EU empfiehlt deutlich strengeren Nichtraucherschutz
03.12.2024 - 11:17:05Eine Mehrheit der EU-Gesundheitsministerinnen und -minister will einen deutlich strengeren Nichtraucherschutz im Freien. Sie sprechen sich fĂŒr einen «wirksamen Schutz» vor Passivrauch etwa auf SpielplĂ€tzen und in der AuĂengastronomie aus. Deutschland - das sich bei der Abstimmung enthielt - muss sich aber nicht an diese Empfehlung halten.
Neben SpielplĂ€tzen und der AuĂengastronomie sind unter anderem Freizeitparks, SchwimmbĂ€der, StrĂ€nde und Zoos, Haltestellen, Hochschulen und Open-Air-Veranstaltungen im Fokus fĂŒr strengere Vorgaben. Die ungarische RatsprĂ€sidentschaft betonte: «Die Empfehlung des Rates enthĂ€lt kein obligatorisches Verbot.» Ăsterreichs Gesundheitsminister Johannes Rauch sagte: «Europa verbietet gar nichts. Das muss einmal festgehalten werden.»
Ăber Verbote entscheidet jeder Staat selbst
Die Mitgliedstaaten sind selbst fĂŒr ihre Gesundheitspolitik zustĂ€ndig. Deutschlands Vertreter bei dem Ministertreffen, StaatssekretĂ€r Thomas Steffen, betonte, dass in der Bundesrepublik zudem viele ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr das Thema bei den BundeslĂ€ndern lĂ€gen. Diese hĂ€tten kritisiert, es brauche eine differenziertere Betrachtung beim Umgang mit Rauchen in der AuĂengastronomie.
Deutschland hat dabei laut der Initiative «smoke free partnership» eine verhĂ€ltnismĂ€Ăig schwache Gesetzgebung gegen Tabakkonsum. Es liegt den Angaben von Ende 2022 zufolge im Vergleich mit 37 meist europĂ€ischen LĂ€ndern auf dem viertletzten Platz hinter Serbien, der Schweiz und Bosnien-Herzegowina. Auf den ersten drei PlĂ€tzen liegen Irland, das Vereinigte Königreich und Frankreich.
Vehemente Kritik an der EU-Empfehlung kommt von der CDU im Europaparlament. «WĂ€hrend die europĂ€ische WettbewerbsfĂ€higkeit weiter schwĂ€chelt und in unserer Nachbarschaft ein blutiger Krieg tobt, sollten wir uns nicht mit unsinniger Verbotspolitik beschĂ€ftigen mĂŒssen», teilte der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament, Daniel Caspary (CDU), nach der Entscheidung mit.
Keine Ausnahmen fĂŒr Tabakerhitzer und E-Zigaretten
Neben klassischem Tabakrauch richten sich die Empfehlungen auch gegen Tabakerhitzer und elektronische Zigaretten. Auch vor deren DĂ€mpfen sollen Nichtraucherinnen, Nichtraucher und Kinder besser geschĂŒtzt werden.Â
Mit ihrer Entscheidung folgen die EU-Staaten der EU-Kommission, die im September vorgeschlagen hatte, die derzeitigen Empfehlungen zu rauchfreien Zonen zu ĂŒberarbeiten. Ziel ist, Menschen vor Passivrauch zu schĂŒtzen und die Zahl der Krebstoten zu senken. Dabei geht es nicht nur um Zigaretten, sondern auch um den Dampf von E-Zigaretten und Tabakerhitzern.
Nach Angaben der EU-Kommission fordert Tabakkonsum in der EuropĂ€ischen Union jedes Jahr 700.000 Menschenleben - Zehntausende davon wegen Passivrauchens. «Es ist das gröĂte vermeidbare Gesundheitsrisiko in der EU», sagte der fĂŒr Gesundheit zustĂ€ndige EU-Kommissar Oliver Varhelyi.





