Umfrage, Corona-Sorgen

Umfrage: Kaum Corona-Sorgen im Advent

10.12.2023 - 16:13:36

Viele husten und niesen gerade, und auch Corona-Ansteckungen nehmen wieder zu. Gibt es da vorweihnachtliches Unbehagen bei GlĂŒhwein und GedrĂ€ngel in den Einkaufsstraßen?

WeihnachtsmĂ€rkte, Betriebsfeiern, Familientreffen: Die Adventszeit ist da - nun erstmals wieder ohne Corona-Schutzvorgaben. Und BefĂŒrchtungen vor Infektionen spielen laut einer Umfrage bei den meisten Menschen auch keine grĂ¶ĂŸere Rolle mehr.

Fast zwei Drittel machen sich tendenziell keine Sorgen vor einer Ansteckung im Advent oder zu Weihnachten, wie die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Deshalb gar nicht in Sorge sind 36 Prozent, eher nicht 28 Prozent. Sehr besorgt sind 6 Prozent, etwas 24 Prozent. Gesundheitsminister Karl Lauterbach rief angesichts vieler neuer Infektionen aber erneut zur Vorsicht auf.

Lauterbach rÀt zu Impfung - «am besten gegen Grippe und Corona gleichzeitig»

«Corona bleibt gefĂ€hrlich. Es ist keine ErkĂ€ltung, die man sich bedenkenlos jede Saison einfangen kann», sagte der SPD-Politiker der «Bild am Sonntag». Vielmehr befalle Corona oft auch die BlutgefĂ€ĂŸe oder schwĂ€che das Immunsystem und lasse sich daher viel zu hĂ€ufig nicht komplett auskurieren. Lauterbach hatte kĂŒrzlich schon deutlich gemacht, dass sich aus Berechnungen unter anderem nach Daten des Abwassermonitorings aktuell eine große Corona-Welle erkennen lĂ€sst.

«Wer Krankheit unterm Weihnachtsbaum so gut es geht vermeiden will, sollte sich möglichst in den nĂ€chsten Tagen schnell noch impfen lassen - am besten gegen Grippe und Corona gleichzeitig», sagte Lauterbach. Die StĂ€ndige Impfkommission empfiehlt Corona-Impfungen fĂŒr Menschen ab 60 Jahren und mit Risikofaktoren wie chronischen Erkrankungen. Der Minister riet zudem, «lieber noch mal Maske in Bus und Bahn» zu tragen. Wenn es gehe, sollte man «lieber im Homeoffice bleiben, als die BĂŒrogesellschaft zu genießen». Kurz vor Weihnachten sollte man «am besten auf große Feiern in InnenrĂ€umen verzichten».

Mehrheit eher sorglos

Auflagen zu Masken, Tests und QuarantĂ€ne wie noch im Winter 2022 gibt es nun nicht. Gewisse Vorsicht halten laut der Umfrage aber manche fĂŒr angebracht. Vor Familienfeiern bei ErkĂ€ltungssymptomen lieber einen Schnelltest zu machen, befĂŒrworten 42 Prozent. Dabei stimmten 18 Prozent voll und ganz zu, es zu machen, und weitere 24 Prozent stimmten dem eher zu. Ablehnend Ă€ußerten sich dagegen 48 Prozent. Befragt wurden vom 4. bis 6. Dezember 2081 Menschen ab 18 Jahren.

WeihnachtsmĂ€rkte mit vielen Besuchern vorsorglich lieber zu meiden, sagte demnach gut ein Drittel der Befragten von sich selbst - 15 Prozent stimmten voll und ganz zu, weitere 21 Prozent stimmten eher zu. Wenig oder nichts davon halten 58 Prozent. Lieber mit Maske zum Geschenkekaufen in volle GeschĂ€fte zu gehen, befĂŒrworteten nach eigenem Bekunden 8 Prozent voll und ganz, weitere 15 Prozent Ă€ußerten sich eher zustimmend. Tendenziell ablehnend Ă€ußerten sich 69 Prozent.

Lauterbach: «Gefahr wird unterschÀtzt»

Dass die Stimmung gerade optimistischer zu sein scheint als die Lage, hatte Lauterbach schon anklingen lassen. «Im Moment wird die Gefahr, die von Covid ausgeht, tatsĂ€chlich unterschĂ€tzt», sagte er nach einem Fachtreffen zu Long-Covid-BeeintrĂ€chtigungen. Nach seinen Angaben dĂŒrfte die Inzidenz derzeit bei etwa 1700 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen liegen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) hat dieses hohe Niveau wegen der grĂ¶ĂŸeren ImmunitĂ€t durch Impfungen und Infektionen nun aber eine andere Bedeutung als in der Pandemie. In den Intensivstationen spiegele sich dies vorerst auch nicht wider.

Bei den Impfungen wird seit dem Herbst ein auf die Omikron-Sublinie XBB.1.5 angepasstes PrĂ€parat angeboten, das besser gegen kursierende Varianten schĂŒtzen soll. Lauterbach hatte sich zuletzt enttĂ€uscht gezeigt, dass dies bisher nur drei Millionen Menschen wahrgenommen hĂ€tten - allein mehr als 20 Millionen Menschen sind 60 oder Ă€lter.

«Wir haben gerade eine heftige Infektionswelle. Nicht nur Corona, sondern auch andere Viren sind aktuell sehr im Umlauf. Die Leute werden zum Teil richtig krank», sagte auch der rheinland-pfĂ€lzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) der dpa. Eine FFP2-Maske etwa in Bahnen oder im Supermarkt zu tragen, sei da ein sehr vernĂŒnftiges Verhalten. Lauterbach empfahl, auch bei Besuchen bei Menschen aus Risikogruppen im Zweifel Maske zu tragen oder sich zu testen. «Eine vermiedene Infektion ist wie ein zusĂ€tzliches Weihnachtsgeschenk.»

@ dpa.de