Scholz, Hochwassergebiet

Scholz erneut im Hochwassergebiet: Kritik von Anwohnern

04.01.2024 - 14:54:33

Silvester war er in Verden an der Aller, jetzt in Sangerhausen an der Helme: Das Hochwasser treibt den Bundeskanzler zu Jahresbeginn um. FĂŒr die zahlreichen Helfer hat er Dank und Anerkennung dabei.

  • Bundeskanzler Olaf Scholz (vorne rechts) trĂ€gt bei seinem Besuch im Hochwassergebiet in Sangerhausen Gummistiefel. - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Bei seinem Besuch in Sangerhausen ist Kanzler Scholz teilweise unfreundlich empfangen worden. Hier zusammen MinisterprĂ€sident Reiner Haseloff und Bundesumweltministerin Steffi Lemke. - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Kanzler Olaf Scholz zusammen mit dem Leiter des Katastrophenschutz Mansfeld-SĂŒdharz, Sven Vogler, im GesprĂ€ch mit Anwohnern in Sangerhausen. - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Bundeskanzler Olaf Scholz begutachtet ein Wehr in Sangerhausen. - Foto: Jan Woitas/dpa

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  • Selbst die Absperrung steht unter Wasser: Hier ist die Blies bei Neunkirchen im Saarland ĂŒber ihre Ufer getreten. - Foto: Laszlo Pinter/dpa

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  • Französische HilfskrĂ€fte haben am Donnerstag zum Hochwasserschutz einen mobilen Deich in der niedersĂ€chsischen Gemeinde Winsen an der Aller aufgebaut. - Foto: Michael Matthey/dpa

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  • Hier in Bernkastel-Kues helfen auch keine SandsĂ€cke mehr gegen das Hochwasser der Mosel. - Foto: Harald Tittel/dpa

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  • Auch der Fluss Itz fĂŒhrt Hochwasser. Hier eine gesperrte Straße bei Untermerzbach im Landkreis Haßberge in Bayern. - Foto: Pia Bayer/dpa

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  • Ein Auto fĂ€hrt am Rande des aufgestauten RĂŒckhaltebeckens der Ohm. In Hessen ist noch keine Entspannung beim Hochwasser in Sicht. - Foto: Nadine Weigel/dpa

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  • Anwohner aus Oberröblingen auf einer vom Hochwasser umschlossenen Straße. Die Lage hier bleibt weiter angespannt. - Foto: Jan Woitas/dpa

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Bundeskanzler Olaf Scholz (vorne rechts) trĂ€gt bei seinem Besuch im Hochwassergebiet in Sangerhausen Gummistiefel. - Foto: Jan Woitas/dpaBei seinem Besuch in Sangerhausen ist Kanzler Scholz teilweise unfreundlich empfangen worden. Hier zusammen MinisterprĂ€sident Reiner Haseloff und Bundesumweltministerin Steffi Lemke. - Foto: Jan Woitas/dpaKanzler Olaf Scholz zusammen mit dem Leiter des Katastrophenschutz Mansfeld-SĂŒdharz, Sven Vogler, im GesprĂ€ch mit Anwohnern in Sangerhausen. - Foto: Jan Woitas/dpaBundeskanzler Olaf Scholz begutachtet ein Wehr in Sangerhausen. - Foto: Jan Woitas/dpaSelbst die Absperrung steht unter Wasser: Hier ist die Blies bei Neunkirchen im Saarland ĂŒber ihre Ufer getreten. - Foto: Laszlo Pinter/dpaFranzösische HilfskrĂ€fte haben am Donnerstag zum Hochwasserschutz einen mobilen Deich in der niedersĂ€chsischen Gemeinde Winsen an der Aller aufgebaut. - Foto: Michael Matthey/dpaHier in Bernkastel-Kues helfen auch keine SandsĂ€cke mehr gegen das Hochwasser der Mosel. - Foto: Harald Tittel/dpaAuch der Fluss Itz fĂŒhrt Hochwasser. Hier eine gesperrte Straße bei Untermerzbach im Landkreis Haßberge in Bayern. - Foto: Pia Bayer/dpaEin Auto fĂ€hrt am Rande des aufgestauten RĂŒckhaltebeckens der Ohm. In Hessen ist noch keine Entspannung beim Hochwasser in Sicht. - Foto: Nadine Weigel/dpaAnwohner aus Oberröblingen auf einer vom Hochwasser umschlossenen Straße. Die Lage hier bleibt weiter angespannt. - Foto: Jan Woitas/dpa

