«Elli» bringt Wintersturm nach Deutschland
09.01.2026 - 14:30:14Wintersturm «Elli» hat in Deutschland fĂŒr Verkehrsbehinderungen und leere Klassenzimmer gesorgt â und viele Menschen zum Schneeschippen vor die TĂŒr getrieben. «Kaum bist du fertig, geht es wieder los», sagt Götz Harbart, ein Anwohner aus Laatzen bei Hannover, beim morgendlichen Schneeschaufeln vor seinem Haus. «Das wird ein langer Tag.»
Viele Schienenverbindungen und StraĂen waren von Regen, Schnee und Glatteis betroffen, es gab zahlreiche UnfĂ€lle. In der Mitte Deutschlands blieben etliche Lkw im Schnee stecken und blockierten Autobahnen. Bis zum Abend erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD) weiter teils krĂ€ftige SchneefĂ€lle und schwierige VerkehrsverhĂ€ltnisse. FĂŒr Samstag gab es eine erste Spielabsage in der FuĂball-Bundesliga: Die geplante Partie des FC St. Pauli gegen RB Leipzig kann nach starkem Schneefall nicht stattfinden.
Deutsche Bahn stoppte Fernverkehr im Norden
Am Freitagmorgen stellte die Deutsche Bahn den gesamten Schienenverkehr im GroĂraum Hannover ein. «Damit ist eines unserer wichtigsten Drehkreuze betroffen und der Fernverkehr im Norden Deutschlands nicht mehr möglich», teilte die Bahn mit. Der Betriebsstopp sei nötig, um FahrgĂ€ste, Mitarbeiter und Fahrzeuge zu schĂŒtzen.
FahrgÀste mussten sich bis auf weiteres auf erhebliche BeeintrÀchtigungen im Fern- und Regionalverkehr der Bahn im Norden Deutschlands einstellen. Wie lange die EinschrÀnkungen andauern, war zunÀchst unklar. Die Lage sei sehr dynamisch, eine seriöse Prognose nicht möglich, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.
Die Bahn geht davon aus, dass bis Samstag bundesweit VerspĂ€tungen und ZugausfĂ€lle im Fernverkehr möglich sind. Reisenden wird empfohlen, Verbindungen vorher zu prĂŒfen oder Reisen nach Möglichkeit zu verschieben. Der Konzern hat die Zugbindung fĂŒr bereits gekaufte Tickets fĂŒr Reisen zwischen dem 8. und dem 11. Januar aufgehoben. Diese Fahrkarten behalten auch in den Tagen danach ihre GĂŒltigkeit und sind flexibel nutzbar.
Winterwetter sorgte fĂŒr leere Klassenzimmer
Statt im Klassenzimmer lernten viele Kinder und Jugendliche am Freitag zu Hause. In Hamburg, Niedersachsen, Bremen und in Teilen Schleswig-Holsteins fiel der regulĂ€re Schulbetrieb flĂ€chendeckend aus. Nach Angaben der zustĂ€ndigen Behörden gab es teilweise Distanzunterricht und Notbetreuung fĂŒr jĂŒngere Kinder. Grund fĂŒr die SchlieĂung war meist, dass die Schulbusse nicht fuhren und eine sichere Anreise nicht gewĂ€hrleistet werden konnte.
Auch in Regionen in Bayern, ThĂŒringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin fiel teils der PrĂ€senzunterricht aus oder Eltern konnten ihre Kinder vom Unterricht entschuldigen. Mancherorts waren auch Kitas und KindergĂ€rten betroffen.
Einige StÀdte und Gemeinden sperrten wegen der hohen Schneelast auf den DÀchern ihre Sporthallen, etwa in Niedersachsen und in Berlin. Auch der Berliner Zoo und der Tierpark blieben geschlossen. «Die Sicherheit der Tiere und GÀste hat oberste PrioritÀt», sagte eine Sprecherin. Auch in Chemnitz blieben der Tierpark sowie das Wildgatter Oberrabenstein zu.
