Tiger, Besuch

Tiger im OP: Besuch in Thailands erstem Wildtier-Krankenhaus

08.03.2025 - 07:22:44

Verletzte Affen, Tiger mit Zahnschmerzen und Schlangen mit Verstopfung: Thailands erste Wildtierklinik wurde vor 20 Jahren von einem NiederlĂ€nder gegrĂŒndet. Viele Patienten haben Schreckliches erlebt.

  • WFFT-GrĂŒnder Edwin Wiek besucht einen der Patienten im Wildlife Hospital. Der Affe hatte einen Stromschlag erlitten. - Foto: Carola Frentzen/dpa

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  • Ein Leopard wird in der Klinik behandelt.  - Foto: WFFT/dpa

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WFFT-GrĂŒnder Edwin Wiek besucht einen der Patienten im Wildlife Hospital. Der Affe hatte einen Stromschlag erlitten. - Foto: Carola Frentzen/dpaEin Leopard wird in der Klinik behandelt.  - Foto: WFFT/dpa

Lantao ist auf dem Weg der Besserung. Das kleine Langschwanzmakak-MÀdchen hatte einen offenen Bruch am rechten Arm und war schwer traumatisiert, als es auf der thailÀndischen Insel Koh Lanta gefunden wurde. Auf einem Auge ist das Affenbaby schon lÀnger blind, auch war es anfangs schwer unterernÀhrt.

Aber Lantao hatte GlĂŒck im UnglĂŒck: Helfer brachten sie ins Wildlife Hospital der Organisation WFFT (Wildlife Friends Foundation Thailand) in der Provinz Phetchaburi, gut zwei Autostunden sĂŒdlich von Bangkok.

Was dem Affenkind passiert ist, wird wohl nie ganz geklĂ€rt werden. «Wir können nur vermuten, dass Lantao angegriffen wurde – möglicherweise von Hunden oder anderen Makaken», sagt TierĂ€rztin Dr. Kwan.

Als die Klinik im MÀrz 2005 ihre Pforten öffnete, war sie die erste Einrichtung dieser Art in Thailand - und ist auch 20 Jahre spÀter noch eine der ganz wenigen und bei weitem die angesehenste und bekannteste. Wenn ein verletztes Wildtier gefunden wird, gilt WFFT meist als erster Ansprechpartner.

Gibbons und Pangoline als Patienten

Die Palette der Patienten reicht von Tigern und Leoparden ĂŒber Sambarhirsche, SonnenbĂ€ren, Pangoline, Gibbons, Otter, Helmkasuare und Krokodile bis hin zu bunten Nashornvögeln. FĂŒr die Elefanten gibt es seit 2015 ein eigenes, angegliedertes Krankenhaus.

WFFT wurde 2001 vom NiederlĂ€nder Edwin Wiek gegrĂŒndet. In Thailand ist der Mann eine Art Legende und gilt als furchtloser TierschĂŒtzer, der ĂŒber die Jahre allen WiderstĂ€nden unbeugsam getrotzt hat. Über seinen ungewöhnlichen Lebensweg wurde bereits ein Buch geschrieben («A Wild Life - The Edwin Wiek Story»).

In riesigen Gehegen beherbergt seine NGO unzĂ€hlige Spezies, die hier die Chance auf ein zweites Leben bekommen. Die meisten wurden fĂŒr die Tourismusindustrie ausgebeutet, in illegalen Zuchtbetrieben als GebĂ€rmaschinen missbraucht oder als Haustiere in zumeist winzigen KĂ€figen gehalten. Viele sind krank oder geschwĂ€cht oder haben offene Wunden, wenn sie hier ankommen - deshalb wurde schon wenige Jahre nach der GrĂŒndung der Stiftung ein Krankenhaus gebaut, ausgerĂŒstet mit Röntgenraum und voll ausgestattetem OP.

Wiek selbst muss oft jahrelang mit Behörden und Besitzern verhandeln, um die hilflosen Tiere aus ihren schrecklichen LebensumstĂ€nden zu befreien. So wie 2016 den SĂŒdlichen Schweinsaffen Joe, dessen Mutter 1988 von Wilderern getötet wurde. «Ich habe viel Tierleid gesehen, aber was Joe erlebt hat, gehört zum Schrecklichsten, was mir untergekommen ist», erzĂ€hlt der 59-JĂ€hrige.