Olaf Scholz trĂ€gt Gummistiefel. Als der Kanzler zum zweiten Hochwasser-Besuch kommt, könnte sein Schuhwerk Zeichen fĂŒr die in den vergangenen Tagen noch schlimmer gewordene Situation sein - in Verden an der Aller bei Bremen war er an Silvester noch ohne Stiefel unterwegs. Scholz hat fĂŒr das Stiefel-Thema wenig ĂŒbrig und will sich dazu nicht Ă€ußern, als er sich am Donnerstag mit ernstem Blick einen Überblick ĂŒber die Lage an der Helme in der Ortschaft Oberröblingen in Sachsen-Anhalt verschafft.

Als der Kanzler, aus Berlin mit dem Hubschrauber kommend, in Sangerhausen landet, ist es trĂŒb und regnerisch - so wie oft in den vergangenen Tagen. Der kleine Fluss Helme, sonst nur etwa zwei Meter breit, ist um ein Vielfaches ĂŒber die Ufer getreten.

Scholz, Lemke und Haseloff hören zu und stellen Fragen

Scholz, Umweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) und MinisterprĂ€sident Reiner Haseloff (CDU) lassen sich einen zu brechen drohenden Deich zeigen - und hören vor allem zu und stellen Fragen. Sie wollen zum Beispiel wissen, ob genĂŒgend SandsĂ€cke vorrĂ€tig seien.

Diese Frage treibt die Menschen auch in anderen Regionen Deutschlands um, die schon seit fast zwei Wochen mit Hochwasser zu kĂ€mpfen haben. In Niedersachsen sorgt der Dauerregen der vergangenen Tage insbesondere in den Einzugsgebieten der FlĂŒsse Hunte bei Bremen und Hase im Emsland fĂŒr einen Wiederanstieg der WasserstĂ€nde. Mancherorts können Anwohner noch immer nicht zurĂŒck in ihre HĂ€user.

In Bayern hat sich vor allem die Lage im Norden, in frĂ€nkischen Regionen sowie in Teilen der Oberpfalz, weiter zugespitzt. Auch einige FlĂŒsse in Rheinland-Pfalz sind deutlich voller. In Nordrhein-Westfalen berichtete ein Sprecher des Umweltministeriums von Regenmengen von teilweise bis zu 35 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Die landesweit wieder gestiegenen PegelstĂ€nde hĂ€tten bisher aber nicht die Dimension des Weihnachtshochwassers erreicht.

In anderen LĂ€ndern Deutschlands hat sich zumindest die Lage nicht weiter verschĂ€rft: zum Beispiel in Hessen, wo nach wie vor die FlĂŒsse Fulda, Lahn, Eder und Kinzig und deren ZuflĂŒsse betroffen sind. Im Saarland haben die PegelstĂ€nde der FlĂŒsse Prims, Oberer Blies und Nied ihre Scheitelpunkte erreicht und sinken.

Unfreundliche BegrĂŒĂŸung

Zehntausende Helfer und Helferinnen sind bundesweit im Einsatz. Kanzler Scholz spricht bei seinem Besuch in Sachsen-Anhalt mit einigen. Die rund 1600 Einwohner sind seit Weihnachten in Alarmstimmung. «Was wir brauchen, ist eine bessere Koordination. Hier weiß keiner, was der andere macht», sagt ein Anwohner. Den Unmut bekommt Scholz direkt nach seiner Ankunft zu spĂŒren. Rufe wie «Geh gleich wieder zurĂŒck» sind zu hören. Es kommen aber auch Dankesworte, vor allem von den professionellen Helfern.

