MutmaĂliche Millionen-Diebin gesteht Tat vor Gericht
12.11.2024 - 16:46:05Zum Auftakt eines Prozesses um einen spektakulĂ€ren Diebstahl von rund 8,2 Millionen Euro Bargeld in Bremen hat die angeklagte 32-JĂ€hrige die Tat gestanden. Vor dem Landgericht berichtete sie, wie sie als Angestellte eines Geldtransportunternehmens im Mai 2021 das Geld in einem Rollcontainer versteckte und nach drauĂen brachte, wo ein Fluchtwagen wartete. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau mit deutscher StaatsbĂŒrgerschaft Diebstahl in einem besonders schweren Fall vor. Ihr drohen bis zu zehn Jahre GefĂ€ngnis.Â
Die Tat als einfache Ăbung: «Ich hĂ€tte es an jedem Tag machen können»
Die anfangs sichtlich nervöse 32-JĂ€hrige erzĂ€hlte vor Gericht, dass sie damals in einer schwierigen Phase war - unter anderem, weil ihr Lebenspartner wegen Drogenhandels verhaftet wurde. Ein Freund habe sie zur Tat ĂŒberredet. «Dann wurde aus SpaĂ Ernst», sagte sie. An dem Diebstahl und der Flucht waren demnach eine Freundin und MittĂ€ter aus kriminellen Kreisen beteiligt.
Von der Tat erzĂ€hlte die Frau, als wĂ€re es eine einfache Ăbung gewesen. «Ich hĂ€tte es an jedem Tag machen können», sagte sie. Demnach suchte sie sich einen ruhigen Arbeitsplatz und befĂŒllte Geldkassetten nicht voll, sondern legte jeweils Bargeld in einen Altpapiercontainer, den sie spĂ€ter mit nach drauĂen nahm. VorschlĂ€ge der MittĂ€ter, bei der Tat Gewalt anzuwenden, habe sie abgelehnt. FĂŒr die Tat habe sie auch keine lange Planung gebraucht, denn sie habe ihre Arbeit gut gekannt. Ihre Aufgabe sei der Diebstahl gewesen, die anderen sollten das Geld und sie spĂ€ter wegbringen.Â
Millionenbeute ist verschwunden - Angeklagte erhielt nur Bruchteil
Nach der Tat floh die Frau in die TĂŒrkei und versteckte sich dort mehr als zwei Jahre. Nach eigenen Angaben wurde sie immer wieder in neue UnterkĂŒnfte gebracht und zeitweise auch eingesperrt. Mehrfach traf sie MĂ€nner, die kriminelle GeschĂ€fte machten. «Leben auf der Flucht ist nicht schön. Und ohne Geld erst recht nicht. Flucht ist teuer. Istanbul ist teuer.»Â
Die mehr als acht Millionen Euro wurden nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von den MittĂ€tern weggebracht. Von der Tatbeute erhielt die Angeklagte nach eigenen Angaben 20.000 bis 25.000 Euro. Wo der Rest des Geldes ist, ist unklar. «Wo das Geld genau ist, weiĂ ich nicht. Das ist in der TĂŒrkei.»
Nach eigenen Angaben hatte die Frau erwartet, dass sie den GroĂteil der Beute bekommen wĂŒrde. Im Nachhinein wisse sie: «Verarscht haben sie mich.» Es sei peinlich, so etwas getan zu haben und dann kein Geld zu haben.
Nach knapp drei Jahren der Polizei gestellt
Knapp drei Jahre nach der Tat - im MĂ€rz dieses Jahres - stellte sich die mutmaĂliche Diebin. In der TĂŒrkei sei es zu gefĂ€hrlich geworden, sagte sie mit Blick auf einen Bekannten, der dort angeschossen und schwer verletzt wurde. Danach kĂŒndigte sie ĂŒber ihren Anwalt ihre RĂŒckkehr aus der TĂŒrkei nach Deutschland an. Am Bremer Flughafen wurde sie festgenommen. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft.Â
Dass ĂŒber den Diebstahl zahlreiche Details bekannt sind, liegt an dem Prozess gegen eine Komplizin der Frau, der im Dezember 2021 am Landgericht Bremen begann. Die damals 24-JĂ€hrige soll unter anderem geholfen haben, die Flucht der mutmaĂlichen Diebin zu organisieren. Wegen Beihilfe zum Diebstahl wurde die Frau zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Das Urteil ist rechtskrĂ€ftig.Â
Der Millionendiebstahl sorgte bundesweit fĂŒr Schlagzeilen. Das Geld wurde am 21. Mai 2021 gestohlen - an einem Freitag vor dem Pfingstwochenende. Erst am Dienstag wurde bemerkt, dass Millionen Euro fehlen. Von der Tat gibt es Videoaufnahmen.





