TĂŒrkisches Spezialschiff taucht zum FĂ€hrwrack ab
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 03:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNachdem am Sonntagmittag eine PassagierfĂ€hre vor der KĂŒste Zyperns gekentert ist, unterstĂŒtzt ein tĂŒrkisches Spezialschiff mit besonderer Technologie die lokalen KrĂ€fte. Bei dem UnglĂŒck sind Behördenangaben zufolge 8 Menschen gestorben, 20 weitere werden derzeit noch vermisst. Wie das Schiff TCG Isin dabei helfen kann, in 500 Meter Tiefe zu tauchen, um an das Wrack zu gelangen, erklĂ€rt Dozent Cetin Kedioglu vom Unterwassertechnologie-Programm der Onsekiz-Mart-UniversitĂ€t in Canakkale der Deutschen Presse-Agentur.Â
Wie lange dauert solch ein Einsatz und wann könnte es die ersten Erkenntnisse geben?Â
Die Gesamtdauer eines solchen Unterwassereinsatzes lasse sich nicht vorhersagen und ist neben den verfĂŒgbaren technischen Mitteln auch von den WetterverhĂ€ltnissen, der Strömung sowie der Lage und dem Zustand des Wracks abhĂ€ngig, sagte Kedioglu. Bei einer Tiefe von mehr als 500 Metern, in der das Schiff «Filo Jet» liegt, sei ein Einsatz von Tauchern absolut ausgeschlossen. Dort kĂ€men ferngesteuerte Unterwasserroboter zum Einsatz, die zunĂ€chst die genaue Lage des Schiffes bestimmen und den Zustand von Luken und TĂŒren analysieren. Auf Basis der Kamerabilder könne anschlieĂend der Bergungsplan erstellt werden. Der nord-zyprische PrĂ€sident Tufan ErhĂŒrman erklĂ€rte am Dienstag vor Journalisten, dass keine schnellen Ergebnisse erwartet werden sollten, die Sucharbeiten jedoch kontinuierlich durchgefĂŒhrt wĂŒrden.Â
Welchen Einfluss haben Strömung und Wetter auf die Arbeiten?Â
Laut Kedioglu haben auch Wetter, Seegang und Strömungen einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten Einsatzablauf. Bei hohem Wellengang oder starkem Wind könne das Mutterschiff an der OberflĂ€che seine Position nicht exakt halten. Wenn die Schiffsposition schwankt, könne der Roboter nicht zu Wasser gelassen werden, erklĂ€rt der Wissenschaftler. FĂŒr den Einsatz seien möglichst glatte und ruhige Seebedingungen zwingend erforderlich.Â
Wie riskant ist der Einsatz?Â
FĂŒr menschliches Einsatzpersonal bestehe laut Kedioglu bei den Bergungsarbeiten keine Lebensgefahr, da Menschen in diese Tiefe ohnehin nicht selbst vordringen. Zum Vergleich: Das sportliche Tauchlimit liege bei 30 Metern, technische SpezialtauchgĂ€nge in Europa und der TĂŒrkei bewegten sich in Grenzen von 100 bis 150 Metern. In 510 Metern Tiefe wĂŒrden daher ausschlieĂlich ferngesteuerte Roboter eingesetzt. Die GerĂ€te seien dabei einer Druckbelastung ausgesetzt und Risiken seien rein technischer und materieller Natur.Â
Was ist bei den Such- und Bergungsarbeiten zu erwarten?Â
Kedioglu geht davon aus, dass das Wrack der Katamaran-FĂ€hre mit dem Rumpf nach oben auf dem Meeresgrund liegt. Denn die HohlrĂ€ume unter den Schwimmkörpern des Katamarans, die beim Kentern Luft einschlieĂen, drehten das Schiff kopfĂŒber. Er geht auch davon aus, dass die SichtverhĂ€ltnisse durch den am Grund aufgewirbelten Schlamm erschwert sind, was die Arbeit der Roboterkamera erschweren wĂŒrde. Kedioglu betont, dass die staatlichen Behörden auf höchster Ebene unverzĂŒglich die Rettungsarbeiten eingeleitet hĂ€tten. Besonders gut ausgestattete und leistungsfĂ€hige Schiffe wie das tĂŒrkische Rettungsschiff TCG Isin zĂ€hlen weltweit zu den wenigen Schiffen dieser Art. Gemeinsam mit weiteren Rettungsschiffen werden Such-, Ortungs- und Bergungsarbeiten durchgefĂŒhrt.Â
Finden solche EinsĂ€tze hĂ€ufig statt oder handelt es sich um eine Ausnahme?Â
TiefeneinsĂ€tze dieser Art seien selten, erklĂ€rt Kedioglu, nur einige Male im Jahr komme es zu vergleichbaren VorfĂ€llen. Die spezielle Robotertechnik werde hauptsĂ€chlich in der marinen Industrie, bei Unterwasserforschung sowie fĂŒr Inspektionen verwendet. Such- und RettungseinsĂ€tze in Tiefen von ĂŒber 500 Metern hingegen seien extrem selten. In der TĂŒrkei verfĂŒgen nur zwei spezialisierte Rettungsschiffe der Marine ĂŒber ferngesteuerte Unterwasserroboter, kurz ROV genannt, die fĂŒr Tiefen von 500 bis 1.000 Metern ausgelegt sind.Â
Wie werden Menschen geborgen, die sich unter dem Wrack oder im Inneren des Wracks befinden?Â
Da der Einsatz menschlicher Taucher in der Tiefe ausgeschlossen ist, erfolgt der Versuch der Bergung laut Kedioglu ausschlieĂlich mit ROVs. Diese seien mit mechanischen Greifarmen ausgestattet. Kann ein ROV in offene Bereiche des Wracks vordringen, wĂŒrde er eine Person mit dem Greifarm fassen und herausziehen können. An engen Stellen oder in geschlossenen Kabinen, die der Roboter wegen seiner beschrĂ€nkten ManövrierfĂ€higkeit nicht erreicht, stoĂe diese Methode jedoch an ihre Grenzen. Ein Anheben des gesamten Schiffswracks zur Bergung der Opfer schlieĂt Kedioglu aus: Das Schiff sei zu schwer, eine Bergung wĂ€re extrem teuer und eine Verankerung in 510 Metern Tiefe sei technisch unmöglich.
