Sturm-Chaos, Bahn-Verkehr

Nach Sturm-Chaos: Bahn-Verkehr in Berlin beruhigt sich

24.06.2025 - 15:05:42

Wegen vieler umgestĂŒrzter BĂ€ume haben die EinsatzkrĂ€fte in Berlin und Brandenburg ordentlich zu tun. Im S-Bahn-Verkehr gibt es noch vereinzelt AusfĂ€lle und VerspĂ€tungen.

Nach dem heftigen Sturm in Berlin und Umland mit mindestens einem Todesopfer und mehreren Verletzten normalisiert sich die Lage. Wegen des Unwetters war am Montag der komplette S-Bahn-Verkehr in der Hauptstadt ĂŒber Stunden eingestellt worden. UmgestĂŒrzte BĂ€ume hatten im Feierabendverkehr mehrere Strecken blockiert. Erst am Abend fuhren wieder erste S-Bahnen. 

Betroffen waren zudem Regional- und FernzĂŒge. Inzwischen komme es nur noch vereinzelt zu AusfĂ€llen und VerspĂ€tungen bei der S-Bahn, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Der Deutsche Wetter-Dienst (DWD) hatte eigenen Angaben zufolge schon am Sonntag vor hohen WindstĂ€rken gewarnt. 

Wie stark war das Unwetter?

Der Deutsche Wetterdienst erklĂ€rte, die höchste Windgeschwindigkeit sei am Montag an der Freien UniversitĂ€t Berlin mit 108 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Das entspreche WindstĂ€rke 11 und orkanartigen Böen, sagte ein Sprecher. Auch in Berlin-Tempelhof seien Windgeschwindigkeiten von ĂŒber 100 Stundenkilometern gemessen worden. Bei dem heftigen Sturm knickten BĂ€ume um, Äste wurden auf Straßen und Wege geweht.

Der DWD habe in seinem Lagebericht schon am Sonntag davor gewarnt, dass Windgeschwindigkeiten von 80 bis 100 Stundenkilometern erreicht und orkanartige Böen um 105 km/h nicht ausgeschlossen werden könnten, erklÀrte Meteorologe Stefand Rubach. Der Lagebericht sei in der Warnwetter-App des DWD zu finden. Auch am Montagvormittag habe der DWD vor schweren Sturmböen am Nachmittag gewarnt. «Vorhersagetechnisch war das eine Punktlandung», sagte Rubach. 

Derweil sieht Berlins Innensenatorin Iris Spranger noch offene Fragen, auch in Bezug auf den DWD. «Wir haben gestern wirklich die Situation gehabt, dass alle Fahrzeuge in Berlin unterwegs waren. Wir hatten einen sehr starken Ausnahmezustand», sagte die SPD-Politikerin im Anschluss an die jĂŒngste Senatssitzung. So wie am Montag sei die Situation selten und mĂŒsse deshalb noch einmal analysiert werden. «Auch ich möchte natĂŒrlich wissen, war das jetzt eine FehleinschĂ€tzung des Deutschen Wetterdienstes?», fragte Spranger. 

Wie viele Opfer gab es? 

In Berlin gab es mindestens ein Todesopfer: Im Spandauer Forst traf ein umstĂŒrzender Baum ein Auto und verletzte die 55-jĂ€hrige Frau darin tödlich, wie die Polizei mitteilte. Eine 59 Jahre alte Radfahrerin wurde in der Clayallee in Dahlem von einem umstĂŒrzenden Baum getroffen. «Wir hatten ebenfalls eine Person, die in der NĂ€he des Tegeler Forstes auch von herabstĂŒrzenden Ästen getroffen wurde und nur mit Hilfe unseres Rettungshubschraubers und der Rettungswinde dort aus dem Waldgebiet befreit werden konnte», so ein Feuerwehrsprecher. In Spandau wurde eine 30-JĂ€hrige von einem herabstĂŒrzenden Ast getroffen. Sie wurde mit lebensbedrohlichen Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht und dort notoperiert.

