Lutz Seiler, Deutschland

Lutz Seiler erhĂ€lt den Georg-BĂŒchner-Preis

18.07.2023 - 11:09:57 | dpa.de

Schreiben ist fĂŒr den Lyriker und ErzĂ€hler Lutz Seiler stets aufs Neue ein Kraftakt. FĂŒr sein Werk bekommt der 60-JĂ€hrige jetzt einen der renommiertesten Literaturpreise in Deutschland.

Lutz Seiler wird mit dem BĂŒchner-Preis ausgezeichnet. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Lutz Seiler wird mit dem BĂŒchner-Preis ausgezeichnet. - Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Seine thĂŒringische Heimat ist fĂŒr den Dichter und Romancier Lutz Seiler prĂ€gend. «FĂŒr das, was ich schreibe, spielt wahrscheinlich meine Herkunftsgeschichte eine ziemlich große Rolle, also die Herkunft aus einer vom Uranbergbau verwĂŒsteten thĂŒringischen Landschaft», sagte der Schriftsteller am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. FĂŒr sein Werk bekommt der 60-JĂ€hrige in diesem Jahr den renommierten, mit 50.000 Euro dotierten Georg-BĂŒchner-Preis. Dies teilte die Deutsche Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung in Darmstadt mit.

Von der Auszeichnung erfuhr der Schriftsteller knapp eine Woche zuvor. «Ich empfinde diesen Preis als große Ehre und als Ausdruck großer WertschĂ€tzung fĂŒr das, was ich mache im Schreiben.»

«In Lutz Seiler ehrt die Deutsche Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung einen Autor, der mit klangvollen GedichtbĂ€nden begann, von dort zum ErzĂ€hlen fand, stets aber ein so klarer wie rĂ€tselhafter, dunkel leuchtender Lyriker bleibt, zuletzt mit "schrift fĂŒr blinde riesen"», hieß es zur BegrĂŒndung von der Jury. Seiler habe als Romancier und als Dichter zu seiner eigenen, unverwechselbaren Stimme gefunden, melancholisch, dringlich, aufrichtig, voll von wunderbaren Echos aus einer langen literarischen Tradition.

Es gab schon einen Preis fĂŒr den DebĂŒtroman

Der vielfach ausgezeichnete Seiler erhielt 2014 fĂŒr seinen DebĂŒtroman «Kruso» auch den Deutschen Buchpreis. FĂŒr seinen Roman »Stern 111« bekam er 2020 den Preis der Leipziger Buchmesse. Ihn interessieren die Prozesse einer Selbstwerdung der Menschen, beschreibt der Autor seine Intention. «Wie gelangt jemand zu einer eigenen Stimme, einem selbstbestimmten Leben, oder eben auch diverse Faszinationen wie Mechanik, RadioaktivitĂ€t, Erkenntnisgewinnung, diffuse BewusstseinszustĂ€nde.» Dies alles seien Aspekte, aus denen seine Ideen kommen.

Dabei ist der 1963 in Gera geborene Seiler nach eigenen Aussagen erst spĂ€t auf die Literatur aufmerksam geworden. Nach einer Ausbildung zum Baufachmann in der DDR habe er zunĂ€chst als Zimmermann gearbeitet. Erst wĂ€hrend seiner Zeit bei der Armee habe er angefangen zu lesen. «Das Interesse fĂŒr Literatur kam relativ spĂ€t, und dann, wĂ€hrend der Armeezeit, war das Erlebnis des Lesens, der LektĂŒre so einschneidend und groß, dass ich sofort auch angefangen habe zu schreiben.» Zuerst seien es Gedichte gewesen, dann Essays, und so sei er zum ErzĂ€hlen und schließlich zu den Romanen gekommen. «Man könnte schon sagen, dass es eine natĂŒrliche Entwicklung gegeben hat ĂŒber die Genres, und jetzt ist es sehr schön, dass ich das alles haben darf.»

Immer neu beweisen

Das Schreiben ist dabei fĂŒr ihn kein SelbstlĂ€ufer. «Es kostet sehr viel Kraft und ist mit vielen Zweifeln verbunden, wenn man eine neue Sache anfĂ€ngt. Im Grunde hat man nicht dieses kontinuierliche Selbstvertrauen, dass man schreiben kann, man muss es sich mit jedem Buch neu beweisen», sagte Seiler, der in Halle Geschichte und Germanistik studierte. Seit 1994 arbeitet er freiberuflich als Schriftsteller. Der Vater von drei erwachsenen Kindern lebt mit seiner schwedischen Frau in Stockholm und im brandenburgischen Wilhelmshorst, wo er das literarische Programm des Peter-Huchel-Hauses leitet.

FĂŒr den Leiter des Frankfurter Literaturhauses, Hauke HĂŒckstĂ€dt, ist Seiler die richtige Wahl. «Mit Lutz Seiler ehrt die DarmstĂ€dter Akademie einen unserer besten Dichter und vielmaligen Gast der LiteraturhĂ€user in Deutschland, Österreich und Schweiz.» Seit den frĂŒhen GedichtbĂ€nden zĂ€hle er zu den wichtigen europĂ€ischen Poeten, seit dem Roman «Kruso» auch zu den stimmungsbildenden ErzĂ€hlern von Ereignis- und Mikrogeschichte.

Den Georg-BĂŒchner-Preis soll er am 4. November im Staatstheater Darmstadt verliehen bekommen. Die Akademie vergibt ihn seit 1951 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die PreistrĂ€ger mĂŒssen an der Gestaltung des gegenwĂ€rtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben, heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

Zu den PreistrĂ€gern gehören Max Frisch (1958), GĂŒnter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt Emine Sevgi Özdamar. Namensgeber ist der Dramatiker und RevolutionĂ€r Georg BĂŒchner («Woyzeck»). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in ZĂŒrich.

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