Hohlraum, Mietshaus

Hohlraum unter Mietshaus in Essen: 83 Menschen mĂŒssen raus

22.06.2024 - 13:19:01

Unter dem Fundament eines mehrgeschossigen GebĂ€udes in Essen ist in der NĂ€he eines alten Bergbaustollens ein Hohlraum entdeckt worden. 83 Bewohner mĂŒssen raus - und das mitten in der Nacht.

Wegen eines Bergbauschadens haben in der Nacht 83 Bewohner eines Mietshauses in Essen ihre Wohnungen verlassen. Unterhalb des Hauses sei ein Hohlraum entdeckt worden, die Standsicherheit des GebÀudes sei nicht mehr gewÀhrleistet gewesen, sagte der Sprecher der Feuerwehr Essen, Nico Blum. Der Feuerwehreinsatz begann gegen 22.00 Uhr und endete gegen 3.00 Uhr.

Unter dem mehrgeschossigen GebĂ€ude im Stadtteil Freisenbruch liegt der Zugang zu einem mehr als 100 Jahre alten BelĂŒftungsstollen aus der Bergbauzeit, wie eine Stadtsprecherin erklĂ€rte. Die Bergbaubehörde habe dort in der vergangenen Woche Sondierungsbohrungen vorgenommen. Dabei sei der Hohlraum aufgefallen. Experten der Bauaufsicht hĂ€tten daraufhin nach grĂŒndlicher PrĂŒfung am Freitagabend die RĂ€umung des Hauses angeordnet.

FĂŒr die vielfach Ă€lteren Bewohner des Hauses sei das absolut unerfreulich gewesen, am spĂ€ten Abend ohne Vorwarnung und womöglich fĂŒr lĂ€ngere Zeit ihre Wohnung verlassen zu mĂŒssen, sagte die Sprecherin. Die Evakuierung sei insgesamt ruhig verlaufen, aber einige Bewohner hĂ€tten ihre Wohnungen zunĂ€chst nicht verlassen wollen.

33 Betroffene wurden laut Stadt in einem Hotel untergebracht, das auch fĂŒr GeflĂŒchtete genutzt wird. Einige pflegebedĂŒrftige Bewohner seien vorĂŒbergehend in KrankenhĂ€user gekommen. Die Mehrzahl sei privat bei Freunden und Verwandten untergekommen. Die Feuerwehr geht davon aus, dass die Menschen fĂŒr Wochen nicht in ihre Wohnungen zurĂŒckkehren können.

TagesbrĂŒche keine Seltenheit

Im Ruhrgebiet durchziehen mehrere 1000 Kilometer SchĂ€chte und Stollen die Erde. Immer wieder kommt es dabei zu TagesbrĂŒchen. Das sind BergschĂ€den, die sich an der ErdoberflĂ€che zeigen. In Erinnerung ist manchen etwa das Loch von Bochum-Wattenscheid. Im Jahr 2000 bildete sich damals in einem Wohngebiet ein 500 Quadratmeter großer Krater, zwei Garagen versanken damals darin.

Der aktive Steinkohlenbergbau war in Deutschland 2018 nach ĂŒber 200 Jahren zu Ende gegangen. Auch lange danach bekommt das einstige Betreiberunternehmen RAG weiterhin Tausende Meldungen ĂŒber BergschĂ€den an GebĂ€uden als Folge des Kohleabbaus und der HohlrĂ€ume in großer Tiefe.

BergschĂ€den werden von der RAG finanziell reguliert und von Fachunternehmen repariert. So wurde beispielsweise 2014 im Zuge der Regulierung ein abgesacktes und in Schieflage geratenes GrundschulgebĂ€ude hydraulisch um fast einen Meter angehoben. AnsprĂŒche auf Ersatz des Bergschadens verjĂ€hren innerhalb von drei Jahren nach dem Bekanntwerden.

@ dpa.de