In der NĂ€he von Neuzelle (Oder-Spree) wurde der Fahrer eines GĂŒterzugs leicht verletzt, wie eine Sprecherin der Polizei-Leitstelle mitteilte. Der GĂŒterzug war gegen 18.50 Uhr gegen einen umgestĂŒrzten Baum gefahren, der auf den Schienen lag. Dabei sei der TriebwagenfĂŒhrer leicht verletzt worden und in ein Krankenhaus gekommen. Die Strecke war demnach fast eineinhalb Stunden gesperrt und wurde von der Feuerwehr gerĂ€umt. 

Die Feuerwehr in Brandenburg hatte zunÀchst von einem weiteren tödlichen Autounfall im Havelland berichtet, ihre Angaben spÀter jedoch korrigiert. Es habe sich im Nachhinein geklÀrt, dass es sich um den Unfall der gestorbenen Frau in Berlin handelte. Der Unfallort liegt knapp einen halben Kilometer vor der Landesgrenze auf Berliner Stadtgebiet, wie die Polizei in der Bundeshauptstadt mitteilte.

Wie war die Lage?

Die Berliner Straßen waren voller Laub und kleinerer Äste. Auch ganze BĂ€ume waren umgestĂŒrzt und es gab leichte Überschwemmungen. Die Stadt sei vom Unwetter flĂ€chendeckend betroffen, schilderte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr, die ĂŒber Stunden um Einsatz war. Demnach gab es rund 600 wetterbedingte EinsĂ€tze. 

Auch in Potsdam mussten die EinsatzkrĂ€fte viele Straßen und Wege von Ästen und BĂ€umen befreien. Die Feuerwehr rĂŒckte am Montagnachmittag nach eigenen Angaben innerhalb von vier Stunden zu rund 120 EinsĂ€tzen aus. Bei einem Großteil davon war demnach das Unwetter der Grund gewesen.

Insgesamt sei das Geschehen in Brandenburg intensiv gewesen. «Aber nicht so, dass es nicht beherrschbar war», so die Sprecherin. Niemand sei in Brandenburg schwer verletzt worden oder wegen des Unwetters gestorben. 

In Brandenburg war der Montag der blitzreichste Tag des bisherigen Jahres. Laut Zahlen des Informationsdienstes ALDIS/ BLIDS gab es 664 Erdblitze im Land. Blitze in den Wolken wurden dabei nicht gezĂ€hlt, mehrfache Entladungen innerhalb eines Blitzes – Beobachter nehmen dies als Flackern wahr – gelten nur als insgesamt ein Blitz. In Berlin zĂ€hlte das System 13 Erdblitze - das war der bisher zweithöchste Wert im laufenden Jahr.

Welche weiteren Folgen hat der Sturm? 

Durch die Berliner WĂ€lder zu gehen und zu radeln, kann nach dem heftigen Sturm weiterhin gefĂ€hrlich sein. Äste könnten herabstĂŒrzen oder geschĂ€digte BĂ€ume umfallen, teilte die Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt mit. Die AufrĂ€um- und Sicherungsarbeiten der vier Berliner ForstĂ€mter liefen. Empfohlen werde, die Hauptwege zu nutzen und auf Kopfhörer zu verzichten. 

Der Friedhof in Berlin-Mahlsdorf und der Schlosspark Biesdorf wurden aus SicherheitsgrĂŒnden vorerst geschlossen. Durch herausgebrochene Kronenteile und abgebrochene Äste bestehe eine erhöhte Gefahr, hieß es vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf. Daher bleibt er aus GrĂŒnden der Sicherheit vorerst geschlossen.

Wie ist die Wettervorhersage?

Am Dienstag bleibt es in Berlin und Brandenburg weiter windig - orkanartig soll es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) aber nicht mehr werden. Die Windböen sollen Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erreichen. Am Himmel bleibt es weiterhin wolkig. Regen soll es nur vereinzelt geben. DafĂŒr bleibt es warm: Die Meteorologen des DWD gehen von Höchsttemperaturen zwischen 20 und 25 Grad aus.

@ dpa.de