Bootsunfall, Gardasee

Bootsunfall auf Gardasee - Gericht bestÀtigt Haftstrafen

19.01.2024 - 15:21:02

Vor zweieinhalb Jahren fahren zwei Deutsche mit einem Luxus-Motorboot auf dem Gardasee ein italienisches PÀrchen tot. Sie werden verurteilt und gehen in Berufung. Ein Gericht bestÀtigt nun die Haftstrafen.

Im Berufungsprozess nach dem tödlichen Bootsunfall auf dem Gardasee in Italien hat ein Gericht in Brescia die Haftstrafen fĂŒr die zwei angeklagten Deutschen bestĂ€tigt. Das Berufungsgericht entschied gegen von der Verteidigung geforderte Strafmilderungen fĂŒr die beiden MĂ€nner aus Bayern, wie der italienische öffentlich-rechtliche Sender Rai meldete. Die Deutschen waren 2022 in erster Instanz zu Haftstrafen von viereinhalb Jahren beziehungsweise zwei Jahren und elf Monaten verurteilt worden.

Am 19. Juni 2021 hatten die beiden Deutschen auf dem bei Urlaubern beliebten Gardasee im Norden Italiens mit ihrem Luxus-Motorboot in der NĂ€he von SalĂČ das Holzboot eines italienischen PĂ€rchens aus der Umgebung gerammt. Der 37-jĂ€hrige Umberto Garzarella und seine Freundin Greta Nedrotti (25) starben. Die beiden MĂ€nner legten nach der Verurteilung in erster Instanz Berufung ein.

Was ist damals passiert?

Im damaligen Prozess sagten die Deutschen aus, in der Nacht nicht bemerkt zu haben, mit einem Boot kollidiert zu sein. Stattdessen gingen sie von Treibgut aus. SpĂ€ter mehrten sich Zweifel an der Darstellung. Aufnahmen einer Überwachungskamera kursierten, auf dem der Bootslenker beim Anlegen nach dem Unfall ins Wasser fiel und dann torkelnd an Land ging. Die Vermutung: Die beiden MĂ€nner aus Bayern sollen betrunken gewesen sein.

In dem nun zu Ende gegangenen Berufungsprozess wurde erneut geklĂ€rt, was wirklich in der Sommernacht im Juni 2021 passiert ist. Die Staatsanwaltschaft plĂ€dierte fĂŒr die BestĂ€tigung der Urteile von 2022. Die AnwĂ€lte der Deutschen hielten nach Medienberichten dagegen.

Kommt eine neue Berufung?

Italiens Rechtssystem kennt drei Instanzen. Es dĂŒrfte daher wahrscheinlich sein, dass die AnwĂ€lte der Deutschen erneut Berufung einlegen. Auch nach der ersten Verurteilung im MĂ€rz 2022 hatte der Bootslenker italienischen Medienberichten zufolge bereits wenige Monate spĂ€ter den Hausarrest verlassen können und war freigekommen. Ob und wann die Verurteilten nun die Haft antreten mĂŒssen, war zunĂ€chst unklar. Die AnwĂ€lte Ă€ußerten sich auf dpa-Anfrage zunĂ€chst nicht.

Einer der beiden Angeklagten bat die Angehörigen der Todesopfer am Freitag um Verzeihung. «Was passiert ist, war eine schreckliche Tragödie, und es gibt kein ZurĂŒck», zitierte ihn die Nachrichtenagentur Ansa aus dem Gerichtssaal. «Wir haben auch zwei Kinder, und der Verlust eines Kindes ist unverzeihlich.» Er wisse, dass sie diese Entschuldigung nicht annehmen könnten, «aber vielleicht kann das in der Zukunft passieren».

Der Vorfall löste in Italien große BestĂŒrzung aus - und hatte auch rechtliche Konsequenzen nach sich gezogen. Italien hatte vergangenes Jahr das Gesetz fĂŒr solche Straftaten verschĂ€rft. Die vom Parlament abgesegnete Regelung sieht vor, dass UnfĂ€lle auf dem Wasser wie UnfĂ€lle auf der Straße behandelt werden. Bei fahrlĂ€ssiger Tötung in der Seeschifffahrt ist so kĂŒnftig eine Höchststrafe von sieben Jahren möglich. Bei Fahrerflucht und Trunkenheit drohen bis zu 18 Jahre.

@ dpa.de