Vater-Kind-Zeltlager endet mit Tragödie
25.06.2023 - 15:27:28Es sollte ein unbeschwertes Wochenende von VĂ€tern mit ihren Kindern werden, doch eine als SpaĂ gedachte Aktion endete mit einem verheerenden Unfall: Bei einer Ausfahrt mit einem Radlader sind im niedersĂ€chsischen Toppenstedt sĂŒdlich von Hamburg ein fĂŒnfjĂ€hriger Junge und ein 39 Jahre alter Mann tödlich verunglĂŒckt. Zehn weitere Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren wurden am Samstag verletzt, einige von ihnen schwer. Alle waren Teilnehmer eines Zeltlagers, das VĂ€ter als gemeinsame AktivitĂ€t mit ihren Kindern privat organisiert hatten.
Nach den bisherigen Ermittlungen hatte ein 44-jĂ€hriger Teilnehmer des Zeltlagers am frĂŒhen Abend mehrere Kinder und einen Erwachsenen in einen Transportkorb an der Frontgabel eines Radladers eingeladen. Die Aktion sollte «zur Belustigung» dienen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. WĂ€hrend der Fahrt auf einem nahen Feldweg löste sich plötzlich die Gitterbox aus Metall, sodass die Insassen aus rund drei Metern Höhe nach vorn stĂŒrzten. Vermutlich seien sie zum Teil von dem herabfallenden Metallkorb getroffen worden, hieĂ es von der Polizei.
«Das ist immer die Horrorvorstellung, wenn Kinder betroffen sind», sagte der Feuerwehrsprecher wenige Stunden nach dem UnglĂŒck, wĂ€hrend die Sonne hinter den Feldern unterging. «Hier haben sich schon schreckliche Szenen abgespielt. Eltern mussten daran gehindert werden, zur Unfallstelle zu laufen.»
Vier Kinder mit Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen
Einige VĂ€ter hĂ€tten noch versucht, den verunglĂŒckten FĂŒnfjĂ€hrigen wiederzubeleben, sagte Timo Gebhardt, Ortsbrandmeister von Toppenstedt, am Sonntag. Sie hĂ€tten vorbildlich als Ersthelfer gehandelt und auch die anderen Kinder in Sicherheit gebracht. Gebhardt war selbst kurz nach dem Unfall am frĂŒhen Samstagabend am UnglĂŒcksort. Das Kind sei noch am Unfallort gestorben, sagte er.
Die Polizei beschlagnahmte den Radlader nach dem Unfall fĂŒr Untersuchungen. Gegen den 44-jĂ€hrigen Fahrer wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlĂ€ssigen Tötung eingeleitet. Er wurde zu einer Polizeidienststelle mitgenommen, und es wurde «routinemĂ€Ăig» untersucht, ob er Alkohol oder Drogen im Blut hatte. Die AufklĂ€rung des Unfalls wird laut Polizei einige Zeit in Anspruch nehmen.
Vier der verletzten Kinder mussten mit Hubschraubern ins Krankenhaus geflogen werden. Zu ihrem gesundheitlichen Zustand konnte die Polizei am Sonntag zunĂ€chst keine Angaben machen. Es war auch nicht bekannt, ob Kinder in Lebensgefahr schwebten. Laut einem Bericht des «Hamburger Abendblattes» erlitten die Schwerverletzten unter anderem KnochenbrĂŒche.
Zeltlager wurde abgebrochen
Der Einsatz sei fĂŒr die RettungskrĂ€fte einer der schwierigsten ĂŒberhaupt gewesen, sagte ein Notfallseelsorger. Wenn Kinder zu Schaden kommen, sei dies emotional generell immer sehr belastend fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte - viele von ihnen seien auch selbst Eltern. «Es zehrt sehr, was man erlebt», sagte der Seelsorger. Insgesamt waren rund 80 Feuerwehrleute, 60 RettungskrĂ€fte und 30 Polizisten bis in die Nacht im Einsatz. An dem Zeltlager hatten laut Feuerwehr 60 Personen teilgenommen, es handelte sich um VĂ€ter mit ihren Kindern.
Das Zeltlager wurde nach dem verheerenden Unfall abgebrochen, am Sonntag wurden die letzten Zelte auf der groĂen Wiese in der NĂ€he einer KindertagesstĂ€tte und eines Sportplatzes abgebaut. Toppenstedt hat gut 2000 Einwohner und liegt rund 35 Kilometer sĂŒdlich von Hamburg in der nördlichen LĂŒneburger Heide.
Festgottesdienst zum SchĂŒtzenfest umgeplant
Im Nachbarort Garstedt wurde nach dem schrecklichen Unfall der Festgottesdienst zum SchĂŒtzenfest umgeplant. Eine AuffĂŒhrung mit Kindern wurde gestrichen, das Programm des Frauenchors umgestellt. «Wir sind alle sehr betroffen», sagte eine 17-JĂ€hrige am Sonntag. Sie hatte noch am Tag zuvor mit Kindern geprobt.
«Wir fĂŒhlen alle mit den Betroffenen und EinsatzkrĂ€ften», betonte Pastorin Wiebke Alex in dem Festgottesdienst. «Es ist fĂŒr viele Menschen ein tieftrauriger Morgen.» Die Pastorin weinte beim Gebet und zĂŒndete Kerzen fĂŒr die Toten an.
FĂŒr die Unfallopfer wurden am Sonntag Blumen und Trauerkerzen vor der Gemeindeverwaltung von Toppenstedt abgelegt.