Der Kanzler zeigt sich vor Ort beeindruckt von der SolidaritĂ€t. «Dieser Geist der SolidaritĂ€t wird auch hinterher gelten, und wir werden niemanden alleine lassen», sagt Scholz, der inzwischen wieder SchnĂŒrschuhe trĂ€gt. Er sagt UnterstĂŒtzung auch bei der spĂ€teren Beseitigung der SchĂ€den zu. «Klar ist, das wird nur gemeinsam gehen, und das muss auch solidarisch in Deutschland erfolgen.»

Lemke gibt vor Ort zu bedenken: Man mĂŒsse sich mittel- und langfristig zwischen Gemeinden, LĂ€ndern und Bund darĂŒber verstĂ€ndigen, wie man sich besser auf solche Ereignisse vorbereite. «Das Wasser braucht Platz, das ist hier hautnah zu sehen», sagt sie. Es werde auch darum gehen, «wie geholfen werden kann, wo geholfen werden muss, finanziell, aber auch anderweitig».

Böden nass wie ein Schwamm

Die EindrĂŒcke, die Scholz vor Ort im SĂŒden Sachsen-Anhalts sammelt, sind gewaltig: Überschwemmte Wiesen und eine deutlich breitere Helme, ĂŒber die die EntwĂ€sserung aus dem SĂŒdharz lĂ€uft. Die Böden sind nass wie ein Schwamm. Am Stausee Kelbra steht der Campingplatz unter Wasser. Die Menschen in der Region haben in den vergangenen Jahren immer wieder Erfahrungen mit Hochwasserlagen gemacht - doch so schlimm und dauerhaft wie diesmal sei es lange nicht gewesen, sagt Landrat AndrĂ© Schröder. Ab Montag kommt die Bundeswehr zum Einsatz.

In Niedersachsen ist nach EinschĂ€tzung des dortigen Bauernverbands fast jeder Landwirt derzeit von Überflutungen seiner Felder beziehungsweise von NĂ€sseschĂ€den betroffen. «Es sind mehrere Hunderttausend Hektar Acker und GrĂŒnland ĂŒberschwemmt», sagt Landvolk-PrĂ€sident Holger Hennies der Deutschen Presse-Agentur. Auch Hunderte Hofstellen seien von Überschwemmungen betroffen, «glĂŒcklicherweise aber nur sehr wenige Betriebe so stark, dass auch StĂ€lle betroffen sind und Vieh evakuiert werden musste».

Weiden und Wiesen, mit Getreide oder Raps eingesĂ€tes Ackerland sowie FlĂ€chen mit ZuckerrĂŒben oder Kartoffeln - bei vielen FlĂ€chen fĂŒrchten die BĂ€uerinnen und Bauern einen Totalausfall der Ernte. Zudem sei die Bewirtschaftung durch den Dauerregen massiv erschwert, erlĂ€utert der Pflanzenexperte des niedersĂ€chsischen Bauernverbandes, Karl-Friedrich Meyer. Wintergetreide, also Pflanzen, die im Herbst gesĂ€t wurden, «ersticken» Meyer zufolge, wenn FlĂ€chen etwa zehn Tage unter Wasser sind. Auch beim Sommergetreide mĂŒsse mit etwa 20 Prozent weniger Ertrag gerechnet werden.

Regen geht in Schnee ĂŒber

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat vor Dauerregen gewarnt. Nun soll es kĂ€lter werden. «Die NiederschlĂ€ge lassen in den geplagten Hochwassergebieten immer mehr nach und gehen in Schnee ĂŒber», kĂŒndigte der DWD am Donnerstag an. Der Winter kehrt zurĂŒck, es wird zunehmend kĂ€lter und eisig. Welche Auswirkungen die Minustemperaturen auf dieÂ ĂŒberfluteten Gebiete haben, blieb zunĂ€chst unklar.

@ dpa.de