WHO warnt: Jugendliche benutzen deutlich seltener Kondome
29.08.2024 - 01:01:36Die jĂŒngere Generation in Europa greift nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor dem Sex immer seltener zum Kondom. Der Gebrauch von Kondomen sei unter sexuell aktiven Heranwachsenden seit 2014 deutlich zurĂŒckgegangen, wĂ€hrend die Rate an ungeschĂŒtztem Sex besorgniserregend hoch sei, teilte das in Kopenhagen ansĂ€ssige WHO-RegionalbĂŒro Europa bei der Vorstellung eines neuen Berichts zu dem Thema mit. Dies setze junge Leute einem erheblichen Risiko sexuell ĂŒbertragbarer Infektionskrankheiten und ungewollter Schwangerschaften aus, warnte die Organisation.
FĂŒr den Bericht, der Teil einer noch umfassenderen Gesundheitsstudie unter Jugendlichen ist, wurden im Zeitraum von 2014 bis 2022 alle vier Jahre jeweils Zehntausende 15-JĂ€hrige aus 42 LĂ€ndern und Regionen in Europa, Zentralasien und Kanada zu ihrer sexuellen Gesundheit befragt. Eines der Ergebnisse: Ein erheblicher Anteil der sexuell aktiven Befragten hat ungeschĂŒtzten Geschlechtsverkehr. Der Anteil der Jungen, die angaben, beim letzten Sex mit Kondom verhĂŒtet zu haben, sank von 2014 bis 2022 von 70 auf 61 Prozent, bei MĂ€dchen von 63 auf 57 Prozent. Fast ein Drittel (30 Prozent) benutzte demnach beim letzten Geschlechtsverkehr weder ein Kondom noch die Anti-Baby-Pille.
Deutsche Jugendliche beim Kondom im Durchschnitt, bei Pille spitze
Deutsche Jugendliche liegen beim Kondomgebrauch im Durchschnitt: Wie aus dem Bericht hervorgeht, gaben 59 Prozent der sexuell aktiven Jungen und 58 Prozent der MĂ€dchen 2022 an, beim letzten Sex ein Kondom verwendet zu haben. 2014 waren es noch 72 Prozent der Jungen und 68 Prozent der MĂ€dchen gewesen.Â
Im Vergleich zu den meisten anderen LĂ€ndern scheint die Pille in Deutschland deutlich hĂ€ufiger genutzt zu werden: Nur 16 Prozent der MĂ€dchen und 23 Prozent der Jungen aus der Bundesrepublik verwendeten weder Pille noch Kondom. Bessere Werte wiesen in der Hinsicht nur Ăsterreich und die Schweiz auf.
AufklÀrung als Lösung des Problems
Die Daten deuten nach WHO-Angaben auf erhebliche LĂŒcken bei der altersgerechten AufklĂ€rung sowie dem Zugang zu VerhĂŒtungsmitteln hin. Die Ergebnisse des Berichts seien bestĂŒrzend, nicht aber ĂŒberraschend, erklĂ€rte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge. Die altersgerechte Sexualerziehung werde in vielen LĂ€ndern weiterhin vernachlĂ€ssigt - und dort, wo es sie gebe, sei sie in den vergangenen Jahren fĂ€lschlicherweise unter Beschuss geraten, weil sie angeblich sexuelles Verhalten fördere.
Umfassende Sexualerziehung sei der SchlĂŒssel, um allen jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, informierte Entscheidungen ĂŒber Sex in einem besonders verletzlichen Augenblick ihres Lebens - dem Ăbergang von der Jugend zum Erwachsenenalter - zu treffen, sagte der Hauptautor des Berichts, AndrĂĄs Költo von der UniversitĂ€t von Galway. Junge Leute brĂ€uchten dabei nicht nur Informationen, sondern auch sichere Orte, um ĂŒber Themen wie Zustimmung zum Sex, intime Beziehungen, GeschlechtsidentitĂ€t und sexuelle Orientierung diskutieren zu können.
Â





