Harte Strafen fĂŒr Angriffe auf EinsatzkrĂ€fte gefordert
28.12.2023 - 05:48:00Angesichts Zehntausender Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und RettungskrÀfte fordern Politik und VerbÀnde ein hÀrteres Durchgreifen. «Es braucht mehr Respekt vor Anderen und konsequentes Bestrafen derjenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten. Hinter jeder Uniform steckt ein Mensch», sagte der nordrhein-westfÀlische Innenminister Herbert Reul (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.
Der PrĂ€sident des Deutschen Feuerwehrverbands, Karl-Heinz Banse, nannte solche Taten einen Angriff gegen den Staat. FĂŒr 2023 deutet sich ein Anstieg bei der Zahl der Angriffe an.
Forderung nach mehr Respekt
Auch Banse forderte von der Gesellschaft mehr Respekt gegenĂŒber EinsatzkrĂ€ften. «Der Staat muss dafĂŒr Sorge tragen, dass diejenigen, die das tun, auch mit der ganzen HĂ€rte des Gesetzes bestraft werden. Da hapert es noch», sagte er. Sein Verband hatte zuletzt in einer Umfrage ermitteln lassen, wie viele Feuerwehrleute sich Gewalt ausgesetzt sahen. Die Ergebnisse werden heute vorgestellt.
Bundesweite Zahlen zu Ăbergriffen im zu Ende gehenden Jahr liegen noch nicht vor. Vom bayerischen Innenministerium hieĂ es bereits: «Es gibt aber wohl einen weiteren Anstieg der Fallzahlen beim Thema Gewalt gegen EinsatzkrĂ€fte.» In Rheinland-Pfalz wurden nach Angaben des Landesinnenministeriums im ersten Halbjahr dieses Jahres 2151 EinsatzkrĂ€fte als Opfer von Gewaltdelikten erfasst.
Demnach waren dort 2023 Polizeibeamte betroffen. Bei der Feuerwehr seien 16 und unter den sonstigen Rettungsdiensten 112 Opfer in den ersten sechs Monaten erfasst worden. Bei den Zahlen handelt es sich laut dem Ministerium um Opfer von in diesem Zeitraum abgeschlossenen Ermittlungsverfahren. Der Tatzeitpunkt könne deshalb auch vor 2023 liegen. 2022 gab es insgesamt mehr als 4300 Betroffene.
Niedersachsen rechnete mit einer Zunahme von Gewalttaten in diesem Jahr. Laut Innenministerium verzeichnet das Bundesland bei Angriffen auf die Polizei mit Stand Ende Oktober ein Plus im unteren dreistelligen Bereich im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt.
Es gab massive Angriffe
In Berlin ging die Polizei fĂŒr 2023 zuletzt von etwa 15 Prozent mehr Angriffen auf Polizisten und 30 Prozent mehr auf Feuerwehrleute im Vergleich zum Vorjahr aus. Im vergangenen Jahr seien in der Hauptstadt 2291 Polizisten Opfer eines tĂ€tlichen Angriffs geworden. Bundesweit gab es 2022 mehr als 42.700 Gewalttaten gegen Polizeivollstreckungsbeamte - 7,9 Prozent mehr als 2021, wie das Bundeskriminalamt mitgeteilt hatte.
Die Hemmschwelle, «Menschen in Uniform anzugreifen und zu verletzen», sei stetig gesunken, sagte NRW-Innenminister Reul. «Das ist nicht hinnehmbar.» Vor dem Jahreswechsel wird das Thema erneut breit diskutiert. Hintergrund sind massive Angriffe auf EinsatzkrĂ€fte in der Silvesternacht vor einem Jahr. Erst im Juni war ein junger Mann in Berlin zu acht Monaten GefĂ€ngnis auf BewĂ€hrung verurteilt worden, weil er nach Ăberzeugung des zustĂ€ndigen Amtsgerichts absichtlich einen Böller in Richtung eines Polizisten geworfen hatte.
Berlins PolizeiprĂ€sidentin Barbara Slowik sagte der Deutschen Presse-Agentur, die QualitĂ€t der Angriffe auf EinsatzkrĂ€fte im vergangenen Jahr sei neu, «etwa wenn RettungskrĂ€fte in mutmaĂliche Hinterhalte gelockt und angegriffen wurden».
«Bei Teilen der Jugendlichen ist das Leben als Krimineller ein offenbar erstrebenswerter Lebensentwurf», sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg, Lars Osburg. Dies zeige sich im Auftreten der Jugendlichen gegenĂŒber der Polizei. Zudem diene Gangsta-Rap kriminellen Banden zur Rekrutierung neuer Mitglieder. «Wir wiederholen unsere These, dass sogenannter Gangsta-Rap einen erheblichen Teil zu dieser Entwicklung beitrĂ€gt», sagte er.
«Jeder Angriff ist einer zu viel»
FĂŒr die Johanniter-Unfall-Hilfe in Niedersachsen steht fest: Jeder Angriff sei einer zu viel. Im Laufe dieses Jahres sei aber kein Anstieg von Angriffen gegen EinsatzkrĂ€fte zu verzeichnen gewesen. Der Verein hofft, dass die Ăffentlichkeitskampagnen der vergangenen Monate griffen und den Menschen im Bewusstsein bleibe, dass Retter nie Ziel körperlicher Angriffe sein dĂŒrfen.
Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Wiesbaden werden EinsatzkrĂ€fte nach Angaben einer Sprecherin geschult, in solchen Situationen deeskalierend zu wirken. «Sie wissen auch, wann sie sich zurĂŒckziehen und die Polizei rufen sollten.» Das Innenministerium in Wiesbaden teilte mit: «Im Rahmen der Aus- und Fortbildung werden Polizistinnen und Polizisten auf derartige Angriffe vorbereitet.»


