Reichstagskuppel-Architekt, Foster

Reichstagskuppel-Architekt Foster wird 90

01.06.2025 - 06:30:40

Tausende Menschen besuchen sie tÀglich: die Kuppel des Reichstags in Berlin. Was sich Architekt Norman Foster damals beim Umbau dachte - und welche ikonischen GebÀude er noch entwarf.

  • VisionĂ€rer Architekt: Norman Foster wird 90. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpa

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  • Ein Koloss aus Glas: die Reichstagskuppel. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa

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  • Sein BĂŒro entwarf auch das Londoner Hochhaus «The Gherkin» (die Gurke). (Archivbild) - Foto: picture alliance / Chris Radburn/PA Wire/dpa

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  • Schlendern und schauen: Menschen besuchen die Kuppel. - Foto: Sonja Wurtscheid/dpa

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  • Die spektakulĂ€re Decke im British Museum in London. (Archivbild) - Foto: Andy Rain/epa/dpa

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  • Auch der Commerzbank-Tower gehört zu den Werken seines BĂŒros. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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VisionĂ€rer Architekt: Norman Foster wird 90. (Archivbild) - Foto: picture alliance / dpaEin Koloss aus Glas: die Reichstagskuppel. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpaSein BĂŒro entwarf auch das Londoner Hochhaus «The Gherkin» (die Gurke). (Archivbild) - Foto: picture alliance / Chris Radburn/PA Wire/dpaSchlendern und schauen: Menschen besuchen die Kuppel. - Foto: Sonja Wurtscheid/dpaDie spektakulĂ€re Decke im British Museum in London. (Archivbild) - Foto: Andy Rain/epa/dpaAuch der Commerzbank-Tower gehört zu den Werken seines BĂŒros. (Archivbild) - Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Der Architekt Norman Foster hat eines der wichtigsten Wahrzeichen Deutschlands geschaffen. Die Reichstagskuppel ist ein Koloss aus Stahl und Glas, aber trotzdem scheint sie fast zu schweben. Hunderttausende Besucher spazieren jÀhrlich den Wendelgang entlang - genau so wollte es der britische Architekt, der an diesem Sonntag (1.6.) 90 Jahre alt wird.

Der Umbau des ReichstagsgebÀudes in Berlin sollte eine Wiedergeburt werden - die Wiedergeburt eines ParlamentsgebÀudes, das eine so dunkle Geschichte hinter sich hatte.

Den Abgeordneten zuschauen, auf die Finger schauen. Das war Fosters Idee damals in den 1990ern. Er habe das GebĂ€ude fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich machen und sie buchstĂ€blich von oben auf die Politik schauen lassen wollen, sagte er der BBC. «In gewisser Weise ist es ein Symbol fĂŒr die Demokratie.»

SpektakulÀre Sichtachsen

Foster gehört zu den Architekten, die auch denjenigen etwas sagen, die nicht stĂ€ndig Architekturzeitschriften lesen. Sein BĂŒro schuf ikonische Wolkenkratzer. Das Londoner Hochhaus mit dem Spitznamen «The Gherkin» (die Gurke) zum Beispiel oder den Frankfurter Commerzbank-Tower.

Dem British Museum in London verpassten sie ein spektakulĂ€res Glasdach und der Themse eine neue BrĂŒcke - von kaum einer Stelle in der britischen Hauptstadt hat man eine so schöne Blickachse wie von der Millennium Bridge, die das Museum Tate Modern mit der St. Paul's Cathedral verbindet.

Das Fachmagazin «Detail» wĂŒrdigt Foster gerade als «Meister der Moderne»: «Die Welt der Architektur verneigt sich vor einem ihrer grĂ¶ĂŸten VisionĂ€re.» Dabei war anfangs nicht absehbar, dass aus dem 1935 im Großraum Manchester geborenen Foster mal ein visionĂ€rer Architekt werden wĂŒrde.

Als Junge im Luftschutzbunker 

In einem BBC-Interview sprach er neulich darĂŒber, wie es war, wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs aufzuwachsen. Er könne sich daran erinnern, wie er in einem Luftschutzbunker in den Armen seiner Mutter aufgewacht sei, erzĂ€hlte er. Und wie Freunde morgens geklopft und ihm Granatsplitter gezeigt hĂ€tten. Erst Jahre spĂ€ter habe er verstanden, was das eigentlich gewesen sei.

Foster zog es spĂ€ter zur Architektur, er arbeitete sich hoch. 1967 grĂŒndete er das BĂŒro Foster + Partners. Mit dem Pritzker-Preis gewann er die renommierteste Auszeichnung seiner Branche. Seit einer königlichen Ehrung darf er sich Lord nennen, oder genauer Lord Foster of Thames Bank.

«Norman ist begeisterter Pilot, mag Skilanglauf und Radfahren», heißt es auf der Internetseite seines BĂŒros. Was er an Bergen so möge, wollte die britische Zeitung «The Observer» einmal von ihm wissen. «Die schiere Erhabenheit, die GrĂ¶ĂŸe, das Ausmaß, die QualitĂ€t des Lichts», antwortete er. Das Drama, die extremen Kontraste und die physische Anstrengung.

Ob er sich in den Bergen, in St. Moritz, am ehesten zu Hause fĂŒhle? «Zuhause ist auf viele Weisen dort, wo ich bin. Wenn ich hier in London bin, fĂŒhle ich mich wirklich zu Hause, und ich glaube, das Gleiche ist wahr, wenn ich in Madrid bin.» Aber in den Alpen habe er zum Beispiel die meisten BĂŒcher.

Die Faszination der glÀsernen Kuppel

Die Glaskuppel des umgebauten ReichstagsgebÀudes gehört zu den Bauwerken Fosters, die inzwischen ikonisch sind. Etwa zwei Millionen Menschen besuchen sie nach Angaben des Bundestags jÀhrlich. Touristen sind dort, Schulklassen auch, manchmal sogar Berliner. 

Bei Google Maps gibt es in den Bewertungen dann 4,7 Sterne. Und interessante Kommentare. Besonders empfehlenswert, schreibt ein Nutzer auf einem Portal, sei das Liegen unter der Kuppel.

Foster glaube, dass die QualitĂ€t unserer Umgebung die QualitĂ€t unserer Leben beeinflusse, erklĂ€rt sein BĂŒro seinen Ansatz. FĂŒr ihn ist Architektur auch Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. «Ich meine, wenn man seine Vergangenheit nicht kennt, wie versteht man dann seine Gegenwart?», sagte er der BBC. «Und wie plant man fĂŒr die Zukunft?»

Masterplan fĂŒr den Wiederaufbau von Charkiw

Das Planen fĂŒr die Zukunft, das zeigt sich auch bei anderen Projekten. Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als drei Jahren gegen einen Angriffskrieg Russlands. Der BĂŒrgermeister der Stadt Charkiw wandte sich an Foster, um einen Masterplan fĂŒr den Wiederaufbau der Stadt zu entwerfen. «Eine Stadt der Zukunft», wie Foster in dem BBC-GesprĂ€ch erzĂ€hlte.

Architektur als etwas VisionÀres, etwas Optimistisches. Wenn man Architekt sei - oder auf andere Weise damit beschÀftigt, etwas zu bauen -, sagt Foster, dann sei man optimistisch, wenn es um die Zukunft gehe.

@ dpa.de