Waffenhändler-Razzia in Köln: Zehn Verdächtige in Deutschland und Spanien festgenommen
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei einer Razzia gegen mutmaßliche Waffen- und Drogenhändler sind in Deutschland und Spanien zehn Verdächtige festgenommen worden.
Ermittlungen in zwei Verfahren
Das teilten das Bundeskriminalamt und die Kölner Polizei einen Tag nach den Einsätzen mit. Die Ermittler gehen von einem Netzwerk aus, das vorwiegend illegal produzierte Schusswaffen aus der Türkei nach Deutschland geschmuggelt haben soll.
Der Vertrieb soll über türkische Cafés und Shisha-Bars im Großraum Köln gelaufen sein. Die Durchsuchungen gehören zu zwei parallel geführten Ermittlungsverfahren mit Überschneidungen: eines wird in Köln geführt, das andere vom Bundeskriminalamt.
Waffen in Bettkasten entdeckt
Ausgangspunkt des Kölner Verfahrens war eine Durchsuchung im Januar 2025 im Stadtteil Mülheim. Dabei fanden Ermittler zwölf halbautomatische Schusswaffen in einem Bettkasten. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um sogenannte Totalfälschungen, also außerhalb legaler Produktionsstrukturen hergestellte Nachbauten. Der Besitz ist verboten.
Der Fund führte die Ermittler zu einem Café in Mülheim, das als zentraler Treffpunkt der mutmaßlichen Bande gegolten haben soll. Dort sollen Anbahnungs- und Verkaufsgespräche geführt und Waffen an Kunden übergeben worden sein. Die Preise schätzten die Ermittler auf jeweils etwa 3.000 Euro. Außerdem sollen Cannabis und Kokain den Besitzer gewechselt haben. Die Stadt schloss das Café.
16 Beschuldigte im Kölner Verfahren
Im Kölner Verfahren richten sich die Ermittlungen gegen 16 Beschuldigte im Alter zwischen 17 und 50 Jahren. Durchsucht wurde in Köln, Wipperfürth, Erftstadt und Sinzig. Dabei stellten die Ermittler 15 Schusswaffen und 2.800 Euro Falschgeld sicher.
Schüsse sorgen für Unruhe
In Köln hatte es in den vergangenen Monaten wiederholt Schüsse auf Gebäude und Personen gegeben. Das hatte Sorgen in der Bevölkerung ausgelöst. Ob die Festgenommenen und ihr mutmaßliches Waffenarsenal damit in Verbindung stehen, soll noch geklärt werden.
Der Kölner Kriminaldirektor Michael Esser erklärte, Waffenverfügbarkeit führe auch dazu, dass Waffen eingesetzt würden. Zugleich verwies er darauf, dass die Polizei die Ermittlungen zunächst nicht durch frühzeitige Informationen gefährden wollte.
Waffenhandel im regionalen Umfeld
Der Fall ordnet sich in eine Entwicklung ein, bei der Ermittler in Nordrhein-Westfalen wiederholt gegen Strukturen des organisierten Waffen- und Rauschgifthandels vorgehen. Die Einsätze vom 8. Oktober 2026 betrafen neben Köln auch weitere Orte in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Im Mittelpunkt standen nach den damaligen Angaben Verstöße gegen das Waffengesetz und den Handel mit Betäubungsmitteln.
Die nun bekannt gewordene Dimension verbindet mehrere Ebenen: mutmaßlich illegal hergestellte Schusswaffen sollen grenzüberschreitend beschafft, in Deutschland weitergegeben und zugleich mit Drogen vertrieben worden sein. Die Ermittlungen in Köln und beim Bundeskriminalamt laufen parallel, überschneiden sich aber. Das kann für die Strafverfolgung wichtig sein, weil Lieferwege, Verkaufsorte und Abnehmer in unterschiedlichen Verfahren zusammengeführt werden können.
Bedeutung für Köln
Für die Stadt ist der Zusammenhang mit wiederholten Schüssen auf Gebäude und Personen besonders relevant. Ob die Festgenommenen oder die sichergestellten Waffen mit einzelnen Taten in Verbindung stehen, müssen die weiteren Ermittlungen klären. Fest steht jedoch: Ein Vertriebsort in einem öffentlich zugänglichen Café zeigt, dass illegaler Waffenhandel nicht ausschließlich in abgeschotteten Milieus stattfindet.
Die Sicherstellung von 15 Schusswaffen und die Festnahmen in Deutschland und Spanien dürften den Ermittlern Ansatzpunkte für die Rekonstruktion von Lieferketten und Kundenkontakten geben. Für die Bevölkerung bleibt entscheidend, ob sich daraus konkrete Tatbezüge ergeben und ob weitere Beschuldigte oder Waffen gefunden werden.