Joe wurde zwischen zwei HĂ€usern in einen winzigen KĂ€fig gesperrt und siechte dort 25 Jahre zwischen MĂŒll und Exkrementen dahin. Wiek spricht von einem «Höllenloch». Außer von Ratten habe Joe kaum Besuch bekommen - fĂŒr soziale Tiere wie Affen ist das kaum zu ertragen. «Ich musste immerzu daran denken, was ich alles erlebt habe in diesen 25 Jahren - und Joe hat immer nur in diesem KĂ€fig gehockt.»

Wiek lebt seit Ende der 1980er Jahre in seiner Wahlheimat Thailand und spricht die Sprache perfekt. Das hilft enorm bei den komplizierten Befreiungsaktionen - und auch dabei VerĂ€nderungen in einem Land voranzutreiben, in dem Tiere oft mehr als Einnahmequelle und weniger als fĂŒhlende Wesen behandelt werden: Wiek ist der einzige AuslĂ€nder, der die Regierung in Tierschutzfragen beraten darf.

Tiger-Kuscheln als Touristenattraktion

Als wĂ€hrend der Corona-Pandemie der Phuket Zoo seine Pforten schließen musste, rettete WFFT elf Tiger sowie einen Asiatischen SchwarzbĂ€ren und einen SonnenbĂ€ren aus viel zu kleinen BetonkĂ€figen. Die Aktion machte landesweit Schlagzeilen. 2023 nahm WFFT zwölf Tiger und drei Leoparden von einer illegalen Zuchtfarm auf. Mit unter Drogen gesetzten Tigern zu kuscheln, ist eine beliebte Touristenattraktion in Thailand.

«Wir gehen davon aus, dass die meisten der Tiger in ihrem neuen Zuhause zum allerersten Mal Gras unter ihren Pfoten und Sonnenlicht auf ihrem Fell gespĂŒrt haben», erzĂ€hlt eine WFFT-Mitarbeiterin. Ähnlich geht es vielen Tieren, die sich erstmals frei bewegen dĂŒrfen - allen voran die fast zwei Dutzend Elefanten, die derzeit betreut werden.

Fast alle wurden von ihren Mahouts (ElefantenfĂŒhrer) geschlagen, gezĂŒchtigt und mit Metallhaken gefoltert, um widerstandslos auf ihrem RĂŒcken Touristen zu transportieren. Eine von WFFT gerettete Elefantenkuh hat wegen der jahrelangen Gewalt einen deutlich sichtbaren Abszess am Bein, der im Wildlife Hospital regelmĂ€ĂŸig behandelt wird.

FĂŒr Besucher betreibt die Organisation die «I Love Phants»-Lodge, inklusive herrlicher Ausblicke auf die Landschaft und Pool mit Blick auf Elefanten. In der NĂ€he schwingen sich Gibbons durch die BĂ€ume. Außer den vielen geretteten Straßenhunden und Katzen dĂŒrfen Touristen den anderen Tieren aber nicht zu nah kommen - diese sollen so wild wie nur irgend möglich leben.

Dr. Kwan und ihre Kollegen stehen derweil jeden Tag vor neuen Herausforderungen. So war Helmkasuar Bernie, der wahrscheinlich aus Papua-Neuguinea ins Land geschmuggelt wurde, bei seiner Einlieferung schwer am Kopf verletzt. Heute geht es dem Laufvogel mit leuchtend blau-roten Hals gut, auch wenn er weiter Spezialbetreuung braucht.

Python mit Verstopfung

Ob Tiger mit Zahnschmerzen, Kaiserschnitte bei hochschwangeren Gibbons, Kastrations-OP's bei BÀrenmakaken oder Affen, die beim Klettern StromschlÀge erlitten haben - im Wildlife Hospital werden sie alle behandelt. «Zuletzt hatten wir sogar eine Python mit Verstopfung, der wir helfen konnten», erzÀhlt Dr. Kwan. Auch Amputationen schwer verletzter Körperteile gehören traurigerweise zum Alltag.

Bald steht ein Umzug bevor: Nicht weit von der Klinik baut WFFT gerade ein neues, deutlich grĂ¶ĂŸeres Wildlife Hospital fĂŒr Thailands Tiere. Wenn es im Mai öffnet, werden auch hochmoderne chirurgische Eingriffe etwa mittels Endoskopie möglich sein. Das kann in Zukunft auch Patienten mit komplizierten Verletzungen helfen - wie der kleinen Lantao.

@ dpa.de