Ermittlungen gegen Vollzugsbeamte â Handys und Drogen in JVA
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 13:06 Uhr, dpa.deDie Polizei hat am Dienstag RĂ€ume der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rheinbach sowie Wohnungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Hintergrund sind laut Polizei Bonn Ermittlungen gegen mehrere Justizbedienstete. Die fĂŒnf MĂ€nner und drei Frauen sollen gegen Bezahlung Handys und Drogen ins GefĂ€ngnis geschmuggelt haben. NRW-Justizminister Benjamin Limbach (GrĂŒne) lĂ€sst die SicherheitsmaĂnahmen in allen Anstalten verschĂ€rfen.
Er habe ab sofort Taschenkontrollen bei den GefĂ€ngnis-Bediensteten verfĂŒgt, sagte Limbach am Dienstag vor Journalisten. «Mir ist sehr wohl bewusst, dass das ein harter Einschnitt ist», so Limbach. Aber die strengeren Kontrollen dienten dazu, «den tadellosen Ruf» der ehrlichen Mehrheit der Mitarbeiter zu schĂŒtzen. Ausgelöst worden seien die Ermittlungen im Ăbrigen durch eine Anzeige der Anstaltsleitung.
Nach dpa-Informationen hatte die Polizei eine «Besondere Aufbauorganisation» (BAO) eingerichtet, um die Ermittlungen zu fĂŒhren. AuĂer den acht Bediensteten sind auch HĂ€ftlinge in Rheinbach sowie ehemalige Insassen der JVA betroffen.Â
Razzien starteten um 7.30 Uhr
Am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr begannen zeitgleich die Durchsuchungen in der JVA und in Wohnungen in Köln, Euskirchen, Reinbach und Siegburg sowie in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Neuwied. Etwa 60 EinsatzkrÀfte waren laut Polizei beteiligt.
Konkret sollen die JVA-Beamten laut Limbach gegen Geld Handys und Drogen in das GefĂ€ngnis geschmuggelt und Insassen ĂŒbergeben haben. Die verbotenen GegenstĂ€nde waren den GefĂ€ngnismitarbeitern laut den Ermittlungen drauĂen von Angehörigen oder Freunden ĂŒbergeben worden.
Bei den Razzien sollten laut den Ermittlern Handys, SchriftstĂŒcke und andere Beweismittel sichergestellt werden. Nach dpa-Informationen wurde an einer Adresse auch gezielt nach Drogen gesucht.
Ermittler: Kein Zusammenhang mit Fall Euskirchen
Wie die Staatsanwaltschaft betonte, gibt es keinen Zusammenhang des aktuellen Falls mit den Ermittlungen rund um die JVA Euskirchen. Dort hatte die NRW-Polizei erst Anfang Mai Razzien gestartet. Auch in Euskirchen wird gegen mehrere Bedienstete und ehemalige HÀftlinge ermittelt. Die GefÀngnismitarbeiter in Euskirchen sollen unter anderem regelrechte «Bestechungs-Abos» verkauft haben, bei denen man gegen eine monatliche Bezahlung vor Kontrollen gewarnt worden sein soll.
Dass es in so kurzer Zeit gleich zwei Ă€hnliche FĂ€lle in NRW-GefĂ€ngnissen gibt, hat erwartungsgemÀà die Opposition im DĂŒsseldorfer Landtag auf den Plan gerufen. SPD und FDP haben gemeinsam eine Sondersitzung des Rechtsausschusses beantragt, die am Mittwochmorgen stattfinden soll. Justizminister Limbach kĂŒndigte an, dann ĂŒber den neuesten Stand der Ermittlungen zu berichten.
Der FDP-Abgeordnete Werner Pfeil forderte am Dienstag, dass alle GefĂ€ngnisse in Nordrhein-Westfalen nun systematisch auf «korrupte Strukturen» ĂŒberprĂŒft werden mĂŒssten. Minister Limbach hat zunĂ€chst - wie bereits in Euskirchen - eine SonderprĂŒfung der JVA Rheinbach veranlasst.
