate. Dennoch dĂŒrfen sie das Land verlassen. Gab es Druck der Trump-Regierung?

   Der britisch-amerikanische Influencer Andrew Tate, der in RumĂ€nien wegen Verdachts auf Vergewaltigung und sexuelle Ausbeutung unter Strafverfolgung steht, darf das Land verlassen. Gleiches gilt fĂŒr seinen mitangeklagten Bruder Tristan. Das gab die Staatsanwaltschaft in Bukarest bekannt. 

Nach Informationen mehrerer rumĂ€nischer Medien unter Berufung auf nicht genannte Quellen vom Bukarester Flughafen sollen die BrĂŒder bereits am frĂŒhen Morgen mit einer privaten Maschine Richtung Florida in den USA geflogen sein. Die Grenzpolizei erklĂ€rte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur lediglich, dass zwei US-BĂŒrger das Land verlassen hĂ€tten und verwies auf die Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Eine offizielle BestĂ€tigung fĂŒr die Abreise der Tates gab es nicht.

Die fĂŒr organisiertes Verbrechen zustĂ€ndige Sondereinheit der Staatsanwaltschaft, DIICOT, erklĂ€rte, dass «zwei Angeklagte, Personen mit US- und britischer Doppel-StaatsbĂŒrgerschaft» legal ausreisen dĂŒrfen. Das bisherige Verbot, das Land zu verlassen, sei aufgehoben worden. Die Namen der Betroffenen nannte DIICOT nicht. Gleichwohl stĂŒnden diese Personen in RumĂ€nien weiterhin unter Strafverfolgung und seien verpflichtet, sich jeder Vorladung der Justizorgane zu stellen.

Druck der Trump-Regierung auf RumÀnien?

Tage vorher hatten Medien berichtet, dass es vonseiten der neuen US-Regierung von PrĂ€sident Donald Trump Druck auf RumĂ€nien gegeben habe, die Tate-BrĂŒder ausreisen zu lassen. Richard Grenell, Trumps Sondergesandter fĂŒr Sondermissionen, habe den rumĂ€nischen Außenminister Emil Hurezeanu bei einem zufĂ€lligen Treffen bei der MĂŒnchner Sicherheitskonferenz darauf angesprochen. Hurezeanu hatte dazu erklĂ€rt, Grenell habe ihm in MĂŒnchen gesagt, die USA wĂŒrden sich fĂŒr den Fall Tate interessieren. Dies habe er aber nicht als DruckausĂŒbung empfunden, sagte der Minister weiter.

MinisterprĂ€sident Marcel Ciolacu habe gesagt, die Tates wĂŒrden mit internationalem Haftbefehl gesucht werden, sollten sie zu ihrem nĂ€chsten Kontrolltermin bei der Polizei im MĂ€rz dieses Jahres in Bukarest nicht erscheinen. Das berichtete die rumĂ€nische Nachrichtenagentur Mediafax unter Berufung auf nicht genannte Regierungsquellen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Tates vorgeworfen, junge Frauen dazu gezwungen zu haben, bei kommerziell verbreiteten Sex-Videos mitzuwirken. Mit Manipulationstechniken wie der sogenannten Loverboy-Methode hĂ€tten sie die Opfer von sich abhĂ€ngig gemacht. In einer ersten Anklage vom Juni 2023 wurde den BrĂŒdern und den mutmaßlichen MittĂ€terinnen Vergewaltigung, Menschenhandel und der Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. 

Im Dezember vorigen Jahres hatte das Berufungsgericht in Bukarest diese Anklage fĂŒr regelwidrig erklĂ€rt. Aussagen von zwei Opfern seien ungĂŒltig und könnten nicht als Beweismittel akzeptiert werden, erklĂ€rte das Gericht unter anderem zur BegrĂŒndung.

Erstmals waren die Tates und die mutmaßlichen Komplizinnen am 30. Dezember 2022 bei Bukarest verhaftet worden. SpĂ€ter wurde diese Maßnahme in Hausarrest umgewandelt, danach kamen sie unter der Auflage, das Land nicht zu verlassen, auf freien Fuß. 

Mehr als zwei Dutzend Opfer identifiziert

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt insgesamt 34 Frauen als Opfer der Tates identifiziert, darunter eine 15-JĂ€hrige. Durch die Ausbeutung der Frauen sollen sich die BrĂŒder einen kriminellen Gewinn in Höhe von mindestens 2,8 Millionen Dollar (2,5 Millionen Euro) verschafft haben. Die beiden BrĂŒder weisen alle VorwĂŒrfe zurĂŒck.

Andrew Tate, ein ehemaliger Kickboxer, hatte mit frauenverachtenden Aussagen in sozialen Netzwerken Millionen Jugendliche und junge MĂ€nner erreicht. Sein Bruder Tristan assistierte ihm dabei.

@ dpa.de