Theater Magdeburg: AfD will Zuschuss um 37 Millionen senken
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 12:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMagdeburg prüft Theaterfinanzierung
- Die AfD-Fraktion will den jährlichen Zuschuss für das Theater Magdeburg deutlich senken.
- Der Stadtrat soll Anfang November über den Antrag beraten.
- Für den Theaterbetrieb stehen 37 Millionen Euro Kosten 4 Millionen Euro eigenen Einnahmen gegenüber.
AfD beantragt Kürzung des Theaterzuschusses
Die AfD-Fraktion im Magdeburger Stadtrat will den jährlichen Zuschuss für das Theater der Landeshauptstadt deutlich senken. Ihren Antrag will der Stadtrat in seiner Sitzung Anfang November beraten, doch mehrere Fraktionen haben bereits Widerstand angekündigt.
AfD verweist auf hohe Kosten
Zur Begründung verweist die Fraktion auf die angespannte Finanzlage Magdeburgs. Das Theater koste die Stadt jährlich 37 Millionen Euro und nehme selbst lediglich 4 Millionen Euro ein.
Eine Schließung lehnt die AfD nach eigenen Angaben nicht als Ziel ab. Geprüft werden solle jedoch, ob Magdeburg dauerhaft alle künstlerischen Angebote mit eigenen vollständigen Strukturen produzieren müsse.
Frühere Vorstöße blieben erfolglos
Es ist nicht der erste Versuch der AfD, die Kulturförderung in Magdeburg und Sachsen-Anhalt zu verändern. Vor gut einem Jahr scheiterte im Stadtrat ein Antrag, Fördermittel an eine Erklärung zur parteipolitischen Neutralität zu knüpfen.
Im Sommer lehnte der Landtag zudem einen AfD-Antrag ab, staatliche Fördergelder an ein Bekenntnis zu Staat, Demokratie und deutscher Kultur zu binden.
Theater warnt vor Sparten-Schließungen
Das Theater Magdeburg sieht die Pläne mit Sorge. Verwaltungsdirektorin Bettina Pesch erklärte, strukturelle Kürzungen würden unweigerlich die Schließung ganzer Sparten bedeuten; Einsparungen in dieser Größenordnung seien ohne massiven Personalabbau nicht möglich.
Das hätte nach ihrer Einschätzung Folgen für Publikumsresonanz, Zuschauerzahlen, Arbeitsfähigkeit und künstlerische Weiterentwicklung. Das Theater war im vergangenen Jahr zum «Theater des Jahres» gewählt worden.
Landesvertrag läuft bis Ende 2028
Neben der Stadt beteiligt sich auch das Land an der Finanzierung. Die Staatskanzlei verwies darauf, dass der laufende Vertrag noch bis Ende 2028 gelte.
Eine Sprecherin betonte, die Rahmenbedingungen des Grundgesetzes, der Landesverfassung und des Kulturfördergesetzes müssten gewahrt bleiben und das Landesinteresse gegeben sein.
Fraktionen stellen sich gegen Antrag
Auch im Stadtrat stößt der Vorstoß auf Kritik. Die Linke bezeichnete ihn als Ausdruck einer Kultur-Kahlschlagpolitik. Die Fraktion aus SPD, Tierschutzallianz und Volt sieht die Pläne als existenzgefährdend für das Theater.
Die Gartenpartei kündigte an, Einsparungen in den Bereichen Kultur und Sport sowie zulasten von Rentnern, Kindern oder Jugendlichen nicht zuzustimmen.
Haushalt setzt den zeitlichen Rahmen
Die Debatte fällt in die Beratungen über den defizitären Haushalt der Landeshauptstadt. In einem Entwurf fehlen derzeit 47 Millionen Euro.
Der Stadtrat soll am 5. November über das Konsolidierungskonzept und am 7. Dezember über den Haushalt für 2027 entscheiden.
Der Vorstoß fällt in eine angespannte kommunale Finanzlage. Magdeburg muss nach dem vorliegenden Haushaltsplanentwurf ein Defizit von 47 Millionen Euro ausgleichen und zugleich über ein Konsolidierungskonzept sowie den Haushalt für 2027 entscheiden. Dadurch geraten freiwillige Leistungen wie Kulturförderung besonders in den Mittelpunkt von Spardebatten.
Das Theater ist dabei nicht ausschließlich von der Stadt abhängig. Neben dem kommunalen Zuschuss erhält das Mehrspartenhaus Landesmittel; der laufende Vertrag mit dem Land gilt bis Ende 2028. Eine kurzfristige Kürzung der städtischen Finanzierung hätte deshalb nicht nur kulturpolitische, sondern auch rechtliche und organisatorische Folgen für die bestehende Finanzierung.
Finanzdruck trifft Mehrspartenhaus
Die von der AfD genannten 37 Millionen Euro jährlicher Kosten stehen Einnahmen von lediglich 4 Millionen Euro gegenüber. Bei einer strukturellen Reduzierung wären nach Darstellung der Theaterleitung ganze Sparten gefährdet, während Einsparungen ohne erheblichen Personalabbau kaum möglich wären.
Für das Publikum könnte sich das Angebot dadurch deutlich verändern. Weniger Produktionen oder der Wegfall einzelner Sparten würden die künstlerische Bandbreite, Arbeitsplätze und die regionale kulturelle Infrastruktur betreffen. Die Entscheidung liegt nun zunächst beim Stadtrat: Der Antrag soll Anfang November beraten werden, während parallel die Haushaltsentscheidungen für Magdeburg anstehen.
