Niedersachsen, Deutschland

Sorgerechtsstreit führt zu tödlicher Attacke in Stade

29.06.2026 - 20:39:48 | dpa.de

Sechs Tote, mehrere Verletzte: Ein Gewaltverbrechen erschüttert eine Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade. Die Behörden teilen erste Erkenntnisse.

  • Die Polizei nahm zwei Menschen fest. - Bild: NWM-TV/dpa
    Die Polizei nahm zwei Menschen fest. - Bild: NWM-TV/dpa
  • Einsatzkräfte riegelten den Tatort ab. - Bild: Fabian Höfig/NEWS5/dpa
    Einsatzkräfte riegelten den Tatort ab. - Bild: Fabian Höfig/NEWS5/dpa
Die Polizei nahm zwei Menschen fest. - Bild: NWM-TV/dpa Einsatzkräfte riegelten den Tatort ab. - Bild: Fabian Höfig/NEWS5/dpa

Nach den tödlichen Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung im niedersächsischen Stade kommen erste Details zum mutmaßlichen Täter und seinem Motiv ans Licht. Hintergrund der Tat war vermutlich ein Sorgerechtsstreit, wie die Lüneburger Polizeipräsidentin Kathrin Schuol auf einer Pressekonferenz sagte. Beim Verdächtigen handelt es sich demnach um einen in Deutschland geborenen, 45-jährigen Mann mit türkischen Wurzeln aus dem Raum Hannover. 

Der mutmaßliche Täter hatte den Angaben nach in der Einrichtung einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter - zusammen mit vielen seiner Opfer. Das Kind und die Mutter sind allerdings nicht unter den insgesamt sechs Toten.

Gegen den Mann lägen polizeiliche Erkenntnisse vor, unter anderem aus dem Bereich der Bedrohung, führte Schuol am Abend aus. Sie betonte aber, er habe bislang nicht als «absolut gewalttätig» im polizeilichen System gegolten. Die Polizei hatte den mutmaßlichen Schützen bereits am Nachmittag festgenommen.

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft wurde bisher kein Haftbefehl für den Mann erlassen. Es sei noch offen, ob und wann dieser am Dienstag beantragt werde. Das hänge von den weiteren Ermittlungsergebnissen der Polizei ab. 

Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet. Über eine Website können Zeuginnen und Zeugen Hinweise sowie Fotos oder Videos direkt an die Ermittlerinnen und Ermittler übermitteln, wie die Polizei mitteilte. «Jeder Hinweis kann für die laufenden Ermittlungen von Bedeutung sein.»

Alle Todesopfer waren Mitarbeiter der Jugendeinrichtung

Insgesamt sind nach der Gewalttat sechs Erwachsene tot. Die Opfer sind nach Angaben von Schuol alle Mitarbeiter der Jugendeinrichtung. Wie die Polizei zuvor bereits mitteilte, starben fünf Erwachsene vor Ort, eine sechste Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Unter den Opfern sind laut Schuol vier Frauen und zwei Männer. Weitere Menschen sind verletzt, zum Teil schwer. 

Die Tatwaffe sei von der Polizei sichergestellt worden, erklärte Schuol. Unklar ist noch, wie der mutmaßliche Täter an die Waffe gekommen ist. Er habe jedenfalls keine waffenrechtliche Erlaubnis zum Führen der Waffe gehabt, so die Polizeipräsidentin.

«Kaltblütige» Tat

Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) sprach auf der Pressekonferenz von einer «kaltblütigen» Tat. Sie bezeichnete die Tat zudem als singulären Fall. Es gebe keine Verbindungen zu anderen Bereichen. In der Stadt westlich von Hamburg hatten zuletzt im vergangenen Jahr Ausschreitungen zwischen zwei Großfamilien bei einem Mordprozess für Schlagzeilen gesorgt.

Dieser Fall habe nichts mit früheren Fällen zu tun, sagte die SPD-Politikerin am Abend und betonte: «Ich bin mir sicher, dass diese schreckliche Tat Stade lange beschäftigen wird. Und sie wird auch Spuren hinterlassen.»

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