Wie Europa sich gegen WaldbrÀnde wappnet
19.06.2023 - 06:09:26Die Feuer, die in Europas WĂ€ldern im vergangenen Sommer wĂŒteten, waren verheerend. Allein in Spanien wurden 306.000 Hektar zerstört und rund 30.000 Menschen zeitweise in Sicherheit gebracht. Der Gesamtschaden liegt wohl in Milliardenhöhe. Die EU-Umweltagentur EEA spricht mit Blick auf den Sommer 2022 von der zweitschlimmsten Waldbrandsaison seit der Jahrtausendwende.
Was also tun besonders betroffene LĂ€nder in Europa in Zeiten der Klimakrise, um sich vor einem erneuten Waldbrand-Sommer zu schĂŒtzen und besser auf den Notfall vorbereitet zu sein? Sechs AnsĂ€tze:
Mehr AusrĂŒstung
Ohne die richtige AusrĂŒstung geht es nicht. Etliche LĂ€nder haben nach schlimmen WaldbrĂ€nden aufgerĂŒstet - so etwa Griechenland, das derzeit ĂŒber rund 90 Löschhubschrauber und -flugzeuge verfĂŒgt. Auch Portugals Regierung setzt auf die AufrĂŒstung der BrandbekĂ€mpfungseinheiten mit neuen Flugzeugen und Helikoptern sowie Löschfahrzeugen und Schutzkleidung.
In der TĂŒrkei ist man auf mögliche BrĂ€nde allein in der bei Touristen beliebten Region Antalya in diesem Jahr mit sechs Löschflugzeugen und 250 Saisonarbeitern vorbereitet. Der italienische Zivilschutz hat von Juli an 14 Löschflugzeuge vom Typ Canadair, 2 kleinere Fire-Boss-Flieger, 5 groĂe Löschhelikopter und 13 weitere Hubschrauber im Einsatz, die ĂŒber das ganze Land verteilt zu EinsĂ€tzen anrĂŒcken können.
In Deutschland haben die besonders betroffenen Regionen ebenfalls neue Löschfahrzeuge beschafft: So hat Niedersachsen vier neue Spezialfahrzeuge in Dienst genommen, die von vier neuen Landeseinheiten zur VegetationsbrandbekÀmpfung in der Heide und im Harz eingesetzt werden. Im Sommer diesen Jahres kommen erstmals angemietete Löschflugzeuge zum Einsatz, zudem werden die Kreisfeuerwehren mit neuem Material ausgestattet. In Mecklenburg-Vorpommern wurden mehrere gelÀndegÀngige Löschfahrzeuge und weitere moderne Technik beschafft.
Der Wald ist tabu
Damit es gar nicht erst zu BrĂ€nden kommt, ist in der TĂŒrkei in den Hochsommermonaten der Zugang zu den WĂ€ldern in den meisten Provinzen des Landes untersagt. In Frankreich dĂŒrfen bei hoher Waldbrandgefahr mancherorts auch keine Land- und Waldwege betreten oder befahren werden. «Die meisten WaldbrĂ€nde in Europa werden durch menschliche AktivitĂ€ten ausgelöst, aber die klimatischen Bedingungen - trockene und heiĂe Phasen mit starken Winden - bestimmen ihre IntensitĂ€t und Auswirkungen», erklĂ€rt die EU-Umweltagentur EEA.
Im Zuge der globalen ErwĂ€rmung steigt in vielen Regionen die Waldbrandgefahr, wie etwa der Weltklimarat IPCC festgestellt hat. Zwar kann ein wĂ€rmeres Klima dazu beitragen, dass mehr Wasser vom Himmel fĂ€llt, auch hĂ€ufiger in Form von Starkregen. Die ZeitrĂ€ume ohne NiederschlĂ€ge werden aber teils lĂ€nger. Und gerade in ohnehin trockenen Gebieten steigt die Gefahr von DĂŒrreperioden. In extrem trockener Vegetation können sich WaldbrĂ€nde schneller ausbreiten.
FrĂŒher aktiv werden
Nach den verheerenden Feuern 2022 hat die Regierung in Madrid den Nationalen Aktionsplan gegen WaldbrĂ€nde dieses Jahr um etwa eineinhalb Monate auf Ende April vorgezogen. Dabei geht es vor allem um die zentrale Erfassung und Ăberwachung von WaldbrĂ€nden sowie um die Aktivierung zentralstaatlicher EinsatzkrĂ€fte wie die sogenannten schnellen Brigaden fĂŒr WaldbrandbekĂ€mpfung, die mit ihren Helikoptern schnell landesweit eingreifen können. AuĂerdem um groĂe Löschflugzeuge, die von der Sondereinheit der StreitkrĂ€fte fĂŒr KatastrophenfĂ€lle betrieben werden.
In Spanien stehen landesweit etwa 25.000 professionelle BrandbekĂ€mpfer bereit. Doch hĂ€ufig wird kritisiert, dass sie nur im FrĂŒhjahr und Sommer beschĂ€ftigt werden, wenn es erfahrungsgemÀà die meisten BrĂ€nde gibt. Im Winter, wenn die WĂ€lder von Totholz und Biomasse gesĂ€ubert werden mĂŒssten, stĂŒnden zu wenige KrĂ€fte zur VerfĂŒgung. «Wenn man im Winter im Wald nicht aufrĂ€umt, helfen einem im Sommer auch eine Million BrandbekĂ€mpfer nichts», zitierte die Zeitung «El Mundo» einen Feuerwehrmann.
FrĂŒherkennung
Der Landkreis Harz, ein Schwerpunkt von WaldbrĂ€nden in Sachsen-Anhalt, setzt neuerdings auf eine FrĂŒherkennung per Satellit. Portugal will dafĂŒr Radare installieren. Frankreich hat in Drohnen und WĂ€rmebildkameras investiert.
AufklÀrung
Um WaldbrÀnden vorzubeugen, hat Rom seine Provinzen und Regionen aufgefordert, die Italiener mit umfangreichen Kampagnen aufzuklÀren: etwa, was bei offenen Feuern zu beachten ist, dass man nicht auf trockenem Gras sein Auto parken soll und welche Gefahren lauern, wenn jemand Zigarettenstummel in der Natur wegwirft.
Auch Spanien informiert seine BĂŒrgerinnen und BĂŒrger ĂŒber Gefahren und das richtige Verhalten, falls es in der NĂ€he brennt: So sollen sich Menschen in gefĂ€hrdeten Regionen vorab ĂŒber Fluchtwege informieren, wichtige Papiere und Handys griffbereit haben und auch daran denken, wie sie im Notfall Haustiere und Vieh in Sicherheit bringen können.
Portugal will seine Bevölkerung ebenfalls fĂŒr die Gefahren sensibilisieren und auch der tĂŒrkische Katastrophenschutzdienst Afad veranstaltet gezielte Weiterbildungen fĂŒr das richtige Verhalten im Brandfall.
Wetterbericht fĂŒr den Wald
In Frankreich gibt es seit Anfang Juni vom Wetterdienst MĂ©tĂ©o France einen Waldwetterbericht. Veröffentlicht werden tĂ€glich Karten, auf denen die Brandgefahr in den DĂ©partements fĂŒr die nĂ€chsten zwei Tage dargestellt ist. Ziel ist es, dass die Bevölkerung ihr Verhalten an das Brandrisiko anpasst.





