Expertin, Robben-Todesserie

Expertin: Robben-Todesserie seit Reusen-Entfernung vorbei

14.11.2024 - 12:05:45

Viele tote Robben in kurzer Zeit in Vorpommern geben Experten RĂ€tsel auf. Zuletzt hat sich die Serie nicht fortgesetzt. FĂŒr eine Expertin ist das ein Hinweis auf die mögliche Todesursache.

Die Todesserie bei Kegelrobben in Vorpommern hat sich nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund nach der Entfernung einer Fischerreuse zuletzt nicht mehr fortgesetzt. Nach vielen FĂ€llen in kurzer Zeit seien Ende Oktober die letzten zwei Totfunde im SĂŒdosten RĂŒgens aufgetreten, sagte die Kuratorin fĂŒr MeeressĂ€ugetiere, Judith Denker, der Deutschen Presse-Agentur. Kurz zuvor sei dort eine Reuse aus dem Wasser genommen worden, die als mögliche Todesursache in Verdacht gestanden habe. Insgesamt waren im Oktober laut Denkinger 44 tote Kegelrobben in Vorpommern festgestellt worden. Im ganzen zurĂŒckliegenden Jahr seien es hingegen 43 gewesen - an der gesamten KĂŒste von Mecklenburg-Vorpommern.

Denkinger hatte schon zuvor Ertrinken etwa in Netzen als mögliche Todesursache ins Spiel gebracht. Auf mögliches Ertrinken hatten ihrer Aussage nach nicht nur die Ergebnisse von Obduktionen, sondern zuletzt auch Analysen von Gewebeproben hingewiesen.

Anzeigen wegen Totfunden

Die Reuse vor der sĂŒdöstlichen KĂŒste RĂŒgens habe keinen speziellen Schutz gegen das Einschwimmen von Robben gehabt. Dieser sei dort aber auch nicht vorgeschrieben, anders als im Greifswalder Bodden.

Das zustÀndige Landesamt hatte sich in der Vergangenheit skeptisch in Bezug auf Reusen als mögliche Todesursache gezeigt. Der Schweriner Umweltschutzminister Till Backhaus (SPD) hatte Ende Oktober erklÀrt, die Untersuchung einer fraglichen Reuse auch mit Unterwasserkameras sei ohne Ergebnis geblieben.

Im Zusammenhang mit den gehĂ€uften Totfunden hatten das Deutsche Meeresmuseum Stralsund und das BiosphĂ€renreservat SĂŒdost-RĂŒgen Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut NDR sind dies nicht die einzigen Anzeigen.

Amts-Direktor: keine Spuren an Reuse

Der Direktor des Landesamtes fĂŒr Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (Lallf), Stephan Goltermann, sagte, der Fischer habe die entsprechende Reuse bei Thiessow abgebaut, möglicherweise wegen des öffentlichen Drucks. Experten des Lallf hĂ€tten die Reuse begutachtet, sowohl im Wasser als auch außerhalb. «An der Reuse sieht man gar nichts», sagte Goltermann. Seiner Meinung nach hĂ€tte man Spuren sehen mĂŒssen, wenn Robben darin um ihr Überleben gekĂ€mpft hĂ€tten. Aus seiner Sicht sei ein Zufall möglich - trotz der rĂ€umlichen NĂ€he der Reuse zu den Fundorten der toten Tiere und dem Ende der Fundserie nach der Entfernung der Vorrichtung.

Die LandesgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Bundes fĂŒr Umwelt und Naturschutz Deutschland, Corinna Cwielag, zweifelt hingegen an Zufall. Sie verwies zudem auf Untersuchungen, bei denen ihrer Aussage nach auch Ă€ußerliche Spuren an Tieren entdeckt worden seien, die fĂŒr ein Ertrinken in einer Reuse sprĂ€chen. Der BUND will mit einer Petition Druck auf die Landesregierung ausĂŒben, bei der AufklĂ€rung alle Register zu ziehen und etwa auch DNA-Analysen durchzufĂŒhren. 

Dem Vernehmen nach will die Staatsanwaltschaft Stralsund demnĂ€chst ĂŒber den Stand der Ermittlungen informieren. Sie war am Donnerstag nicht zu erreichen. Auch eine Anfrage beim Schweriner Umweltministerium blieb am Donnerstag bis zum frĂŒhen Abend unbeantwortet.

@ dpa.de