Tote, RegenfÀlle

Unwetter in Libyen - Minister rechnet mit Tausenden Toten

11.09.2023 - 19:00:31

Seit Jahren herrscht im BĂŒrgerkriegsland Libyen ein blutiger Konflikt um Macht und Einfluss. Nun wurde das schwer gebeutelte Land auch noch von einem verheerenden Unwetter heimgesucht.

Nach heftigen Unwettern in Libyen befĂŒrchtet die Regierung im Landesosten Tausende Tote. Der MinisterprĂ€sident einer der rivalisierenden Regierungen in dem BĂŒrgerkriegsland, Osama Hammad, sagte dem Fernsehsender Al-Massar, es seien mehr als Zweitausend Tote zu befĂŒrchten.

Tausende weitere Menschen in dem Land mit knapp sieben Millionen Einwohnern seien vermisst. UnabhÀngige Informationen zu Todesopfern gab es zunÀchst nicht. Der Sturm «Daniel» hatte Libyen am Sonntag erfasst.

In Libyen war nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ein BĂŒrgerkrieg ausgebrochen. In dem ölreichen Staat ringen bis heute zahlreiche Milizen um Einfluss. Derzeit kĂ€mpfen zwei verfeindete Regierungen mit jeweils einem Sitz im Osten und Westen um die Macht. Alle diplomatischen BemĂŒhungen, den Konflikt friedlich beizulegen, scheiterten bisher. Der Konflikt wird durch auslĂ€ndische Staaten zusĂ€tzlich befeuert.

Ein Sprecher der selbst ernannten Libyschen Nationalarmee (LNA), Ahmed Al-Mismari, sprach im Fernsehen von 2000 Toten alleine in der Stadt Derna. ZusĂ€tzlich galten mehrere Tausend Menschen in der Hafenstadt demnach als vermisst. Auch diese Zahlen ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig verifizieren. Die LNA untersteht dem General Chalifa Haftar, der den Osten des Landes kontrolliert.

Zuvor hatten örtliche Rettungsdienste und KrankenhÀuser noch von rund zwei Dutzend Toten gesprochen. Neben Derna seien auch die StÀdte Al-Baida, Al-Mardsch und Susa betroffen. Retter sagten jedoch auch, dass die Zahl der Opfer weiter steigen werde.

Schwere RegenfÀlle - Schnelle Hilfe gefordert

Die Regierung in der Hauptstadt Tripolis unter MinisterprÀsident Abdul Hamid Dbaiba sprach von den schwersten RegenfÀllen seit mehr als 40 Jahren.

Die UN-Koordinatorin fĂŒr humanitĂ€re Hilfe in Libyen, Georgette Gagnon, forderte die internationale Gemeinschaft zu schneller Hilfe auf. Ersten Berichten zufolge wurden Dutzende von Dörfern und StĂ€dten durch den Sturm schwer in Mitleidenschaft gezogen», schrieb Gagnon auf X, ehemals Twitter.

Laut den Rettungsdiensten wurde vor allem der Nordosten getroffen. In der Stadt Derna war die Lage nach Angaben des Gemeinderats «außer Kontrolle». Dort sollen zwei StaudĂ€mme gebrochen sein. Rettungsmaßnahmen gestalteten sich nach Angaben des Notfalldiensts zum Teil schwierig. Man sei auf die UnterstĂŒtzung von Hubschraubern angewiesen. Strom und Internetverbindung seien unterbrochen. Die betroffenen Regionen wurden zu «Katastrophengebieten» erklĂ€rt.

@ dpa.de