Wo steckt das Raubtier? Suche nach möglicher Löwin dauert an
21.07.2023 - 11:26:23Die Suche nach einem freilaufenden Raubtier in Berlin und Brandenburg ist am Freitag fortgesetzt worden. Nach Angaben der Polizei Berlin waren am Morgen gut 100 EinsatzkrĂ€fte mit der Suche beschĂ€ftigt. In der Nacht gab es demnach keine neuen Hinweise auf den Verbleib des Tieres, bei dem es sich mutmaĂlich um eine Löwin handelt.
Die Gemeinde Kleinmachnow in Brandenburg bittet professionelle Tierspurensucher um Hilfe. Es mĂŒsse aber zunĂ€chst ein solcher Experte gefunden werden, sagte eine Sprecherin der Gemeinde.
Hinweise auf LöwengebrĂŒll bestĂ€tigten sich nach Angaben der Polizei in der Nacht nicht - der LĂ€rm stellte sich stattdessen als Scherz von Jugendlichen mit einem Lautsprecher raus. «Das hilft weder der Gemeinde noch der Polizei», sagte dazu ein Polizeisprecher.
«Wir wissen noch nicht, was es ist»
Offen ist weiter, ob es sich bei dem gesuchten Tier um eine Löwin, eine andere Raubkatze oder ĂŒberhaupt ein Raubtier handelt. Ein Haar, das vom GemeindejĂ€ger am Donnerstag im RBB-Fernsehen gezeigt wurde, soll im Labor analysiert werden. «Wir wissen noch nicht, was es ist», sagte die Sprecherin der Gemeinde Kleinmachnow dazu. Auch Wildschweine scheuerten sich gerne an BĂ€umen.
Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert sagte im RBB-Inforadio, dass er auf dem bekannten Video nur zwei Wildschweine erkenne, die von links nach rechts laufen. «Ich glaube aber natĂŒrlich den Zeugen, den Kollegen von der Polizei in Berlin, die ein derartiges Tier auch real gesehen haben», ergĂ€nzte Ehlert. Dennoch mache es ihn stutzig, dass bisher keine Spuren gefunden werden konnten.
Beteiligt an der Suche sind seither neben zahlreichen Polizisten auch VeterinÀrmediziner und der Berliner StadtjÀger. Im Wald sind Polizisten mit Maschinenpistolen und Schutzschildern unterwegs. In der Nacht konzentrierte sich der Einsatz auf Berliner Seite auf einen Bereich im Stadtteil Zehlendorf. Parallel dazu setzte auch die Polizei in Brandenburg in der Nacht ihre Suche fort, die Beamten waren dazu in mehreren Gruppen unterwegs.
Es seien immer wieder Hinweise von BĂŒrgern bei der Polizei und dem zustĂ€ndigen Ordnungsamt eingegangen, teilte die Polizei mit. Diese wĂŒrden systematisch geprĂŒft. «Bislang fĂŒhrte keiner der Hinweise zur Feststellung des gesuchten Wildtieres.»
«GrundsÀtzlich kann ein Löwe nicht einfach weg sein»
Denn konkrete Spuren fehlen bislang: Weder Blut noch Kot oder PfotenabdrĂŒcke deuten auf die PrĂ€senz des Tieres in der Region hin. Aus Sicht des VeterinĂ€rmediziners Achim Gruber von der Freien UniversitĂ€t Berlin bleiben nicht zuletzt deswegen Zweifel, ob es sich wirklich um eine Löwin handelt. «Ich halte es fĂŒr möglich, dass das eine Löwin ist, bin aber nicht davon ĂŒberzeugt», sagte Gruber am Donnerstagabend in einem RBB-Spezial. Er setze auf die Jagdhunde, die nach dem Tier suchten. Wenn diese keine Spuren fĂ€nden, sei dies «ein starkes PuzzelstĂŒck» gegen die Hypothese, dass man es mit einer Löwin zu tun habe.
«GrundsÀtzlich kann ein Löwe nicht einfach weg sein, auch so eine Löwin nicht. Sie hinterlÀsst Spuren», sagte Wildtierexperte Ehlert im RBB-Inforadio. «Es ist schon sehr auffÀllig, dass an der Stelle, wo das Tier gesehen und gefilmt wurde, nicht mal ein Trittsiegel zu sehen ist.» Dennoch könne es sein, dass das Tier in Berlin und Brandenburg rumlÀuft.
Im Rahmen der Suche wurde nach Polizeiangaben auch ein privater Tierhalter ĂŒberprĂŒft. Das Tier, das diese Person halte, sei noch da, sagte der Sprecher der Polizeidirektion West, Daniel Keip, am Freitagmorgen. NĂ€here Angaben etwa dazu, wo das Tier gehalten werde, wollte er nicht machen. Das Landesamt fĂŒr Umwelt teilte mit, im Tierbestandsverzeichnis seien 23 Löwen aus drei Zirkusunternehmen, zwei Zoos und einer privaten Haltung in Brandenburg erfasst. Der Polizei seien die Kontaktdaten ĂŒbermittelt worden.


