Straßenhunde Türkei, Tierschutz

Türkei sammelt Straßenhunde ein – Tierschützer alarmiert

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die türkische Regierung meldet, rund 99 Prozent der Straßenhunde eingefangen zu haben. Tierschützer warnen vor überfüllten Heimen, schlechten Bedingungen und fehlenden Angaben zum Verbleib der Tiere.

Seit zwei Jahren sorgt das Gesetz zu Straßenhunden für Diskussionen. (Archivbild) - Bild: Francisco Seco/AP/dpa
Seit zwei Jahren sorgt das Gesetz zu Straßenhunden für Diskussionen. (Archivbild) - Bild: Francisco Seco/AP/dpa

Die türkische Regierung gibt an, rund 99 Prozent der Straßenhunde im Land eingesammelt zu haben – Tierschützer sorgen sich nun um deren Schicksal.

Vorwürfe gegen Behörden

Nihal Kasa, Vorsitzende der Tierschutzorganisation Hayfed, berichtete der Deutschen Presse-Agentur von teils grausamen Bedingungen in den Heimen. Tiere seien unter anderem schutzlos Sonne und Kälte ausgesetzt.

Nach Angaben Kasas reichen die Kapazitäten nicht aus, um alle Hunde angemessen unterzubringen. Sie warf Behörden zudem unrechtmäßige Tötungen und Intransparenz vor. Die zuständigen Ministerien äußerten sich auf Anfrage nicht.

Gesetz erlaubt in bestimmten Fällen Tötung

Seit einer umstrittenen Gesetzesänderung vor rund zwei Jahren müssen Kommunen Straßenhunde einfangen und in Tierheimen unterbringen. Ziel der Regierung ist deren Vermittlung. Bei Krankheit oder Aggressivität ist jedoch auch die Tötung erlaubt.

Innenminister Mustafa Ciftci erklärte vergangene Woche, rund 99 Prozent der Straßentiere seien eingefangen worden. Wie viele Tiere in Heimen untergebracht, vermittelt oder eingeschläfert wurden, teilte er nicht mit.

Wenige Plätze für viele Tiere

Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisierte im August die Bedingungen in türkischen Tierheimen. Nach Angaben von Partnerorganisationen vor Ort seien zu viele Hunde auf engem Raum untergebracht; die Kapazitäten reichten nicht für eine angemessene Versorgung.

Bei der Verabschiedung des Gesetzes im Sommer 2024 war die Regierung zunächst von rund vier Millionen Straßenhunden ausgegangen. Später korrigierte sie die Zahl auf etwa 1,2 Millionen.

Unklare Angaben zum Verbleib

Im April standen dieser Zahl laut einer Antwort des Forstministeriums auf eine parlamentarische Anfrage rund 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen gegenüber. Bis dahin waren demnach etwa 97.000 herrenlose Tiere an neue Besitzer vermittelt worden. Aktuelle Angaben machte die Regierung auf Anfrage der dpa nicht.

Streit um den richtigen Umgang

Straßenhunde gehörten in der Türkei vielerorts zum Stadtbild und wurden von Anwohnern teils liebevoll versorgt. Zugleich wird immer wieder von Angriffen durch Rudel berichtet. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan begründet die Maßnahmen auch mit der Gefahr für Menschen und will die Population eindämmen.

Tierschützer halten dagegen Einfangen, gezielte Kastration, Impfungen und die Rückkehr der Tiere in ihr Herkunftsgebiet für den nachhaltigen Weg. Außerdem müsse der Tierhandel stärker begrenzt werden.

Gesetz mit weitreichenden Folgen

Die türkische Politik hat den Umgang mit Straßenhunden seit der Gesetzesänderung im Sommer 2024 grundlegend verändert. Kommunen müssen die Tiere einfangen und in Heimen unterbringen. Eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort ist damit nicht mehr das vorrangige staatliche Vorgehen.

Der Konflikt betrifft vor allem die Lücke zwischen der geschätzten Zahl der Tiere und den verfügbaren Plätzen. Selbst nach der späteren Korrektur auf rund 1,2 Millionen Straßenhunde standen im April nach Regierungsangaben nur etwa 459.000 Plätze in Tierheimen und sogenannten natürlichen Lebensräumen zur Verfügung. Rund 97.000 Tiere waren bis dahin vermittelt worden. Daraus ergibt sich ein erheblicher Bedarf an zusätzlicher Unterbringung, Versorgung und Vermittlung.

Streit über Tierschutz und Sicherheit

Die Regierung begründet das Vorgehen auch mit Berichten über Angriffe von Hunderudeln und dem Ziel, die Population zu begrenzen. Tierschutzorganisationen setzen dagegen auf Kastration, Impfungen, die Rückkehr der Tiere in ihr vertrautes Gebiet und eine stärkere Kontrolle des Tierhandels. Für die öffentliche Bewertung der Maßnahme ist deshalb entscheidend, wie viele Hunde tatsächlich untergebracht, vermittelt oder getötet wurden und unter welchen Bedingungen sie leben.

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