Italien, AufrÀumarbeiten

Italien: AufrÀumarbeiten nach schweren Unwettern

05.11.2023 - 19:26:12

Tausende sind nach erneuten Unwettern in Teilen Italiens ohne Strom - viele mussten vorsorglich evakuiert werden. Die AufrÀumarbeiten dauern weiter an.

Nach den schweren Unwettern der vergangenen Tage sind Teile Italiens erneut von heftigen RegenfĂ€llen und StĂŒrmen heimgesucht worden. Insbesondere die beliebte Urlaubsregion Toskana war betroffen. Mehr als 16.000 Haushalte seien ohne Strom und rund 1200 Menschen in dem Gebiet vorsorglich evakuiert worden, teilte der PrĂ€sident der Region, Eugenio Giani, mit. Infolge der Unwetter, von denen die Gegend seit Donnerstagabend betroffen ist, sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen.

Die schweren Unwetter haben insbesondere die Provinzen Prato und Pistoia in Mitleidenschaft gezogen. Der Fluss Bisenzio sowie einige kleinere BĂ€che traten ĂŒber die Ufer und ĂŒberschwemmten ganze Ortschaften. Dort steht das Wasser unverĂ€ndert hoch. Insbesondere die Orte, durch die der Fluss Bisenzio fließt, kĂ€mpfen weiter gegen die Wassermassen. «Das Wasser kam von allen Seiten, von hier, von da, man konnte es nicht aufhalten. Wir haben alles verloren», sagte ein Mann im italienischen Fernsehen.

Indes laufen in den Gemeinden, in denen das Wasser nach den heftigen RegenfĂ€llen und Überschwemmungen in der Nacht zum Freitag bereits zurĂŒckgegangen ist, die AufrĂ€umarbeiten. «Unsere Toskana ist zwar verwundet, aber wir sind bereits am Wiederaufbau. Forza!», schrieb Giani in einem Facebook-Post. Schlamm und VerwĂŒstung prĂ€gen das Bild. Die Bewohner schaufeln die Schlammmassen von den Straßen und rĂ€umen die beschĂ€digten HĂ€user und Wohnungen auf. An den StraßenrĂ€ndern stapeln sich durchgeweichte MöbelstĂŒcke und zerstörte GegenstĂ€nde.

Die SchĂ€den in der Region sind immens. Giani sprach am Sonntag von einem Schaden in Höhe von ungefĂ€hr einer halben Milliarde Euro, der durch die Unwetter verursacht worden sei. In der Region wurde bereits am Freitag der Notstand ausgerufen. Die Regierung in Rom wies der Toskana eine erste Charge von fĂŒnf Millionen Euro zur Ersthilfe zu.

So viel Regen wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Die Unwetter in der Nacht zum Sonntag bereiteten den Meteorologen und Experten des Zivilschutzes große Sorgen. Der Leiter des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, warnte am Samstag vor dem neuen Regen und rief zur Vorsicht auf. Die Böden waren durch den Regen der vergangenen Tage bereits «gesĂ€ttigt» und konnten kaum weitere NiederschlĂ€ge aufnehmen. So viel Regen in so kurzer Zeit habe es in der Region seit Jahrzehnten nicht gegeben, sagten Experten des Nationalen Forschungsrates (CNR). Noch immer bestehe laut Curcio ein erhöhtes Risiko neuer Überschwemmungen und Erdrutsche.

Italien wurde im laufenden Jahr bereits von mehreren schweren Unwettern mit Toten heimgesucht. Die Emilia-Romagna kĂ€mpfte im Mai mit extremen Überschwemmungen und Erdrutschen. 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Bereits damals wurde Kritik an den NotfallplĂ€nen des Zivilschutzes laut. Der zustĂ€ndige Minister, Nello Musumeci, kĂŒndigte einen nationalen Wasserbauplan an, um sich gegen hĂ€ufigere Überschwemmungen und Erdrutsche zu wappnen. Auch aktuell wird ein besserer Schutz gegen solche Wetterextreme gefordert.

Auch andere LĂ€nder Europas betroffen

In Frankreich, wo die Lage auch zuvor angespannt blieb, gingen die AufrÀumarbeiten am Wochenende weiter. Am Sonntagvormittag waren 137.000 Haushalte weiterhin ohne Strom. Französische Medien berichteten, dass bei den Arbeiten am Wochenende ein Mitarbeiter des Stromversorgers Enedis starb. Ab Samstagabend traf zudem ein neuer Sturm Westfrankreich, teils gab es Windböen mit bis zu 150 km/h Geschwindigkeit. Weitere 160.000 Haushalte waren ohne Strom.

In Großbritannien machten sich am Wochenende noch die Auswirkungen von Sturm «Ciaran» bemerkbar. Wegen SchĂ€den an einer Wasseraufbereitungsanlage waren Tausende Haushalte sĂŒdwestlich von London von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Unterdessen wurden auch in Slowenien wegen Sturms und heftigen Regens mindestens vier kleineren Erdrutschen gemeldet. Im nordslowenischen Radovljica am Fluss Save war dabei auch ein Haus von den Erdmassen bedroht, jedoch konnten die KatastrophenschĂŒtzer das Gebiet sichern, berichtete die Agentur STA. Am Sonntag wurden noch steigende WasserstĂ€nde der FlĂŒsse im Osten des Landes erwartet, ab Montag sollen diese wieder sinken.

@ dpa.de