Glatte StraĂen und tödliche UnfĂ€lle
Von den Folgen des Winterwetters sind bundesweit auch viele StraĂen und weitere Schienenverbindungen betroffen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor spiegelglatten und verschneiten StraĂen in vielen Regionen. In etlichen StĂ€dten wurde der Busverkehr vorsichtshalber eingestellt.Â
In Bayern kam es zu zwei tödlichen UnfĂ€llen: Bei einem FrontalzusammenstoĂ zweier Autos in Niederbayern starben zwei Menschen. Wie ein Polizeisprecher sagte, war eines der Autos ins Schleudern geraten - vermutlich wegen des Winterwetters. In der Oberpfalz kam ein Autofahrer ums Leben, als sein Wagen von der StraĂe abkam und gegen einen Baum prallte.
Auch rund um Hannover kam es in der Nacht und am frĂŒhen Morgen wetterbedingt zu einigen UnfĂ€llen. Bei Calw in Baden-WĂŒrttemberg rutschte ein Linienbus einen Hang hinunter, dabei verletzten sich laut der örtlichen Polizei drei Menschen leicht.
Erhebliche Behinderungen gibt es auf mehreren Autobahnen: In Osthessen waren laut PolizeiprÀsidium drei Autobahnen in beide Richtungen blockiert, die A7, die A4 und die A5. Grund waren nach Angaben eines Sprechers festgefahrene und querstehende Lastwagen. «Das Problem ist der Schwerlastverkehr», sagte der Sprecher am Freitagmorgen. Lkw-Fahrer wurden aufgefordert, die Autobahnen zu verlassen und RastplÀtze anzufahren.
FĂ€hrverkehr an NordseekĂŒste weitgehend eingestellt
Der FĂ€hrverkehr an der niedersĂ€chsischen NordseekĂŒste kam weitgehend zum Stillstand. Mehrere Inseln waren bis zum Mittag nicht per Schiff erreichbar - darunter Langeoog, Spiekeroog, Norderney und Wangerooge.
Am Flughafen Hannover kam es wegen des starken Schneefalls durch das Sturmtief «Elli» zu FlugausfĂ€llen. Indes lief der Flugbetrieb am gröĂten deutschen Flughafen in Frankfurt zunĂ€chst stabil. Die Wetterlage werde im Tagesverlauf weiter sorgfĂ€ltig beobachtet, vor allem mit Blick auf den Wind, sagte eine Sprecherin. Auch am MĂŒnchner Flughafen lief der Flugverkehr weitestgehend planmĂ€Ăig.
Das Sturmtief bremste bei VW nun auch in Wolfsburg die Produktion: Weil wegen verschneiter StraĂen nicht genug Teile von den Zulieferern ankommen, wurde im Stammwerk eine der drei geplanten SpĂ€tschichten abgesagt. In Emden hatte VW die Produktion bereits vorsorglich fĂŒr Freitag gestoppt.
Wie geht es mit Sturmtief «Elli» weiter?
Ăber die Auswirkungen des Sturmtiefs hatte DWD-Meteorologe David Menzel am Morgen gesagt: «Ich wĂŒrde es nicht als ein Jahrhundert-Event einordnen. Das ist es auf gar keinen Fall. Es ist ein winterlicher Sturm und - wenn man das groĂe Ganze betrachtet - nichts sonderlich AuĂergewöhnliches.»
Am Wochenende soll sich Sturmtief «Elli» langsam auflösen. Am Samstag schneit es - diesmal eher im SĂŒden als im Norden. Vor allem in den Staulagen der Mittelgebirge und im AllgĂ€u schneit es laut DWD dann teils heftig, mehr als 30 Zentimeter Neuschnee sind drin. Auch in tieferen Lagen können zehn Zentimeter zusammenkommen.
«Im Norden und Osten kehrt, abgesehen von vereinzelten Schneeschauern, Ruhe ein», so der Meteorologe. Positive Temperaturen werden nur noch sĂŒdlich des Mains gemessen, aber auch dort fallen die Temperaturen im Tagesverlauf in den Frostbereich. «In der Nacht wird es knackig kalt.» Wo Schnee liegt, rechnet der DWD mit minus zehn Grad. Am Sonntag erwartet der Wetterdienst «einen Wintertag wie aus dem Bilderbuch».
Doch am Montag droht schon neuer Ărger. «Zum Start in die neue Woche droht dann aus Westen neues Ungemach in Form von gefrierendem Regen», sagt der DWD voraus. «Im Anschluss deutet sich dann eine Milderung an, wobei abgewartet werden muss, wie weit diese nach Nordosten vorankommt.»

















