Jugendschutz, Kinder

Warum Kinderfotos nicht ins Internet gehören

16.10.2025 - 05:00:26

Unzensierte Babybilder, KI-Bearbeitung und Erwachsene, die NĂ€he zu Kindern suchen: Warum Experten fordern, Aufnahmen von Kindern im Netz strenger zu schĂŒtzen.

  • Derzeit wird darĂŒber debattiert, das Mindestalter fĂŒr Social Media von 13 auf 16 anzuheben, wie die Bundeszentrale fĂŒr Kinder- und Jugendmedienschutz mitteilt. (Archivbild) - Foto: Niklas Graeber/dpa

    Niklas Graeber/dpa

  • Ob Kinderfotos ins Internet gehören, ist eine vieldiskutierte Frage. (Archivfoto) - Foto: Arne Dedert/dpa

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  • FĂŒr die Ermittlung gegen die Verbreitung von kinderpornografischem Material ist in Deutschland das BKA die Leitstelle. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa

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  •  Einige Influencer teilen nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Kinder mit ihren Followern. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/dpa

    Elisa Schu/dpa

Derzeit wird darĂŒber debattiert, das Mindestalter fĂŒr Social Media von 13 auf 16 anzuheben, wie die Bundeszentrale fĂŒr Kinder- und Jugendmedienschutz mitteilt. (Archivbild) - Foto: Niklas Graeber/dpaOb Kinderfotos ins Internet gehören, ist eine vieldiskutierte Frage. (Archivfoto) - Foto: Arne Dedert/dpaFĂŒr die Ermittlung gegen die Verbreitung von kinderpornografischem Material ist in Deutschland das BKA die Leitstelle. (Archivbild) - Foto: Arne Dedert/dpa Einige Influencer teilen nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Kinder mit ihren Followern. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/dpa

Wer möchte, kann der neuen Generation live beim Aufwachsen zusehen. Im Internet teilen viele ihr gesamtes Leben - und damit auch das ihrer Kinder. Ob Posts frisch nach der Geburt, Videoclips der ersten Schritte oder andere entscheidende Momente: Ist das problematisch? 

Gerade erst in der vergangenen Woche sorgt die US-Streamerin «Fandy» fĂŒr Schlagzeilen, als sie die Geburt ihres Babys live mit ihren Followern teilt. Die ersten Sekunden des noch jungen Lebens prĂ€sentiert sie wie selbstverstĂ€ndlich ihren zigtausenden Zuschauern. Es gebe bereits eine Menge dokumentierte Geburten, rechtfertigt sich die zweifache Mutter. Es bestĂŒnde kein Unterschied zu diesen, nur weil die ihres Kindes live ĂŒbertragen wurde.

Auch in Deutschland ist das Thema lĂ€ngst prĂ€sent. Zu Beginn des Jahres etwa steht die Influencerin «Lala» in der Kritik, weil sie ihr Baby in ihren Videos nicht zensiert. Es sei an den Eltern abzuwĂ€gen, ob man seine Kinder zeige oder nicht, Ă€ußert sich die junge Mutter damals. «FĂŒrs Kind wĂ€re es am besten, nicht gezeigt zu werden», schreibt hingegen eine Userin dazu.

Vom Urlaubsbild ins Darknet

Obwohl das Bewusstsein fĂŒr mögliche Gefahren bei einigen Eltern steigt und sie ihre Kinder online zensieren, scheinen andere den Nachwuchs unbedingt mit der Welt teilen zu wollen. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur empfiehlt der promovierte Kinder- und Jugendpsychiater Daniel Illy in diesem Zusammenhang den Vergleich mit klassischen Fotoalben. Beim Teilen online sollten sich Eltern die Frage stellen: «Wem hĂ€tte ich dieses Fotoalbum vorgelegt?»

