Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Wegen Buckelwal: Meeresmuseum erhält weiter Hassnachrichten

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 13:16 Uhr | dpa.de

Nach der Bergung des gestrandeten Buckelwals «Timmy» hält die Welle von Drohungen und Hass gegen das Meeresmuseum in Stralsund bis heute an. Mitarbeitende mussten sogar Auskunftssperren beantragen.

  • Rund vier Monate nach der Bergung des vor der Ostseeküste geborgenen Buckelwals «Timmy» sieht sich das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund immer noch Anfeindungen ausgesetzt. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
    Rund vier Monate nach der Bergung des vor der Ostseeküste geborgenen Buckelwals «Timmy» sieht sich das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund immer noch Anfeindungen ausgesetzt. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
  • Eine private Initiative ließ den Buckelwal «Timmy» mit Duldung des Umweltministeriums Richtung Dänemark abtransportieren. (Archivbild) - Bild: Philip Dulian/dpa
    Eine private Initiative ließ den Buckelwal «Timmy» mit Duldung des Umweltministeriums Richtung Dänemark abtransportieren. (Archivbild) - Bild: Philip Dulian/dpa
Rund vier Monate nach der Bergung des vor der Ostseeküste geborgenen Buckelwals «Timmy» sieht sich das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund immer noch Anfeindungen ausgesetzt. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa Eine private Initiative ließ den Buckelwal «Timmy» mit Duldung des Umweltministeriums Richtung Dänemark abtransportieren. (Archivbild) - Bild: Philip Dulian/dpa

Rund vier Monate nach der Bergung des vor der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals «Timmy» erfahren Wissenschaftler und Beschäftigte des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund nach eigener Aussage immer noch Anfeindungen und Drohungen. «Seit etwa Mitte März sind wir bis heute einem Shitstorm ausgesetzt», sagte eine Sprecherin des Museums der Deutschen Presse-Agentur. Zahlreiche Beiträge richteten sich dabei gegen die wissenschaftlichen Experten und Expertinnen sowie gegen die einzelnen Häuser des Meeresmuseums.

«Ich reiße Sie öffentlich in Stücke»

Nachdem sich Mitte März ein reichweitenstarker Influencer in das Thema rund um den Buckelwal eingeschaltet und der Wissenschaft und den NGOs immer wieder die Expertise abgesprochen habe, «begannen die Hasskommentare, Anfeindungen und Drohungen auf Social Media, in Mails und Telefonaten, die sich bis heute fortsetzen», sagte die Sprecherin. Es habe Forderungen gegeben, das Museum niederzubrennen, oder den Wunsch, die Beschäftigten mögen in der Hölle stranden. Einer habe geschrieben: «Ich reiße Sie öffentlich in Stücke - das ist keine Drohung, sondern ein Versprechen.»

Richtig losgegangen mit den Anfeindungen sei es, als das Meeresmuseum und andere Experten geraten hatten, den Wal in Ruhe sterben zu lassen, sagte die Sprecherin. Daraufhin hätten sich zahlreiche Gruppen formiert, «die gegen uns hetzen». Den Forschern seien unter anderem vorsätzliche unterlassene Hilfeleistungen vorgeworfen worden oder sie seien beschuldigt worden, den Wal mit Absicht sterben lassen, «um das Skelett in einem seiner Museen ausstellen oder für mehrere Millionen Euro verkaufen zu können».

Beschäftigte müssen Auskunftssperre beantragen

Alle Beschäftigten des Meeresmuseums, die in Medien namentlich genannt wurden, hätten bei der Stadt eine Auskunftssperre beantragt, damit Adressen und persönliche Daten nicht an Privatleute und Firmen herausgegeben werden. «Wir hatten alle Angst, auf der Straße angegangen zu werden, wenn man uns erkennt. Unsere Teamseite auf unserer Webseite blendeten wir zeitweise aus», sagte die Sprecherin.

Zuvor hatte bereits Museumsdirektor Burkard Baschek von massiven Anfeindungen gesprochen. «Es war so, dass auch Familienangehörige zum Teil angeschrieben worden sind. Das ging in einen privaten Bereich
rein», sagte er der «Bild»-Zeitung. Eine Polizeisprecherin sagte dem Blatt: «Seit April sind mehrere Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Meeresmuseum bekannt geworden, bei denen unter anderem der Verdacht von Beleidigung und Bedrohung geprüft wird.»

Buckelwal Mitte Mai tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt

Der häufig «Timmy» genannte Buckelwal war im Frühjahr mehrfach an der Küste Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns gestrandet. Entgegen der Einschätzung von Fachleuten hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Mitte April überraschend grünes Licht für den Transportversuch einer privaten Initiative gegeben, die den Wal retten wollte. Das Tier wurde in einer spektakulären, aber umstrittenen Aktion mit einer Art Lastkahn in die Nordsee transportiert und dort freigelassen. Tierschützer hatten im Vorfeld der Bergung große Bedenken geäußert. Mitte Mai wurde der Wal dann tot vor der dänischen Insel Anholt entdeckt.

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