GdP-Chef, Messer-KriminalitÀt

GdP-Chef warnt: Messer-KriminalitÀt zum Problem geworden

27.12.2024 - 06:30:36

Seit dem Anschlag von Solingen rĂŒcken Messer-Angriffe einmal mehr in den Fokus. Wie viele es insgesamt gab, steht noch nicht fest. Deutliche Worte kommen von der Gewerkschaft der Polizei.

  • In einigen BundeslĂ€ndern stieg die Zahl der Messer-Angriffe in den vergangenen Monaten. (Symbolbild) - Foto: Marcus Brandt/dpa

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  • Nach dem Anschlag in Solingen gab es eine neue Debatte ĂŒber Messer-Gewalt (Archivbild). - Foto: Thomas Banneyer/dpa

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In einigen BundeslĂ€ndern stieg die Zahl der Messer-Angriffe in den vergangenen Monaten. (Symbolbild) - Foto: Marcus Brandt/dpaNach dem Anschlag in Solingen gab es eine neue Debatte ĂŒber Messer-Gewalt (Archivbild). - Foto: Thomas Banneyer/dpa

Im Kampf gegen Messer-KriminalitĂ€t fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) VerschĂ€rfungen des Waffenrechts. «Vor allem IntensivtĂ€ter dĂŒrfen keine Messer und Waffen mit sich fĂŒhren», sagte der GdP-Bundesvorsitzende Jochen Kopelke. «Deutschland hat ein Messer-Problem.» Laut einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur stieg in einigen BundeslĂ€ndern die Zahl der Messer-Angriffe dieses Jahr erneut. 

Wie sich die Zahl der Messer-Angriffe entwickelt

Noch gibt es keine Zahlen dazu, wie viele Messer-Angriffe es in Deutschland im zu Ende gehenden Jahr insgesamt gab. Als solche zĂ€hlen im Sinne der Polizeistatistik jene Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgefĂŒhrt wird. Das bloße MitfĂŒhren eines Messers reicht dafĂŒr nicht aus. 

2023 registrierte die Polizei in Deutschland 8.951 FÀlle von gefÀhrlicher und schwerer Körperverletzung, bei denen Messer zum Einsatz kamen - entweder um jemanden zu verletzen oder damit zu drohen. Das entspricht einem Anstieg um knapp 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch 10,9 Prozent aller Raubdelikte, die 2023 aktenkundig wurden, waren Messer-Angriffe.

Der GdP-Chef Kopelke beklagte die Datenlage: «Wir haben nicht genug und valide Informationen und Zahlen.» Seinen Angaben zufolge werden diese FÀlle erst ab dem kommenden Jahr besser erfasst. «Schon jetzt sehen wir aber die gestiegene Zahl der Einsatzlagen mit Messer-Angriffen», sagte der Gewerkschafter. Messer-KriminalitÀt sei Alltag bei der Polizeiarbeit geworden.

Wie sieht die Lage in den BundeslÀndern aus?

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Landesinnenministerien und -kriminalĂ€mtern verweist fĂŒr dieses Jahr auf unterschiedliche Entwicklungen bei den Messer-Angriffen je nach Region: In Brandenburg etwa wurde fĂŒr dieses Jahr im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg der Zahlen erwartet. Auch im Saarland, in Sachsen und in Schleswig-Holstein deutete sich dies, teils auf Basis der Entwicklung in den ersten zehn Monaten, an.

In Rheinland-Pfalz gab es laut Innenministerium vorlĂ€ufigen Zahlen zufolge im ersten Halbjahr Ă€hnlich viele Messer-Angriffe wie im Vorjahreszeitraum. In Berlin und Hessen verweisen Polizei beziehungsweise Innenministerium ebenfalls auf ein bislang Ă€hnliches Niveau wie im Vorjahr. Ein RĂŒckgang wurde nach Angaben der jeweiligen LandeskriminalĂ€mter in Sachsen-Anhalt in den ersten zehn Monaten des Jahres festgestellt und in Mecklenburg-Vorpommern fĂŒr das gesamte Jahr erwartet. 

Was ist der Hintergrund der VerschÀrfungen?

Nach der tödlichen Messer-Attacke von Solingen im August beschloss die damalige Koalition aus SPD, GrĂŒnen und FDP das sogenannte Sicherheitspaket. Der Bundestag nahm dies im Oktober an, der Bundesrat stoppte einen Teil davon - VerschĂ€rfungen im Waffenrecht wurden allerdings beschlossen.

Im Waffengesetz steht nun etwa, dass das Verbot, Waffen bei Volksfesten oder Sportveranstaltungen mitzufĂŒhren, ausdrĂŒcklich auch fĂŒr Messer gilt. «Wir verbieten Messer auf öffentlichen Veranstaltungen und ermöglichen den LĂ€ndern, weitergehende Messer-Verbote zu erlassen», hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser dazu im Herbst gesagt. Vor Beginn der Adventszeit forderte die SPD-Politikerin die Behörden in allen BundeslĂ€ndern zu strengen Kontrollen des Messer-Verbots auf WeihnachtsmĂ€rkten auf.

Was sind die Forderungen?

Die Gewerkschaft nannte die VerschÀrfungen einen «wichtigen Schritt». Der GdP-Bundesvorsitzende gab aber zu bedenken: «Um verdachtsunabhÀngige Kontrollen in Waffenverbotszonen flÀchendeckend und wirklich effektiv umzusetzen, fehlt es jedoch an ausreichend Polizisten.» Kopelke beklagte: «Der Politik fehlen zunehmend die Ideen im Kampf gegen dieses PhÀnomen.»

Bei dem Messer-Angriff auf dem Solinger Stadtfest waren drei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Der tatverdĂ€chtige Syrer hĂ€tte eigentlich 2023 nach Bulgarien abgeschoben werden sollen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat hatte den Anschlag fĂŒr sich reklamiert.

Kopelke sprach sich fĂŒr mehr Video-Überwachung aus. Zudem sollten verstĂ€rkt moderne Technologien wie KĂŒnstliche Intelligenz eingesetzt werden, sagte er mit Blick auf Maßnahmen gegen Messer-Gewalt. «Die Menschen in Deutschland fĂŒhlen sich dadurch auch sehr unsicher.» Vor allem junge mĂ€nnliche RĂ€uber setzten Messer immer öfter ein. Auch Streitereien endeten immer hĂ€ufiger mit Messerstechereien mit Schwerverletzten, sagte er. «Dank den vielen Profis in den Notaufnahmen versterben die Opfer nicht so hĂ€ufig.»

@ dpa.de