Social-Media-Konto ab 15: EU plant schärfere Regeln für Kinder
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 12:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will Kinder und Jugendliche im Netz besser schützen und Plattformen wie TikTok und Instagram stärker in die Pflicht nehmen.
Mehr Schutz für Minderjährige
Nach dem Vorschlag der Kommission sollen soziale Netzwerke, bestimmte Spieleplattformen und Anbieter von KI-Diensten künftig nachweisen müssen, dass ihre Angebote für Minderjährige sicher sind. Ziel ist es, Risiken wie Suchtdruck, Mobbing, Schlafprobleme und Selbstverletzung zu verringern.
Altersgrenze und Kontrollen
Geplant ist ein EU-weit einheitlicher Zugang zu sozialen Netzwerken und Videoplattformen erst ab 15 Jahren. Dafür müssten die Anbieter eine verlässliche Altersüberprüfung sicherstellen. Für jüngere Kinder sind nur Dienste vorgesehen, die besonders strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen und von Eltern kontrolliert werden.
Neue Pflichten für Plattformen
Die Kommission will die Unternehmen zudem verpflichten, problematische Funktionen wie endloses Scrollen oder automatisches Abspielen von Videos zu begrenzen oder zu deaktivieren. Auch bei KI-Begleitern sollen besondere Schutzregeln gelten, damit Kinder keine schädlichen Interaktionen erleben oder emotionale Abhängigkeiten entwickeln.
Sanktionen und Ausnahmen
Bei Verstößen könnten nach dem Vorschlag Strafen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes fällig werden. Ausgenommen sein sollen unter anderem Bildungsangebote und bestimmte von Behörden betriebene Dienste.
Zwischen Jugendschutz und digitaler Freiheit
Der Vorstoß der EU-Kommission setzt bei einem Konflikt an, der in Europa seit Jahren politisch aufgeladen ist: Kinder und Jugendliche sollen im Netz besser geschützt werden, ohne Erwachsenen den Zugang zu digitalen Diensten pauschal zu erschweren. Dass die Kommission dafür nun eine einheitliche Altersgrenze, strengere Prüfpflichten für Plattformen und technische Nachweise ins Spiel bringt, zeigt den wachsenden Druck auf Politik und Anbieter, auf problematische Nutzungsdynamiken zu reagieren.
Technische Kontrolle als neue Hürde
Besonders weitreichend ist der geplante Paradigmenwechsel bei der Beweislast. Nicht mehr Eltern oder Betroffene müssten im Streitfall darlegen, dass ein Dienst unzureichend schützt, sondern die Anbieter sollen vorab belegen, dass ihre Angebote sicher für Minderjährige sind. Das betrifft nicht nur klassische soziale Netzwerke, sondern auch Spieleplattformen und KI-Dienste, bei denen emotionale Bindung, Dauernutzung und manipulative Mechanismen zunehmend im Fokus stehen.
Folgen für Plattformen und Nutzer
Für die großen US-Plattformen wäre ein solcher Kurs eine spürbare Verschärfung in Europa. Altersverifikation, kindgerechte Konten und Einschränkungen bei Such-, Scroll- und Autoplay-Funktionen würden die Produktgestaltung stärker regulieren als bisher. Für Nutzer könnte das zu mehr Schutz, aber auch zu mehr Reibung führen, weil Altersnachweise und abgestufte Konten zusätzliche Hürden schaffen. Politisch ist entscheidend, dass der Vorschlag erst mit Zustimmung von Parlament und Mitgliedstaaten Wirkung entfalten kann und damit noch ein längerer Gesetzgebungsprozess bevorsteht.
