Zahl, Straftaten

Zahl der Straftaten so hoch wie seit 2016 nicht mehr

06.04.2024 - 13:09:01

Wie viele Straftaten gab es vergangenes Jahr in Deutschland? Innenministerin Faeser will die Statistik erst noch vorlegen. Erste Zahlen sind aber bereits bekannt geworden - und lassen aufhorchen.

Der bereits 2022 festgestellte Trend zu mehr KriminalitÀt in Deutschland hat sich verfestigt. Die Zahl registrierter Straftaten ist im vergangenen Jahr einem Medienbericht zufolge bundesweit um 5,5 Prozent auf fast sechs Millionen gestiegen.

Insgesamt seien der Polizei 5,94 Millionen Delikte gemeldet worden, zitierte die «Welt am Sonntag» aus der Kriminalstatistik, die Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) kommende Woche offiziell vorstellen will. So viele FÀlle hatte es zuletzt im Jahr 2016 gegeben. 58,4 Prozent aller erfassten Straftaten wurden dem Bericht zufolge aufgeklÀrt, etwas mehr als im Vorjahr.

Der Zeitung zufolge gab es bei der GewaltkriminalitÀt so viele FÀlle wie seit 15 Jahren nicht mehr. 214.099 solcher Delikte seien aufgenommen worden. So sei die Zahl gefÀhrlicher und schwerer Körperverletzung um 6,8 Prozent auf 154.541 FÀlle gestiegen. 

Stimmung in Gesellschaft hat sich verÀndert

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte dem Blatt, die Stimmung in der Gesellschaft habe sich verĂ€ndert: «Konflikte werden schneller mit FĂ€usten statt mit Worten gelöst. Die ZĂŒndschnur ist kĂŒrzer geworden.»

Die KriminalitĂ€t hatte 2022 nach Jahren des RĂŒckgangs bundesweit wieder zugenommen - und zwar um 11,5 Prozent auf rund 5,63 Millionen Straftaten. Damals war jedoch ein Teil des Anstiegs auf den Wegfall der Corona-Maßnahmen zurĂŒckzufĂŒhren. Durch die staatlichen BeschrĂ€nkungen hatte es 2020 und 2021 weniger Tatgelegenheiten gegeben - etwa weil GeschĂ€fte geschlossen waren und sich weniger Menschen begegneten.

Der «Welt am Sonntag» zufolge gab es im vergangenen Jahr deutlich mehr WohnungseinbrĂŒche als im Jahr zuvor. Die Zahl sei innerhalb eines Jahres um 18,1 Prozent auf 77.819 FĂ€lle gestiegen. Berlin sei dabei Spitzenreiter mit 8323 FĂ€llen, ein Plus von 35,2 Prozent.

Statsitik wird erst noch offiziell vorgestellt

Wie die Zeitung berichtet, stieg die Zahl der TatverdĂ€chtigen gegenĂŒber 2022 um 7,3 Prozent auf knapp 2,25 Millionen. Von den VerdĂ€chtigen besaßen demnach 923.269 (plus 17,8 Prozent) keinen deutschen Pass. Allerdings war auch die Zuwanderung nach Deutschland in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen. Bestimmte Straftaten, wie VerstĂ¶ĂŸe gegen das Aufenthaltsgesetz oder das Asylverfahrensgesetz, werden aufgrund der unterschiedlichen rechtlichen Stellung fast ausschließlich von AuslĂ€ndern begangen.

Offiziell wird die bundesweite Kriminalstatistik erst noch vorgestellt. Aber bereits die aus einzelnen BundeslĂ€ndern bekannt gewordenen Daten fĂŒr das vergangene Jahr lassen darauf schließen, dass sich der Negativ-Trend des Jahres 2022, der damals noch teilweise mit der Aufhebung der staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen zusammenhing, 2023 fortgesetzt hat.

Die Bundesinnenministerin hatte mit Hinweis auf die LÀnderzahlen erklÀrt, ihr Ministerium habe die Zunahme der Jugendgewalt und der nichtdeutschen TatverdÀchtigen schon lÀnger im Blick. Zu den Ursachen zÀhlten «eigene Gewalterfahrungen durch Terror und Flucht, aber auch Armutsrisiken».

Die gestiegene JugendkriminalitĂ€t stehe auch in Zusammenhang mit den schwerwiegenden psychischen Folgen der Corona-Pandemie, sagte die SPD-Politikerin. Gleichzeitig betonte Faeser: «Das sind Ursachen, aber keinesfalls Rechtfertigungen fĂŒr Gewalt.» Notwendig seien einerseits spĂŒrbare strafrechtliche Folgen und schnellere Abschiebungen auslĂ€ndischer StraftĂ€ter, andererseits aber auch mehr PrĂ€vention und eine Auseinandersetzung mit den sozialen Ursachen.

@ dpa.de