WaldbrÀnde in Griechenland ungebremst
23.08.2023 - 11:28:00Böses Erwachen fĂŒr Millionen Griechen und Touristen am Mittwoch in Griechenland: Diesige, verqualmte Luft noch Hunderte Kilometer von den BrĂ€nden entfernt, ein von Rauchschwaden verdeckter Himmel und die Sonne lediglich als kleiner leuchtender Punkt am Horizont erwartete sie am Morgen. Den fĂŒnften Tag in Folge kĂ€mpft das Land weiter gegen gewaltige VegetationsbrĂ€nde.
Vor allem die Feuerfronten im Nordosten breiteten sich noch weiter aus. Und auch nahe Athen kÀmpften Feuerwehr und Freiwillige mit allen Mitteln gegen die Flammen. Dort gehören zwei deutsche Löschflugzeuge zum Einsatzteam.
Wegen der BrÀnde hat sich die LuftqualitÀt in den vergangenen Tagen in weiten Teilen des Landes massiv verschlechtert. Einem Bericht der Tageszeitung «Kathimerini» zufolge sollen zwischenzeitlich bis zu 80 Prozent der LandesflÀche von Rauchwolken bedeckt gewesen sein.
Das Problem betreffe fast das ganze Land, sagte Nikos Michalopoulos, Wissenschaftler am Nationalen Observatorium von Athen, der Zeitung. Laut griechischem Wetterdienst zog der Rauch der gewaltigen BrĂ€nde im Nationalpark Dadia im Nordosten des Landes am Dienstag mehr als 950 Kilometer weit bis zu den Inseln im Ionischen Meer. Er bedeckte demnach eine FlĂ€che von rund 110 000 Quadratkilometern, was rund 80 Prozent des griechischen Territoriums entsprĂ€che. Auch am Mittwochmorgen zogen Rauchwolken ĂŒber weite Teile des Landes.
Waldbrandgefahr vielerorts hoch bis sehr hoch
«Es ist einer der beeindruckendsten Rauchtransporte, die wir in den letzten Jahren gesehen haben», sagte der Direktor des Nationalen Observatoriums von Athen, Kostas Lagouvardos. Der griechische Verband der Pneumologen empfehle den BĂŒrgern, sich so weit wie möglich in InnenrĂ€umen aufzuhalten und Fenster und TĂŒren geschlossen zu lassen.
Konkret wurden am Dienstag etwa in der von BrĂ€nden fast umzingelten Stadt Alexandroupolis zwischenzeitlich Werte von 106 Mikrogramm Feinstaub der GröĂenkategorie PM2.5 (Durchmesser kleiner als 2,5 Mikrometer) pro Kubikmeter Luft gemessen. Gerade solche kleinen Partikel gelten als schĂ€dlich und als Verursacher von SchlaganfĂ€llen, Krebs und Atemwegserkrankungen. Sie können teils bis in die LungenblĂ€schen und in die Blutbahn vordringen.
Ermittlungen wegen Brandstiftung
Auch in Athen blieb die Lage der BrĂ€nde angespannt; unter anderem brannte es nordwestlich der Stadt in Richtung des Gebirges Parnitha. Dort kĂ€mpfte die Feuerwehr die ganze Nacht, um das Ăbergreifen der Flammen auf die Berge zu verhindern. Parnitha gilt als grĂŒne Lunge Athens und ist auĂerdem Nationalparkgebiet. Die Feuerwehr war mit 65 LöschzĂŒgen im Einsatz, im Morgengrauen begann wieder der Einsatz aus der Luft mit sieben Löschfliegern und acht Hubschraubern, darunter zwei deutschen Fliegern, die im Rahmen des Katastrophenschutz-Mechanismus der EU in Griechenland angekommen sind.
Insgesamt brennt es in Griechenland an mindestens 15 groĂen oder gröĂeren Fronten, wie Satellitenbilder zeigten. Die Prognose der Waldbrandgefahr sei geringfĂŒgig besser als noch am Dienstag, teilte der Zivilschutz mit. So soll der fĂŒr die Jahreszeit typische Wind Meltemi nicht mehr so stĂŒrmisch wehen. Allerdings werde es örtlich immer noch Windgeschwindigkeiten um die 50 Kilometer pro Stunde geben, teilte der Wetterdienst mit. Entsprechend blieb die Waldbrandgefahr in vielen Landesteilen weiterhin hoch bis sehr hoch.
Nach dem Tod von mindestens 19 Menschen bei schweren WaldbrĂ€nden in der Region des griechisch-tĂŒrkischen Grenzflusses Evros hat die Staatsanwaltschaft von Athen unterdessen Ermittlungen wegen Brandstiftung eingeleitet. Dies berichtete am Mittwoch der griechische Rundfunk (ERT). «Untersuchen Sie die Ursachen dieser BrĂ€nde einschlieĂlich jeglicher organisierter krimineller AktivitĂ€ten», zitierte der Sender den Auftrag der obersten StaatsanwĂ€ltin Georgia Adeilini in einem Schreiben an die zustĂ€ndigen StaatsanwĂ€lte von Evros.











