Europol, Kokain-Schmuggel

Europol: Kokain-Schmuggel wird weiter zunehmen

02.01.2024 - 08:29:52

SpektakulÀre Erfolge der Ermittler: Tonnen von Kokain werden in Europas HÀfen sichergestellt. Nun werden die Drogenbanden nervös, sagt Europol. Doch der Kampf gegen die Drogenmafia ist nicht vorbei.

Der Schmuggel von Kokain nach Europa wird nach EinschĂ€tzung von Europol weiter zunehmen. Angesichts der steigenden Produktion in SĂŒdamerika werde die Zahl der Lieferungen in den kommenden zwei Jahren steigen, sagte Europol-Chefin Catherine De Bolle der Deutschen Presse-Agentur in Den Haag. «Wir können es nicht völlig stoppen, denn die Nachfrage ist zu groß.»

Zugleich weist die europĂ€ische Polizeibehörde mit Sitz in Den Haag auf die zunehmenden Erfolge der Fahnder im Kampf gegen den internationalen Drogenhandel hin. Im vergangenen Jahr waren mehr als 300 Tonnen Kokain beschlagnahmt worden. Europol habe noch nie so einen guten Einblick in die Organisation des Drogenschmuggels gehabt wie im vergangenen Jahr, sagte De Bolle. Das gelte sowohl fĂŒr die internationalen Vertriebswege als auch fĂŒr den lokalen Verkauf.

Der grĂ¶ĂŸte Teil des Kokains wird ĂŒber den Seeweg aus SĂŒdamerika nach Europa geschleust und gelangt vor allem ĂŒber die HĂ€fen in Antwerpen und Rotterdam in die EU. Immer hĂ€ufiger finden Zollfahnder große Mengen der Drogen versteckt in Containern. In Rotterdam etwa stellten sie im August die bisher grĂ¶ĂŸte Einzelmenge sicher: Rund 8000 Kilogramm Kokain im Wert von rund 600 Millionen in einem Container mit Bananen.

Auch in Deutschland wurden Ermittler fĂŒndig: Die Polizei und Zollfahnder fingen im Jahr 2023 eine Rekordmenge an Kokain ab. Nach einer vorlĂ€ufigen Prognose des Bundeskriminalamts (BKA) summieren sich die Rauschgiftfunde auf 35 Tonnen, wie ein BKA-Sprecher vor dem Jahreswechsel gesagt hatte. 2022 waren es demnach rund 20 Tonnen.

Digitale KommunikationskanÀle der Banden geknackt

Nach Erkenntnissen von Europol sind die beschlagnahmten Ladungen vermutlich nur ein Bruchteil des geschmuggelten Kokains. «Aber es fĂ€ngt an, den Banden weh zu tun», sagte De Bolle. Immer hĂ€ufiger versuchten sie, das beschlagnahmte Kokain zurĂŒckzubekommen. Inzwischen wĂŒrden sie Ladungen sogar mit Trackern ausrĂŒsten, um sie genau verfolgen zu können.

Die Erfolge der Ermittler waren möglich geworden, nachdem sie digitale KommunikationskanĂ€le der Banden geknackt hatten. «Dadurch saßen wir mit den Kriminellen am Tisch, und die fĂŒhlten sich total sicher», sagte De Bolle.

Die kriminellen Netzwerke kommunizieren nach Angaben der Europol-Chefin nun viel vorsichtiger vor allem ĂŒber viele kleine KanĂ€le. Auch wĂŒrden sie neue Transportwege suchen und auch in Europa Labore einrichten, in denen aus den Grundstoffen selbst Kokain produziert werde.

Im Zusammenhang mit dem Drogenhandel nahm Europol zufolge 2023 auch die Gewalt zu. «Es gibt so viel zu verdienen, und die Konkurrenz ist groĂŸÂ», sagte die aus Belgien stammende De Bolle. Sie nannte als Beispiele SprengstoffanschlĂ€ge in den Niederlanden und Belgien sowie Gewalttaten in Schweden und Frankreich. «Das Ausmaß haben wir vor zehn Jahren nicht so gesehen.»

Geldströme im Fokus

Europol richtet sich beim Kampf gegen die Drogenmafia zunehmend auch auf die Geldströme. «Wir hatten das lange zu wenig im Blick. Das wird nun intensiviert.» SchÀtzungsweise nur zwei Prozent der Gewinne werden tatsÀchlich entdeckt und beschlagnahmt. Allein in Europa schÀtzt Europol den Umfang des Kokainhandels auf mehr als 5,7 Milliarden Euro im Jahr.

«Die Banden haben ein ungeheures Vermögen angehÀuft», sagte die Europol-Chefin. Das investierten sie auch in die legale Wirtschaft, sie spekulierten an den Börsen, kauften Immobilien oder KryptowÀhrungen. Durch Korruption und Infiltration nehme auch die Destabilisierung der Gesellschaft zu.

Europol mahnt die EU-Kommission, den Zugang zu digitalen KanĂ€len zu erleichtern. Wegen des strengen Datenschutzes in Europa seien den Ermittlern oft die HĂ€nde gebunden, sagte De Bolle. «Fahndungserfolge sind nun auch von ZufĂ€llen abhĂ€ngig. Können wir Zugangsdaten entschlĂŒsseln oder nicht?»

@ dpa.de