Kinderschutzbund: Mehr Missbrauchsbilder im Netz löschen
01.10.2025 - 04:31:05 | dpa.de
Vor Beginn eines Prozesses gegen mutmaĂliche Drahtzieher einer Kinderpornografie-Plattform verlangt der Kinderschutzbund mehr Anstrengungen beim Löschen von Missbrauchsdarstellungen im Netz. «Der Fokus der Behörden liegt vor allem darauf, aktuell stattfindenden und anhaltenden Missbrauch zu beenden», sagte der Vize-PrĂ€sident des Verbandes, Joachim TĂŒrk, der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist angesichts der begrenzten personellen Ressourcen auch nachvollziehbar.»
Aber auch das Löschen von Darstellungen vergangener Missbrauchstaten sollte vorangetrieben werden, forderte TĂŒrk. «Hier mĂŒssen zum einen die ZustĂ€ndigkeiten klar geregelt werden, zum anderen fehlen den Strafverfolgungsbehörden die KapazitĂ€ten.» FĂŒr Betroffene sei das Entfernen des Materials elementarer Bestandteil der TraumabewĂ€ltigung.
Worum geht es bei dem Prozess?
Vor dem Landgericht in Mönchengladbach beginnt am Mittag ein Prozess gegen fĂŒnf MĂ€nner, die nach einem bundesweiten Schlag gegen die Betreiber einer riesigen Kinderpornografie-Plattform als mutmaĂliche Drahtzieher gelten. Die 44 bis 63 Jahre alten MĂ€nner sollen als Moderatoren oder Administratoren der Darknet-Plattform aktiv gewesen sein, auf der mehrere Hunderttausend Nutzer weltweit Millionen von Bildern und Videos tauschten.
Das Forum diente laut Anklage zudem dazu, Kontakte zwischen Gleichgesinnten herzustellen. So sollen sich User auch zum sexuellen Missbrauch von Kindern verabredet haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten bandenmĂ€Ăiges Verbreiten und den Besitz von Kinderpornografie vor.
Ermittler hatten die Plattform im September 2024 stillgelegt und bei Durchsuchungen in sechs BundeslÀndern umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Darunter waren nach damaligen Angaben mehr als 1.500 Asservate wie Laptops und Handys sowie 94 Umzugskartons mit Videokassetten und DVDs, die den Missbrauch von kleinen Kindern zeigten.
Kinderschutzbund sieht Ermittlungserfolge
Der Kinderschutzbund lobte die Anstrengungen der Behörden im Kampf gegen solche Plattformen. «Sowohl das Bundeskriminalamt als auch viele Polizeien der LĂ€nder haben die BekĂ€mpfung von Missbrauchsdarstellungen im Netz zu einer PrioritĂ€t ihrer Arbeit gemacht», sagte TĂŒrk. Die Ermittlungserfolge der vergangenen Monate zeigten, dass diese Strategie erfolgreich sei.
Laut einem im Juni von der Bundesregierung vorgestellten Bericht fĂŒr das Jahr 2024 war bei Hinweisen auf Darstellungen von sexuellem Missbrauch an Kindern im Internet gut die HĂ€lfte aller Inhalte auf deutschen Servern innerhalb von gut zwei Tagen gelöscht. Wegen des komplexeren Verfahrensablaufs und der gröĂeren Anzahl beteiligter Stellen sei fĂŒr die Löschung im Ausland gehosteter Inhalte mehr Zeit erforderlich.Â
Wer Missbrauchsdarstellungen im Internet entdeckt, ist darauf angewiesen, dass Betreiber von Seiten sie löschen. Die Polizei verwies darauf, dazu zum Beispiel den sogenannten Meldebutton in sozialen Netzwerken zu nutzen - oder sich direkt an Polizeidienststellen zu wenden.
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