Toledo, Madrid

Unwetter in Spanien - und eine wundersame Kindesrettung

04.09.2023 - 15:26:01

Starkregen, orkanartige Windböen, Hagel und Gewitter haben in Spanien fĂŒr Chaos und SachschĂ€den gesorgt. Es gab mindestens fĂŒnf Tote. Am Montag schien vielerorts wieder die Sonne, aber die Welt war noch lange nicht in Ordnung.

Heftige Unwetter haben in Spanien mindestens fĂŒnf Menschen das Leben gekostet sowie großes Chaos und betrĂ€chtliche SachschĂ€den verursacht. Inmitten des Leidens spendete aber die Rettung eines kleinen Jungen etwas Trost. Viele Medien sprachen einstimmig von einem «Wunder». Der ZehnjĂ€hrige sei am Montag gegen acht Uhr morgens im Westen der Region Madrid auf einem Baum gefunden worden, nachdem er dort bei Starkregen und Orkanböen die ganze Nacht verbracht habe, teilte der regionale Notdienst mit.

Der Junge war nach Erkenntnissen der Behörden am Sonntagabend auf den Baum geflĂŒchtet. Zuvor war der Wagen seiner Familie unweit der Ortschaft Aldea del Fresno von den Wassermassen des ĂŒber die Ufer getretenen Flusses Alberche mitgerissen worden. Der Vater, der am Steuer gesessen hatte, wurde am Montag noch vermisst. Die Mutter und die Schwester hĂ€tten sich aus eigener Kraft retten können, hieß es. Der ZehnjĂ€hrige sei von einem Finca-WĂ€rter unterkĂŒhlt und mit verschiedenen Verletzungen am Körper zufĂ€llig entdeckt worden. Seinem Retter habe er dabei immer und immer wieder nur «Danke, danke, danke» gesagt, berichtete die Zeitung «El PaĂ­s» unter Berufung auf den Mann.

Das Wasser stand einer 73-JĂ€hrigen bis zum Hals

FĂŒr bewegende Momente sorgte auch die ErzĂ€hlung einer Rentnerin, die nachts in Buenache de AlarcĂłn in der Provinz Cuenca von zwei Polizisten gerettet wurde, als ihr «das Wasser bis zum Hals stand» und sie nicht aus ihrem Haus konnte, wie sie weinend dem spanischen TV-Sender RTVE erzĂ€hlte. «Ich wĂŒrde jetzt tot und begraben sein (...) ich weiß nicht, wie ich mich bedanken soll», sagte die 73 Jahre alte Felicia, als RTVE ihr ihre beiden Retter vorstellte.

Keine Rettung gab es indes fĂŒr die drei MĂ€nner, deren Leichen am Montag in der Provinz Toledo sĂŒdöstlich von Madrid geborgen wurden, wie die Regierung der Region Kastilien-La Mancha mitteilte. Eines der Opfer sei in der Gemeinde Bargas im Inneren eines Fahrzeugs gestorben. In der Ortschaft Casarrubios del Monte sei ein 20-JĂ€hriger tot aus einem Garagenfahrstuhl geborgen worden. Und in der Gemeinde Camarena habe man einen 50-JĂ€hrigen leblos in einem Bach gefunden.

Bereits am Samstag waren zwei MĂ€nner im Alter von 31 und 34 Jahren bei der Begehung einer Schlucht in Saragossa im Nordosten Spaniens ins reißende Wasser gestĂŒrzt und ertrunken. Am Montag galten neben dem Vater des geretteten ZehnjĂ€hrigen noch mindestens zwei weitere Personen - ein 83-jĂ€hriger Mann und eine jĂŒngere Frau - als vermisst.

Viele Passagiere mussten in Bahnhöfen ĂŒbernachten

Weite Teile Spaniens wurden am Samstag und Sonntag von Unwettern mit Starkregen, Orkanböen, BlitzschlĂ€gen und Hagel heimgesucht. Es kam zu vielen FlugverspĂ€tungen. Vielerorts wurde der Eisenbahnverkehr eingestellt. Hunderte Passagiere mussten daher in der Nacht auf Montag unfreiwillig in Bahnhöfen in Madrid, MĂĄlaga und anderen StĂ€dten ĂŒbernachten.

Dutzende Straßen wurden gesperrt, Parks geschlossen. UnzĂ€hlige HĂ€user, Keller, Garagen und UnterfĂŒhrungen wurden mit Wasser und Schlamm ĂŒberschwemmt. Fassadenteile und Dachziegel stĂŒrzten auf die Straßen, BĂ€ume wurden entwurzelt. Landwirtschaftliche FlĂ€chen wurden in verschiedenen Regionen stark in Mitleidenschaft gezogen.

FĂŒr die knapp 10 000 Einwohner der katalanischen Gemeinde Alcanar galt am Sonntag wegen der gefĂ€hrlichen Überschwemmungen sogar ein mehrstĂŒndiges Ausgehverbot. Laut Wetterdienst fiel dort innerhalb von nur 24 Stunden eine Regenmenge von 215 Litern pro Quadratmeter. Die Lage normalisierte sich am Montag nur langsam. In Madrid waren etwa der U-Bahn- und Autoverkehr noch deutlich beeintrĂ€chtigt. Die beliebte Urlaubsinsel Mallorca blieb weitgehend verschont.

Mit Blick auf den nötigen Wiederaufbau beantragten die Regionen Madrid und Kastilien-La Macha inzwischen bei der Zentralregierung, zum Katastrophengebiet erklĂ€rt zu werden, um Staatshilfe zu erhalten. SchĂ€tzungen ĂŒber die Höhe der SchĂ€den lagen zunĂ€chst nicht vor.

@ dpa.de