Gewalt gegen Ältere, Vorsorgevollmacht

Straftaten gegen Ältere: Weißer Ring warnt vor großem Dunkelfeld

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Weiße Ring warnt vor einem großen Dunkelfeld bei Straftaten gegen ältere und auf Hilfe angewiesene Menschen. Dazu zählen Gewalt in der Pflege, erschlichene Vollmachten und die Veruntreuung von Vermögen.

  • Wenn die helfende Hand zu der eines Täters wird: Auf Hilfe angewiesene Menschen können leichter Opfer von Straftaten werden. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
    Wenn die helfende Hand zu der eines Täters wird: Auf Hilfe angewiesene Menschen können leichter Opfer von Straftaten werden. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa
  • Der Weiße Ring mit dem Ehrenvorsitzenden Patrick Liesching vermutet, dass «hier ein riesiges Kriminalitätsfeld im Dunklen liegt». (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
    Der Weiße Ring mit dem Ehrenvorsitzenden Patrick Liesching vermutet, dass «hier ein riesiges Kriminalitätsfeld im Dunklen liegt». (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
Wenn die helfende Hand zu der eines Täters wird: Auf Hilfe angewiesene Menschen können leichter Opfer von Straftaten werden. (Symbolbild) - Bild: Oliver Berg/dpa Der Weiße Ring mit dem Ehrenvorsitzenden Patrick Liesching vermutet, dass «hier ein riesiges Kriminalitätsfeld im Dunklen liegt». (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa

Der Weiße Ring warnt vor einem großen Dunkelfeld bei Straftaten gegen ältere und auf Hilfe angewiesene Menschen.

Gewalt und Vermögensdelikte bleiben oft verborgen

Nach Angaben der Opferschutzorganisation geht es unter anderem um Gewalt in der Pflege, das Erschleichen von Vorsorgevollmachten und die Veruntreuung von Vermögen. Viele Betroffene seien dement oder könnten sich aus anderen Gründen nur eingeschränkt gegen Übergriffe wehren.

Patrick Liesching, Ehrenvorsitzender des Weißen Rings, sagte der dpa in Mainz, Betreuer und Vorsorge-Bevollmächtigte, die unter Umständen Täter seien, öffneten sich nicht. Auch Betreuungsbehörden hätten keinen Ein- und Überblick. Deshalb vermute die Organisation ein „riesiges Kriminalitätsfeld im Dunklen“.

Fall aus Brandenburg zeigt Ermittlungsprobleme

Barbara Richstein, Bundesvorsitzende des Weißen Rings, berichtete von einer 91 Jahre alten Frau aus Brandenburg, die angegeben habe, in einem Krankenhaus vergewaltigt worden zu sein. Zunächst habe man ihr nicht recht glauben wollen; später seien jedoch Spuren gesichert worden.

Richstein betonte, der Fall zeige, wie wichtig es sei, Opfern zu glauben und genau hinzuschauen. Das Zentrum für Qualität in der Pflege bezeichnet finanzielle Ausbeutung als eine zentrale Form von Gewalt gegen ältere Menschen. Sie könne erhebliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Folgen für Betroffene und ihre Familien haben.

Wenig Daten zur finanziellen Ausbeutung

Nach Angaben der Stiftung gibt es zu diesem Bereich bislang wenige Daten. Ermittlungsbehörden verwiesen zudem auf die Schwierigkeit, solche Fälle aufzuklären.

Warnung vor pauschalem Verdacht gegen Betreuer

Harald Freter, Geschäftsführer des Bundesverbands der Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuer, kennt Fälle von Kriminalität ebenfalls. Zugleich warnte er vor einem grundsätzlichen „Betreuer-Bashing“. Kriminelle Machenschaften seien eindeutig die Ausnahme. Wenn Menschen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten, könne Betreuung jedoch ein Einfallstor für Kriminalität sein.

Weißer Ring fordert mehr Aufmerksamkeit

Liesching sagte, bei verletzlichen und wenig abwehrfähigen älteren Menschen schaue kaum jemand hin. In Deutschland fehle es noch an Sensibilität für die Kriminalitätsanfälligkeit dieses Bereichs.

Die Stiftung des Weißen Rings hatte nach eigenen Angaben ein kriminologisches Projekt zu dem Thema initiiert. Forschungsansätze zu finden, sei jedoch schwierig, weil es für Befragungen kaum auskunftsfähige und auskunftsbereite Akteure gebe. Ein statistisch belastbares Lagebild lasse sich deshalb nur schwer erstellen.

Abhängigkeit erschwert Kontrolle

Das angesprochene Dunkelfeld entsteht vor allem dort, wo ältere Menschen auf Unterstützung angewiesen sind und zugleich ihre eigenen Interessen nur eingeschränkt vertreten können. Demenz, körperliche Einschränkungen und soziale Isolation können dazu führen, dass Übergriffe, Druck bei Vollmachten oder unberechtigte Vermögenszugriffe spät auffallen. Gerade finanzielle Ausbeutung hinterlässt zudem nicht immer sofort sichtbare Spuren.

Die Bedeutung des Themas wächst mit der Zahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. In Deutschland leben derzeit rund 800.000 Pflegebedürftige in Heimen; bis 2040 könnte diese Zahl nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes auf knapp eine Million steigen. Zugleich wird ein großer Teil der Pflege zu Hause geleistet. In Niedersachsen wurden 2023 rund 350.000 Menschen von Angehörigen versorgt.

Schutz braucht mehrere Stellen

Für Betroffene und Familien sind deshalb klare Zuständigkeiten, erreichbare Beratungsangebote und Aufmerksamkeit im Umfeld entscheidend. Hinweise können sich aus ungeklärten Kontobewegungen, plötzlichen Änderungen von Vollmachten, Angst vor bestimmten Betreuungspersonen oder Verletzungen ergeben. Angehörige, Pflegekräfte, Ärzte, Banken und Behörden verfügen jeweils nur über einen Teil der Informationen.

Die Herausforderung besteht darin, Schutz und Selbstbestimmung auszubalancieren. Ein pauschaler Verdacht gegen berufliche oder ehrenamtliche Betreuer wäre ebenso unangemessen wie ein Wegsehen bei Warnsignalen. Nötig sind nachvollziehbare Kontrollen, bessere Zusammenarbeit und mehr belastbare Daten, damit das Ausmaß der verschiedenen Delikte sichtbar wird und Hilfen gezielt ansetzen können.

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