«Kinderbilder gehören nicht ins Netz», rĂ€t auch das Bundeskriminalamt (BKA). Als Zentralstelle der Polizei ist es auch fĂŒr die BekĂ€mpfung von sexuellem Missbrauch an Kindern zustĂ€ndig. Mehr als 200.000 Hinweise auf kinderpornografisches Material gingen der Behörde zufolge vergangenes Jahr bei ihr ein. Darunter fallen demnach auch scheinbar harmlose Bilder, die mit KĂŒnstlicher Intelligenz so umgestaltet werden, «dass sie leicht bekleidete oder gar nackte Kinder abbilden.»

Im Darknet werden solche Medien dann von pÀdokriminellen TÀtern verbreitet, sexualisiert oder in einen sexuellen Kontext gestellt. Die Bundesregierung erklÀrt, «dass solches Material im Umlauf ist und dass die Menge des Materials grundsÀtzlich ansteigt.»

Man macht es PÀdophilen schwer und StraftÀtern leicht

Familien-Blogger teilen neben den großen Momenten auch den Alltag ihres Nachwuchses. «Sharenting» nennt sich das - eine Symbiose aus den englischen Begriffen fĂŒr Erziehung und dem Teilen auf sozialen Medien. 

Doch die stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit solcher Inhalte im Internet stellt eine erhebliche Herausforderung etwa fĂŒr die PrĂ€ventionstherapie von PĂ€dophilen dar. Das teilt ein Sprecher von «Kein TĂ€ter werden» auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Das PrĂ€ventionsnetzwerk unterstĂŒtzt pĂ€dophile Menschen, damit diese gar nicht erst straffĂ€llig werden.

In Deutschland fĂŒhlen sich SchĂ€tzungen zufolge bis zu ein Prozent der mĂ€nnlichen Bevölkerung zu Kindern hingezogen. Die meisten von ihnen bemĂŒhen sich nach Angaben des Netzwerks jedoch darum, unerkannt zu bleiben und ihre Vorlieben zu unterdrĂŒcken. Doch Kinder-Posts können demnach «ein GefĂŒhl der NormalitĂ€t schaffen» und so die Motivation zur VerhaltensĂ€nderung, die in Therapien angestrebt wird, untergraben. Auch die AnonymitĂ€t im Netz senke die Hemmschwelle fĂŒr den Konsum der BeitrĂ€ge.

Wenn Kinder sich selbst posten

Neben Eltern, die BeitrĂ€ge teilen, gibt es allerdings auch Kinder und Jugendliche, die sich selbst im Netz prĂ€sentieren. Obwohl das Mindestalter bei den meisten Plattformen derzeit bei 13 Jahren liegt, sind viele Kinder-Influencer noch jĂŒnger.

Vor einigen Jahren berichtet ein damals 11-jÀhriges MÀdchen, das seinerzeit als Model-Influencerin online bekannt ist, wie ein Mann sich in den Account ihrer besten Freundin gehackt und sie angeschrieben habe. Er sei sexuell erregt und sie solle ihm Bilder schicken, hat er ihr zufolge gefordert. Heute findet man ihr Profil nicht mehr. 

Dieses Verhalten nennt man Cyber-Grooming - eine Anbahnung von sexuellem Kontakt mit MinderjĂ€hrigen im Internet. Diese Straftat kann mit Freiheitsstrafen von bis zu fĂŒnf Jahren geahndet werden. Erwachsene versuchen dabei, Kinder und Jugendliche in private Chats zu locken, setzen sie unter Druck und fordern intime Bilder.

Kinder- und Jugendpsychotherapeut Illy hĂ€lt nichts davon, dass jĂŒngere Kinder ein Tiktok-Profil haben. «WofĂŒr?» Insbesondere beim Posten von Babys stelle er sich die Frage: «Was bringt es dem Baby, dass es auf dem Foto im Internet ist?» Eigentlich ginge es dabei nur um die Eltern. «Das hat auf einem öffentlich zugĂ€nglichen Profil nichts zu suchen.»

Ob man Kinder mit Bildbearbeitung unkenntlich machen oder Fotos von ihnen nur von hinten schießen sollte - das sind Fragen, auf die die Gesellschaft noch Antworten finden mĂŒsse, so Illy. Das Thema sei noch recht jung, sodass es bislang keine allgemeingĂŒltigen Normen gebe.

@ dpa.de