Valeriia, Lebens

Fall Valeriia: «Du wirst weinen bis zum Ende deines Lebens»

17.01.2025 - 13:38:03

Rund eine Woche lang war verzweifelt nach der neunjÀhrigen Valeriia in und um Döbeln gesucht worden. Doch da war das MÀdchen lÀngst tot. Nun steht der Ex-Freund der Mutter wegen Mordes vor Gericht.

  • Der wegen Mordes an der neunjĂ€hrigen Valeriia Angeklagte wird im Landgericht Chemnitz von einem Justizmitarbeiter vorgefĂŒhrt. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

    Hendrik Schmidt/dpa

  • Mit Kerzen und Blumen haben Menschen im Juni in Döbeln der neunjĂ€hrigen Valeriia gedacht. Sie war zuvor in einem Wald ermordet worden. (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa

    Robert Michael/dpa

Der wegen Mordes an der neunjĂ€hrigen Valeriia Angeklagte wird im Landgericht Chemnitz von einem Justizmitarbeiter vorgefĂŒhrt. - Foto: Hendrik Schmidt/dpaMit Kerzen und Blumen haben Menschen im Juni in Döbeln der neunjĂ€hrigen Valeriia gedacht. Sie war zuvor in einem Wald ermordet worden. (Archivbild) - Foto: Robert Michael/dpa

In wenigen Tagen hĂ€tte Valeriia ihren 10. Geburtstag gefeiert. Doch das aus der Ukraine stammende MĂ€dchen wird nie wieder Kerzen auf einem Kuchen auspusten oder mit Freunden lachen. Ihr Leben wurde in einem Wald im mittelsĂ€chsischen Döbeln brutal ausgelöscht. Seit heute steht der Ex-Freund der Mutter in Chemnitz vor Gericht, den das MĂ€dchen «Papa» gerufen haben soll. Die Anklage lautet auf Mord. Der 37-JĂ€hrige soll das MĂ€dchen getötet haben, um sich an seiner frĂŒheren Partnerin zu rĂ€chen.

Valeriias Mutter war mit ihren Kindern vor dem Krieg in ihrer Heimat geflĂŒchtet und hatte im mittelsĂ€chsischen Döbeln ein neues Zuhause gefunden. Hier ging die NeunjĂ€hrige zur Grundschule. So auch an jenen verhĂ€ngnisvollen Montag. Am 3. Juni gegen 6.50 Uhr verlĂ€sst sie die Wohnung, um wie jeden Tag zum nahegelegenen Busbahnhof zu laufen. Doch in der Schule kommt sie nie an.

MÀdchen in Schlammloch erstickt 

Laut Anklage hatte der Moldawier sie auf dem Weg angesprochen und in sein Auto gelockt. Das MĂ€dchen sei arglos gewesen. Nach Aussage der Mutter nannte Valeriia ihn «Papa». Den Ermittlungen zufolge war der heute 37-JĂ€hrige dann mit dem MĂ€dchen in einen etwa vier Kilometer entfernten Wald gefahren. Dort habe er den Kopf des Kindes in ein Schlammloch gepresst, bis es durch Einatmen von Schlamm erstickt sei, so die Anklage. Der Grund fĂŒr die grauenvolle Tat: Der Mann sei verĂ€rgert und krankhaft eifersĂŒchtig gewesen, weil sich Valeriias Mutter wenige Tage zuvor von ihm getrennt hatte.

Er selbst Ă€ußert sich zum Prozessauftakt nicht zu den VorwĂŒrfen. Stattdessen fixiert er seine Ex-Partnerin mit festem Blick und legt die Stirn in Falten, als sie als Zeugin ĂŒber die Beziehung zu ihm und ihre Panik nach dem Verschwinden des Kindes aussagt. Sie berichtet von Gewalt und Drohungen. Wenn sie ihn verlasse, werde er ihr weh tun, habe er einmal gesagt: «Du wirst weinen bis zum Ende deines Lebens.» Sie gab ihm dennoch nach Übergriffen und Stalking einen Korb. «Er hat mich kontrolliert», schildert sie das Zusammenleben. 

Als der Angeklagte selbst Fragen an die Zeugin stellen darf, muss der Richter hÀufig eingreifen und ihn ermahnen. Der 37-JÀhrige versucht immer wieder seine Ex-Partnerin in Misskredit zu bringen, sie als schlechte Mutter darzustellen.

Traurige Gewissheit nach tagelanger Suche

Weil die Schule das Fehlen Valeriias im Unterricht damals nicht meldet, bleibt ihr Verschwinden zunĂ€chst unbemerkt. Erst als sie am Nachmittag nach dem Hort nicht nach Hause kommt, beginnt eine bange Suche, die die Stadt tagelang in Atem hĂ€lt. Hunderte Polizisten kommen zum Einsatz, auch Hubschrauber, Drohnen, Taucher und Spezialhunde. Doch da ist das MĂ€dchen lĂ€ngst tot. Erst in der darauffolgenden Woche findet die Polizei die Leiche im Unterholz eines Waldes. Der heute 37-JĂ€hrige wird per europĂ€ischem Haftbefehl gesucht und schließlich in Prag festgenommen. 

FĂŒr den Prozess am Landgericht Chemnitz sind vorerst vier Verhandlungstage bis Ende Januar geplant. Bei einer Verurteilung droht dem Mann ohne Beruf eine lebenslange Freiheitsstrafe.

@ dpa.de